Sonntag, 11. März 2012

Ohne (viele) Worte: Der Abschied von Lamberti

Immerhin war er seit 1999 bei der Deutschen Bank als Vorstandsmitglied: Hermann-Josef Lamberti. Immerhin war er zuvor, wenn auch nur für kurze Zeit, Chef der IBM Deutschland. Und einige hatten damals gemeint, er wäre Deutschland-Chef geworden, damit er die entsprechende Weihe für den Vorstandsposten bei der Deutschen Bank bekommen würde. Er stand für eine Bilderbuchkarriere - nicht in dem Sinne, dass nach ihm Bilderbücher geschrieben wurden, sondern genau umgekehrt. Seine Karriere entsprach den Bilderbüchern. Ob er nun als CIO, der er ein Dutzend Jahre bei der Deutschen Bank sein durfte, ein besonders begnadeter IT-Chef war, ob er überhaupt ein guter Chef war, wissen wir nicht. Und da er ja nun mit dem Wechsel zur Doppel-Spitze der Deutschen Bank seinen Abschied nehmen darf, staunen wir, wie unscheinbar sein Leben als Technologie-Vorstand wohl für den Frankfurter Ehrendoktor gewesen sein muss. Denn keiner interessiert sich für ihn. Im Internet findet man dann einen Powerpoint-Vortrag von ihm. Von 2009. Er ist besser als vieles (was man zum Beispiel dieses Jahr auf der CeBIT gehört haben wird), ob er aber die Zuhörer vom Sockel gerissen hat, ist mehr als fraglich, wobei wir alle ja sehr genügsam geworden sind. Keiner wird ihn vermissen. Und das wird auf Dauer überhaupt die spannende Frage sein: Werden wir die vielen, vielen Leute, die uns in den vergangenen Jahren geführt haben, überhaupt vermissen?
Es ist wunderbar. Das ist die gute Nachricht. Sie sind alle problemlos ersetzbar. Sie sind nicht systemrelevant. Vielleicht ist ja sogar längst das System nicht mehr relevant... (Kommentar)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das war immer schon mein Verdacht, dass die zu Amtszeiten so ehrfürchtig bestaunten Manager eigentlich nicht mehr "auf der Pfanne" haben als jeder andere mit vergleichbarer Ausbildung auch. Ihre herausragende Stellung in der Gesellschaft basiert lediglich auf dem Türschild vor ihrem Büro. Viele von diesen Typen habe ich er- und überlebt. Aber ich habe den Verdacht, die Menschheit braucht und will solche Typen, oder, wie du sie nanntest, Blender.

Anonym hat gesagt…

Das System bleibt. Die Menschen sind austauschbar.