Donnerstag, 15. September 2011

Please mind the gap

Dass Stimmungen und Realdaten gelegentlich auseinanderklaffen, das ist sicherlich nicht neu. Neu ist dafür, dass die Lücke nicht nur groß ist, sondern riesig, wenn man bedenkt, dass vor nicht einmal einem viertel Jahr alle wirtschaftlichen Daten auf „dunkelgrün“ standen. Heute scheint dies Jahre zurück zu liegen. Die Nachrichten in Funk, Fernsehen und Internet verunsichern zusehends und der Kapitalmarkt nimmt die Griechenlandpleite, die Rezession spätestens in Q1/2012 und das Bankensterben schon vorweg, während die reale Wirtschaft weiterhin Rekordergebnisse erzielt. „Wo ist der Fehler?“, mag sich mancher fragen. Und in der Tat scheint die entstandene Lücke rational nicht erklärbar zu sein. Übertreibt der Kapitalmarkt oder ist die Wirtschaft zu blauäugig? Vielleicht ist beides korrekt, vielleicht aber auch nicht. Spricht man mit Bankern, Fondmanagern, Analysten und Finanzjournalisten, so ist der wirtschaftliche Niedergang bereits nahe und wir sind erst auf dem Weg der bevorstehenden, wesentlich extremer ausufernden Krise im Vergleich zu den Jahren 2008/09. Auf der anderen Seite sind die Unternehmenslenker, allen voran aus der IT-Branche, welche von vollen Auftragsbüchern und positiven Geschäftsverläufen berichten und mehrheitlich ein Umsatzplus prognostizieren (Quelle BITKOM: http://www.bitkom.org/61374_68553.aspx). Und auch BITKOM, der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., erwartet sowohl für dieses als auch für das nächste Jahr ein Wachstum der Marktvolumina für Informationstechnik von über 4 Prozent (Quelle BITKOM: http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM_ITK-Marktzahlen_Kurzfassung_Maerz_2011.pdf). Sofern es also nicht zu einer „self fulfilling prophecy“ aufgrund von Investitionsstopps wegen einer eventuell bevorstehenden Krise, die erst durch jene Investitionsstopps selbst ausgelöst wird, kommt, scheint es sich aktuell nur um eine gesunde, wenn auch zittrige Konsolidierung zu handeln und der Spruch: „Von den letzten fünf Rezessionen wurden am Kapitalmarkt neun vorhergesagt.“ bewahrheitet sich mal wieder. Erst wenn sich die Mehrzahl der Unternehmer von der Hysterie anstecken lässt, bekommen die Rezessionsauguren recht. Noch scheint es jedenfalls nicht soweit zu sein…

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