Er wurde 1825 geboren. Er war offenbar ein Lausbub gewesen, dem in seiner Jugend viel verziehen werden musste. 1843
wurde er Jesuit. Elf Jahre später veröffentlichte er ein sehr frommes Buch, „Gedanken
und Ratschläge gebildeten Jünglingen zur Beherzigung“. 1886 starb er, der 1855 zum Priester geweiht worden war, in Rom. Seine
Name war Adolph von Doß.
Unbekannt? Mir auch. Und ich weiß auch nicht mehr, wie
sein Buch (in seiner neunten Auflage) in meine Hände kam. Ich glaube, ich habe
es aus dem Nachlass eines Gymnasiallehrers bekommen habe, der eine Wohnung
oberhalb derer meiner Großeltern mütterlicherseits gelebt hatte. Es waren
darunter einige Werke, die ich noch heute mit großer Aufmerksamkeit lese. Das
muss etwa 1972 gewesen sein.
Gelächelt und immer wieder schnell beiseitegelegt
habe ich dieses Buch, das sich ja eigentlich an mich den „gebildeten
Jüngling“, für den ich mich bestimmt hielt, richtete. Warum habe ich
gelächelt? Dieser Jesuit, der aus einer Familie stammte, die aus religiösen
Gründen aus Schweden nach Deutschland geflohen war (Skandinavien wurde
protestantisch), hatte es doch sehr gut gemeint mit uns Jungen? Ich denke, dass
ich natürlich den immensen sozialen und kulturellen Wandel spürte, der sich
zwischen 1854 und 1974 abgespielt hat. Aber heute trage ich nicht mehr diese
Hochnase, sondern staune eher über diese „Gedanken und Ratschläge“, die mir
größtenteils fremd vorkommen und doch von einer Ernsthaftigkeit und Festigkeit zeugen,
die mir imponiert – auch wenn vieles komplett überholt und völlig altmodisch wirkt.
Ja, man kann darüber lächeln – und ich erwische mich beim
Blättern durch das fast 580 Seiten starke Werk auch immer wiederdabei, wie ich
schmunzele oder den Kopf schüttele. Heute hätten seine Ratschläge nicht einmal
den Hauch einer Chance, eine erste Auflage zu erreichen. Ich würde es mir auch
nie kaufen – trotzdem habe ich es über alle Umzüge und Frühjahrsputzerei
behalten. Und ich nehme es auch mit ins Neue Jahr. Mehr noch: Auszüge daraus,
grob herausgebrochene Zitate, möchte ich in 2026 unter meiner kleinen,
schrulligen Journalyse als Serie veröffentlichen.
Vielleicht geht es Euch wie mir. Es berührt einen irgendwie. In seiner Schrägheit. In seiner Frömmigkeit.
Ansonsten wünsche ich all meinen Freunden und Freundinnen
ein Gutes Neues Jahr, an das ich eigentlich nur eine Forderung habe: Es sollte nicht
von uns gute Vorsätze verlangen, sondern von sich selbst. Besser als 2025 geht
es allemal, oder?
Euer Euch für so viele geistreiche Kommentare dankbarer
Raimund
(Vollmer)
Bleibt meiner Journalyse treu!
(Nein, ich werde nicht seltsam. Ich werde nur alt...)
"Adolescens, tibi dico: Surge!"
(Jüngling, ich sage dir, stehe auf!)
Lucas-Evangelium, KapitelVII, 14
Die Serie beginnt am 1. Januar 2026, 00.00 Uhr.