1836: „Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht. Und dann umstellen wir das Ländchen mit Brennspiegeln, dass es keinen Winter mehr gibt und wir uns im Sommer bis Ischia und Capri hinaufdestillieren…“
Georg Büchner (1813-1837) in dem Lustspiel „Leonce und Lena“
31 Kommentare:
Büchner, ein Prophet des Klimawandels. Nur, dass wir andere technische Hilfsmittel nutzen.
Die Blumenuhr
Es ist 3 Uhr, wenn sich der gelbe Wiesenbocksbart aufschließet, ferner die Bräute, und wenn der Stallknecht unter dem Zimmer-Mietmann zu rasseln und zu füttern anfängt.
Um 4 Uhr erwachen (wenns Sonntag ist) das kleine Habichtkraut und die heiligen Kommunikantinnen, welche Sing-Uhren sind, und die Bäcker.
Um 5 Uhr erwachen die Küchen- und Viehmägde und Butterblumen
Um 6 Uhr die Gansdisteln und Köchinnen
Um 7 Uhr sind schon viele Garderobejungfern im Schlosse und der zahme Salat in meinem botanischen Garten wach, auch viele Kauffrauen
Um 8 Uhr machen alle ihre Töchter, das gelbe Mausöhrlein, die sämtlichen Kollegien die Blumen-, Kuchen- und Aktenblätter auf
Um 9 Uhr regt sich schon der weibliche Adel und die Ringelblume; ja viele Landfräulein, die zum Besuche kamen, sehen schon halb zum Fenster hinaus <(p>
Um 10, 11 Uhr reißen sich Hofdamen und der ganze Kammerherrenstab und der Rainkohl und der Alpenpippau und der Vorleser der Fürstin aus dem Morgenschlafe, und das ganze Schloß bricht sich, weil die Morgensonne so schön vom hohen Himmel durch die bunte Seide glimmt, heute etwas Schlummer ab
Um 12 Uhr hat der Fürst,
um 1 Uhr seine Frau und die Nelke in ihrer Blumen-Urne die Augen offen.
Was noch spät abends um 4 Uhr sich aufmacht, ist bloß das rote Habichtkraut und der Nachtwächter als Kuckuckuhr, die beide nur als Abenduhren und Monduhren zeigen.
Von den heißen Augen des armen Teufels, der sie erst um 5 Uhr aufschließet, wie die Jalape, wollen wir unsere Augen traurig wegwenden; es ist ein Kranker, der solche eingenommen, und der die mit glühenden Zangen zwickenden Fieberbilder bloß mit wachen Stichen vertauscht.
Wenns 2 Uhr war, konnt' ich nie wissen, weil da ich (samt tausend dicken Männern) und das gelbe Mausöhrlein miteinander einschliefen; aber um 3 nachmittags und um 3 am Morgen erwacht' ich als eine richtige Repetieruhr.
So können wir Menschen für höhere Wesen Blumen-Uhren abgeben, wenn auf unserem letzten Bette unsere Blumenblätter zufallen - oder Sand-Uhren, wenn die unsers Lebens so rein ausgelaufen ist, daß sie in der andern Welt umgekehrt wird - oder Bilder-Uhren, weil in jene zweite, wenn hier unten unsere Totenglocke läutet und schlägt, unser Bild aus dem Gehäuse tritt - - sie können in allen solchen Fällen, wo 70 Menschenjahre vorüber sind, sagen: »Schon wieder eine Stunde vorbei! Lieber Gott, wie doch die Zeit verläuft!
(Aus: Siebenkäs)
Wie hätte Büchner ahnen können, dass heute niemand mehr die Hitze Ischias hier haben wollte....
👍👍
Jeder hat etwas, worin er selbst denkt, und etwas, worin er Nachbeben.
Autokorrektur Korrektur:
...worin er nachbetet.
Das Unglück vieler Menschen beginnt schon neun Monate vor ihrer Geburt, und Adam war nur der erste, der in einen sauren Apfel gebissen hat.
Doch Winter: Morgens ist es schon so kalt, dass sich Urlaubsreif bildet.
...mehr Bildung gibt's auf dem Land sowieso nicht - ausser Tiktok.
Sieht es in den Städten denn besser aus?
In den Städten gibt es noch das Stadtbild.
Auf dem Land gibt's nur die Tristesse der selbstgebastelten Obi-Architektur und für die Drogen muss man auf die lahme Post warten.
Schon wieder ein Jahr vorbei! Lieber Gott, wie doch die Zeit verläuft!
Weil er nun einmal seinem Vater bei der Zeugung mißlungen war, wollte er später niemandem vom Gegenteil überzeugen.
🥴🥴🥴
Advent
Es blaut die Nacht. Die Sternlein
blinken.
Schneeflöcklein leis’ niedersinken.
Auf Edeltännleins grünem Wipfel
häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.
Und dort, vom Fenster her durchbricht
den dunklen Tann' ein warmes Licht.
Im Forsthaus kniet bei
Kerzenschimmer
die Försterin im Herrenzimmer.
In dieser wunderschönen Nacht
hat sie den Förster umgebracht.
Er war ihr bei des Heimes Pflege
seit langer Zeit schon sehr im Wege.
Da sieht man, wie tödlich übertriebene Kehrwoche sein kann.
Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit.
Aus Tahiti
Ein sonderbares Ding um die Liebe. Man liegt ein Jahr lang schlafwachend zu Bette, und an einem schönen Morgen wacht man auf, trinkt ein Glas Wasser, zieht seine Kleider an und fährt sich mit der Hand über die Stirn und besinnt sich und besinnt sich. – Mein Gott, wieviel Weiber hat man nötig, um die Skala der Liebe auf und ab zu singen? Kaum daß eine einen Ton ausfüllt. Warum ist der Dunst über unsrer Erde ein Prisma, das den weißen Glutstrahl der Liebe in einen Regenbogen bricht?
Aus Leonce und Lena, 1836
Der Mensch muß denken, und ich muß für meine Untertanen denken; denn sie denken nicht, sie denken nicht.
Leonce und Lena, 1836. I, 2, König Peter
Give your best and let God do the rest.
Do Your Best and Let God Do the Rest!
Colossians 3:23-24
Do your best and God will give you the rest.
Es weihnachtet sehr: Happy Birthday, Jesus!
Ob Jesus sich das nochmals antun würde?
Dann werden die Würfel neu gemischt.
Iacta alea est - geworfen ist der Würfel.
Quelle: Sueton, De vita Caesarum (Die Kaiserbiographien), 2. Jhdt. n. Chr. Divus Iulius 32
"Gott würfelt nicht" ("God does not play dice")
Warum sollte er, wenn er alles weiß?
👍👍👍
Die 'Erlösung' wird zwar gerne bestellt, aber selten miterarbeitet, wie die Geschichte Der lehrt.
Und sie lehrt auch, das 'Erlösung' sich danach meist anders dargestellt hat, hoffnungsloser.
Erlöse uns von dem Bösen, Vater unser!
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