Mittwoch, 9. Mai 2012

Flughafen-Pleite: Nichts gelernt aus Superprojekten?

Während Berlin und Brandenburg gestern den schwärzesten Tag in der Geschichte des neuen Willy-Brandt-Flughafens durchstehen mussten und der DAX gestern softwaretechnisch eine Auszeit von 77 Minuten nehmen musste, greifen wir in unsere Archiv-Kiste und kramen eine Story heraus, die sich vor rund zwanzig Jahren ereignete: das Scheitern des Superprojektes Taurus der Londoner Börse. Sie zeigt auf, wie gefährlich es ist, wenn in einem Superprojekt zuviele Martteilnehmer involviert sind - vor allem, wenn dann auch noch wirtschaftliche und politische Märkte aufeinanderprallen. Tauchen Sie ein in eine Geschichte aus dem Leben der Software-Entwicklung. Sie erschien in den neunziger Jahren erstmals in Gigasteps, einer Publíkation, die es leider nicht mehr gibt. Verfasser ist Raimund Vollmer.
LESEN SIE: LEKTION I - Das Ende eines Toreros

Januar 1994
DAS DESASTER VON LONDON

Superprojekte scheitern an der Vergangenheit, nicht an der Zukunft. Sie scheitern aber auch daran, dass in einer zunehmend deregulierten Welt niemand mehr die formale Autorität besitzt, sie durchzusetzen. Da ihr Wirkungskreis künftig eher branchenweit als unternehmensintern ist, wächst die Gefahr, dass sie unbeherrschbar werden. Keiner traut sich mehr ran. Und doch kommt die Zeit der Superprojekte wieder - weil man aus den Fehlern der Vergangenheit kräftig gelernt hat. Ein Paradebeispiel dafür, was alles schiefgehen kann, ist das Projekt Taurus des London Stock Exchange.
Einen Schaden von einer Milliarde Mark soll dieses gescheiterte Börsenabrechnungssystem dem drittgrößten Finanzplatz der Welt zugefüht haben. Es war eine Branchenlösung für alle, die aber niemand wollte. Eigensinn triumphierte über Gemeinsinn. Letzteres aber brauchen Superprojekte. Und Superprojekte braucht unsere Wirtschaft, um ihre großen Strukturfragen endlich in den Griff zu bekommen. Das Projekt Taurus zeigt, wie vielfältig die Verflechtungen von Politik, Wirtschaft, Recht & Technologie sind, die auf solche Unterfangen einwirken.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Superprojekte scheitern, weil der Projektleiter nicht Supermann ist, weil die Welt nicht super ist und vielleicht auch, weil alle SOOOO smart sind

Anonym hat gesagt…

was alles schief gehen kann, lehrt uns der fatale irrglaube an die beherrschbarkeit des projektes "energie aus Atomkraft"

Anonym hat gesagt…

Empfehle wg. des letzten Satz noch einmal unbedingt die Lektüre von Prof. Vester - "Vernetztes Denken".
Sehr lesenswert - mit vielen Anregungen für Macher