Montag, 17. April 2017

Das Wort zum Ostermontag

Über das Selbstbestimmungsrecht der Völker
"Kollektive Rechte dienen in aller Regel der Unterwerfung von Menschen, nicht ihrer Befreiung, Sie sind einer der großen Irrtümer des 20. Jahrhunderts," schrieb 1989 Ralf Dahrendorf, einer der klügsten Köpfe der letzten 50 Jahre. "Der Kern zivilisierter moderner Gesellschaften liegt in ihrer Fähigkeit, Menschen unterschiedlichen Geschlechts und Alters, Herkunft und Kultur gleiche Rechte zu garantieren. Es ist eine traurige Tatsache, dass unterschiedliche Gruppen dies schlechterdings nicht fertigbringen; nicht zuletzt darum ist die Teilung von Ländern im Namen des Selbstbestimmungsrechts eines der großen Themen der Zeit. Es wäre abwegig zu leugnen, dass es in einigen Fällen andere Lösungen praktisch nicht gibt. Aber das rechtfertigt die traurige Tatsache nicht, dass das Selbstbestimmungsrecht ein Instrument der Entzivilisierung und Barbarisierung ist, ein Zeugnis der Unfähigkeit zur Freiheit in Vielfalt. Es wird Zeit, dass es aus dem Wortschatz der internationalen Politik verschwindet."
Journalyse-Quelle: Die Zeit, 28. April 1989, Ralf Dahrendorf: "Nur Menschen haben Rechte"



Freitag, 24. März 2017

Rück-Click 1975_ Über Computer

Wenn man diese mehr als 40 Jahre alte Anzeige der IBM liest, dann fragt man sich, was dieses ganze Trara um die Digitalisierung eigentlich soll. Die Litanei der Veränderungen, die sich hier andeutet, hat sich in den letzten vier Jahrzehnten unentwegt und ziemlich evolutionär fortgesetzt. Die Arbeiterschaft, die seit 100 Jahren mit der Automatsierung der Arbeitswelt fertigwerden muss, hat in den siebziger Jahren - in geradezu heroischer Form - die Digitalisierung gemeistert. Dabei waren sie ohne Abitur, ohne Fach- oder Hochschulausbildung, oftmals hatten sie ihren Beruf noch vor dem Krieg gelernt - und sie haben die Veränderungen gemeistert, ohne dass eine Hannover Messe deshalb dasraus ein Event machen musste. Heute wird so getan, als ob wir wunderswas leisten müssen, um den Wandel zu bewältigen. Damals wie heute waren es die Bürohengste, allen voran die Führungskräfte, die am meisten Angst vor dem Wandel hatten. Sie hatten auch den größten Nachholbedarf, als in den 80er Jahren der PC anrollte. Das Handy schien ihnen dann eingangs des 21. Jahrhunderts die Kontrolle über alles und vor allem jeden zurückzugeben - und so managen sie sich und ihre Mitarbeiter auch. Übers Handy. Übers Gehör und über Textnachrichten. Wenn sie stattdessen einmal das benutzen würden, was sie zwischen den Ohren haben, würden sie feststellen, dass sie hinter ihren Mitarbeitern emotional und intellektuell weit zurückliegen. Technisch Avantgarde zu sein, was sie an der Typennummer ihres Smartphones zu belegen versuchen), ist kein Ersatz für den Gebrauch des eigenen Verstandes - und für Zivilcourage. Aber das ist ein ganz anderes Thema - es stünde unter der Überschrift: "Über Manager"...

Donnerstag, 2. März 2017

Rück-Click 1998: Die Bank als Kathedrale



1996: "Die Branche brachte den Leuten bei, bei einem Bankenbesuch an Marmorhallen zu denken, die fast schon an Kathedralen erinnerten. Nun erzählen wir den Menschen, dass es in Ordnung ist, wenn sie zuhause beten. Aber wir haben zu verstehen, dass unser Produkt, also Geld, eine Menge soziologische Überlagerungen besitzt, die wir nicht einfach hinwegfegen können, indem wir die Sicht auf unser Geschäft ändern."
Martin Taylor, Vorstandschef der britischen Barclays Bank

Mittwoch, 1. Februar 2017

Der VW Skandal: Warum sind die Wolfsburger eigentlich noch nicht pleite?

