Eine unzeitgemäße Betrachtung von Raimund Vollmer
In den nächsten dreihundert Jahren müsse sich die Erdbevölkerung auf eine Milliarde Menschen reduzieren, meinte 1995 der deutsche Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Franz Josef Radermacher (*1950). Nur so könnten alle Menschen auf der Welt dieselbe Lebensqualität genießen. So viele Menschen – rund eine Milliarde – lebten um 1800 auf der Erde, zu Beginn der Industriellen Revolution, seit dem Beginn der Moderne, wie es die Geschichte definiert. Inzwischen sind es allerdings deutlich mehr als 7,5 Milliarden Menschen, dreimal mehr als 1950, dem Geburtsjahr Rademachers, dem Beginn der Lebenszeit meiner Generation. Vielleich sind wir, die Baby Boomer, die noch der Babypille entkamen, die wirklich letzte Generation.
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„Mit der möglichen
Ausnahme von Adam und Eva wurden bis 1978 alle menschlichen Wesen innerhalb des
Körpers einer Frau empfangen“, schrieb 2023 das britische Wirtschaftsmagazin
‚The Econmist‘.Das galt in der Tat bis zum 25. Juli 1978. Da kam Louise Joy
Brown in Manchester zur Welt. Sie war das erste Retortenbaby. Seitdem steht der
Mensch als Species selbst in Frage. Wird der Mensch den Menschen auf Dauer
durch eine andere Species ersetzen? Opfern wir uns selbst dem Fortschritt - ausgerechnet
durch die „persönlichste Technologie“, wie der ‚Economist‘ titelt.
Wird der Mensch den Menschen systematisch verhindern, bis
wir auf eine Milliarde geschrumpft sind? Dank der Pille, die als erstes uns,
die Baby Boomer, von allen zukünftigen Generationen trennte?
Herrschen fortan die unpersönlichsten Technologien, die der Big Data und der Algorithmen – mit dem Ziel, die Erde zu retten? Schaffen wir den programmierten Menschen? Wer wird das sein?
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Eine Milliarde Menschen – ist das wirklich die natürliche
Betriebsgröße der Erde? Erleben wir, was die Zahl der Menschen anbelangt,
momentan den Höhepunkt der Menschheitsentwicklung? Stehen wir an einem epochalen
Wendepunkt?
Der Dichter Paul Celan (1920-1970) würde sagen, wir stehen an einer „Atemwende“, an einem Richtungswechsel. Nicht die Politik, nicht die Wirtschaft, nicht die Wissenschaft, nicht die Technologie, nicht die Kultur hat diesen Wechsel vollzogen. Das waren wir, das waren wir selbst. Jeder von uns. Jeder aus unserer Generation. Alles andere war nur Beiwerk. Wir die Babyboomer sind die Generation, die sich selbst als Zukunft abschaffte und die Zukunft des Menschen neu programmierte. Die Zeugung des Menschen verlässt den Mutterleib.
(Aus meinem Manuskript "Ohne uns - Gibt es ein Leben nach dem Jetzt?")