Der Abgasskandal hat sich inzwischen auf eine Schadenssumme von etwa 25 Milliarden Dollar für VW aufsummiert, berichtet das Wall Street Journal. "Wie kann man soviel Geld zahlen, ohne Pleite anzumelden", meint einer der Leser. Es ist nun der "unschuldige Aktionär, der die Rechnung zu bezahlen hat", meint ein anderer. Ein dritter Leser wird drastisch und zitiert ein fiktives Statement, das er in Deutsch niederschreibt: "Der Grund dafür ist, dass wir ein Haufen Scheißköpfe sind." Ein anderer entrüstet sich über die Höhe der Strafe im Vergleich zu dem, was die Kunden bekommen: "Die Regierung bekommt zehnmal mehr als die Kunden". Auch nicht schlecht, möchte man mit erhobener Augenbraue hinzufügen. Ein anderer fragt sich, ob VW nun die anstehenden Rückkäufe aus ihrer Verkaufsstatistik rausnimmt - was ihre Position als Nummer 1 oder 2 am Weltmarkt gefährden könne.
Mehr denn je ist Volkswagen eine Lachnummer - da kommt Bosch gut weg: 325 Millionen Dollar kostet den schwäbischen Zulieferer der Vergleich, der zu zahlen ist für die Software, die den Schwindel möglich machte. Natürlich ist dies nicht mit einem Schuldeingeständnis verbunden, sondern mit dem Wunsch, endlich Ruhe zu haben.

Speicherpreise 1977: Ein 16-K-Memory kostete 575 Dollar

... und brachte damit den Preis pro Megabyte auf 36.800 Dollar. In 4-K-Schritten war das Megabyte billiger: 23.000 Dollar. Aber was für ein Vergleich mit 1957. Wer damals sich den Luxus leisten wollte, seinem Rechner einen megamageren Hauptspeicher zu gönnen, hätte
für 1 Megabyte 411 Millionen Dollar in 1957
hinlegen müssen.
Und nun zählen Sie mal die Milliarden, die unter der Hülle Ihres Smartphones schuften.

Sonntag, 29. Januar 2017

Siemens 1981: Technologische Lücke zu den USA sei geschlossen,...

... behauptete vor 35 Jahren der Siemens-Experte Ernst Hofmeister auf dem 5. Wissenschaftsforum des Institut der Deutschen Wirtschaft. Nach einer Untersuchung des Verbandes der Deutschen Ingenieure (VDI) seien 70 Prozent aller Produktgruppen im deutschen Maschinenbau für den Einsatz der Mikroelektronik prädestiniert. Dies ergab eine Umfrage bei 1000 Ingenieuren. Nur fünf Prozent der Geräte seien allerdings mit einer elektronischen Steuerung ausgestattet. Immerhin gaben 56 Prozent an, dass sie sich in einer Planungs- und Entwicklungsphase befänden.
Kommentar: 35 Jahre später sehen sich die Unternehmen immer noch inmitten der digitalen Transformation - und reden seit 1994 von "disruptiven Technologien". Ganz schön viel Kontinuität in der Disruption... (Raimund Vollmer)

Samstag, 28. Januar 2017

Bitkom-Vorgänger 1996: "Digitalisierung fast abgeschlossen"

Was sich seit 1999 Bitkom nennt, war vor zwanzig Jahren noch der gemeinsame Fachverband Informationstechnik von VDMA und ZVEI. Damals wie heute war Bernhard Rohleder, jetzt Hauptgeschäftsführer des Bitkom, einer der Akteure und Denker in diesen IT-Thinktanks. Beim Wühlen im Archiv fand ich eine Schrift von 1996, in der das Thema "Digitalisierung" eher bescheiden auftaucht und als "fast abgeschlossen" eingestuft wurde. Im Hintergrund hört man das Getöse der etablierten Institutionen, die sich offensichtlich die ansonsten überall in der Weltpresse schon damals gefeierte Revolution durch das Internet haben kaum vorstellen können. Dass man sich heute - es sind immerhin 20 Jahre vergangen - im Bitkom und im BDI mit der Digitalisierung intensiv beschäftigt, ist natürlich ein gewaltiger Fortschritt. Und wieder hört man im Hintergrund das instiututionelle Grollen. Denn Digitalisierung heißt in Deutschland "Industrie 4.0", eine ziemlich national gesonnene Ambition, mit der man sich im weltweiten Vergleich voraus weiß. Damit will man überdecken, dass man in den Konsumentenmärkten der Digitalisierung hoffnungslos abgeschlagen ist. Optimieren durch Digitalisieren - das ist der deutsche Mut. Zu mehr reicht es nicht. Und wenn wir dann doch mal das Geschäftsmodell ändern müssen, dann gehe Du, Amerika, erst einmal voran. Das ist seit dem Ende des 2. Weltkrieges die Parole, nach der hierzulande Industriepolitik gemacht wird. Da ist es doch ganz gut, wenn nun nationales Denken wieder in den Vordergrund tritt. Da kann man seine eigenen Schwächen noch besser verstecken...
(Raimund Vollmer)
1996: "Die Digitalisierung macht möglich, große Mengen von Daten, Bildern oder anderen Informationen vollkommen ohne Qualitätsverlust und mit hoher Geschwindigkeit zu bearbeiten, zu kopieren, zu übertragen und anzuzeigen. Diese Entwicklung ist mir der digitalen Telefonie, z.B. über ISDN, sowie mit der bevorstehenden flächendeckenden Einführung von digitalem Rundfunk und Fernsehen sowie der digitalen Sprach und Bildbearbeitung fast abgeschlossen." 
Aus: Wege in die Informationsgesellschaft - Status quo und Perspektiven im internationalen Vergleich, Fachverband Informationstechnik von VDMA und ZVEI, Heft 65, Redaktion Bernhard Rohleder

Montag, 16. Januar 2017

Vision 1955: Die Fabrik der Zukunft ist das Büro...




... oder besser gesagt der Computer. Das wusste irgendwie schon vor mehr als 60 Jahren der österreichische Computerpionier Heinz Zemanek. In der Zeitschrift "Radiotechnik" schrieb er damals:

1955: "Bei der automatischen Fertigung liegen alle Daten des Betriebes kodisiert vor, in Lochkarten oder sonst einem Speicher - ganz so wie sie für die automatische Buchhaltung benötigt werden. Es fällt daher nicht schwer vorauszusagen, dass in der automatischen Fabrik von morgen ein Unterschied zwischen Werkshalle und Papierhaus nicht mehr bestehen wird. denn auch der Verkehr zwischen den Betrieben untereinander  und mit den Behörden wird auf den gleichen Speichermethoden basieren. Neben der elektronischen Rechenmaschine, die den Fertigungsgang steuert und korrigiert, wird eine zweite stehen, die allen Papierkram erledigt, ja, es wird vielleicht eine einzige Rechenmaschine sein."
Wenn wir also unseren Zukunftsforschern zuhören oder den Hohepriestern des Silicon Valley oder der Fernsehkanäle, dann sollten wir daran denken, dass wir momentan nichts anderes tun, also die Vorstellungen unserer Vorfahren zu erfüllen. Wo aber sind unsere Träume und die unserer Kinder? Eigentlich haben unsere Ahnen schon alles vorgedacht, was jetzt nur noch gemacht werden wird. Ist die Geschichte der Zukunft bereits zu Ende? (Raimund Vollmer)

Sonntag, 15. Januar 2017

BIG DATA - EIN URALTES THEMA DER WIRTSCHAFT...



1954: "Die Verwendung von Rechengiganten in den Wirtschaftsunternehmungen ist keine kleine Aufgabe. Während bei wissenschaftlichen Aufgaben die Komplikation des Rechenvorgangs vorherrscht, bestimmen in der Wirtschaft die riesigen Datenmengen die Eigenschaften der Maschine, der Rechenvorgang selbst ist meist sehr einfach. Die Betriebssicherheit musste auf 98 Prozent getrieben werden, damit eine effektive Anwendungszeit von 85 Prozent entsteht. Dieser Unterschied entsteht dadurch, dass bei 98 Prozent der Rechenzeit richtiger Gang trotzdem jene an sich richtigen Resultate verlorengehen, die nach der Neueinstellung wiederholt werden müssen."

Heinz Zemanek, österreichischer Computerpionier