Mittwoch, 14. Januar 2009

»Satyam heißt auf Sanskrit Wahrheit«, meint...

... das Wall Street Journal in seinem Kommentar zum indischen Betrugsfall bei der IT-Firma Satyam, dessen preisgekrönter Gründer B. Ramalinga Raju eine Milliarde Dollar in seine Bücher hineingelogen hat. Niemandem war das aufgefallen, obwohl mit PriceWaterhouseCoopers nicht gerade ein internationales Federgewicht die Bücher des IT-Outsourcers prüfte und im Verwaltungsrat bisd vor kurzem sogar ein Harvard-Professor saß, der sich auf Corporate Governance spezialisiert hatte.
Journalyse-Quelle: Wall Street journal, 13.1.2009: "Sanskrit for 'Enron'"

»Die Zeit der Maus ist vorbei«, meint...

... Amichai Ben-David, CEO von N-trig Ltd. Und er ist deswegen nicht traurig. Im Gegenteil: Denn nun kommt die Zeit der Touchscreens, für die er und seine Mitarbeiter in der israelischen Technologieschmiede, die entsprechenden Bedienkonzepte liefert. Sein Mauskiller muss so attraktiv sein, dass Microsoft sich jetzt mit 24 Millionen Dollar Risikokapital an dem Unternehmen beteiligte. Microsoft will damit die Verschmeldzung von Touchscreen und Windows 7, dem heißersehnten Vista-Nachfolger, ermöglichen. Aber die gute alte Tatstatur wird auch ein Touchscreen nicht ersetzen können.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 13.1.2009, Nick Wingfield: "Microsoft places a big bet on touch-screen technology"

50 Milliarden Euro: Das größe Paket der Geschichte...

... der Bundesrrepublik ist nun verabschiedet vom Koalitionsauschuss und soll nun bald seine Wirkung gegen die Wirtschaftskrise zeigen. Das Volumen, verteilt auf 2009 und 2010, entspricht etwa 1,5 Prozent des Wirtschaftsproduktes der Bundesrepublik Deutschland.
Journalyse-Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.1.2009: "Merkel: Das größte Paket in der Geschichte der Bundesrepublik"

Marktanteile bei Suchmaschinen: absolute Mehrheit für Google

Nach wie vor gehen nahe zu zwei Drittel aller Suchanfragen durch die Google-Maschinerie. Dies ergeben die Zahlen von comScore Networks für November 2008. Demnach hat Google einen Marktanteil von 63,5 Prozent, gefolgt von Yahoo mit 20,4 Prozent. Microsoft liegt mit 8,3 Prozent abgeschlagen an dritter Stelle. Zum vierplatzierten Ask Network halbiert sich der Marktanteil auf 4,0 Prozent, dicht gefolgt von AOL mit 3,8 Prozent.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 9.1.2009, Nick Wingfield: "Microsoft pushes search"

Dienstag, 13. Januar 2009

India-IT: Betrugsfall Satyam Computer Services Ltd.

Über mehrere Jahre hinweg operierte der viertgrößte IT-Service-Anbieter Satyam Computer Service Ltd. mit einer um eine Billion fiktiver Dollar aufgeblähten Bilanz, bei der Forderungen an Dritte überzogen und eigene Verbindlichkeiten unterbewertet worden waren. Nun mussten die indischen Aufsichtsbehörde schnell handeln, um Schaden von der IT-Szene des Landes abzuwenden. Denn zu den Kunden von Satyam gehören Firmen wie General Electric, General Motors oder Nissan. Ánnahmen, dass solche Buchungspraktiken wie sie bei Satyam jetzt offenbar wurden, auch bei anderen Anbietern üblich sein könnten, verschrecken nun die internationale Kundschaft. Hat sich's in Indien outgesourct?
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 12.1.2009: "India names new Satyam board in bid to store crdibility"

IPO-Geschäft: Keine Belebung vor 2011

Weder in diesem noch im nächsten Jahr wird es in den USA zu einer Belebung bei den Börsengängen kommen, meinen die Analyste von Bernstein Research: "Wir erwarten, dass 2009 das IPO-Volumen noch einmal um 25 Prozent fällt, nachdem es 2008 bereits um 45 Prozent gesunken ist. Dem wird ein nochmaliger Abstieg um zehn Prozent in 2010 folgen." Erst in 2011 würde das Geschäft wieder brummen. Optimistischer ist man da offensichtlich beim Blick auf den Alten Kontinent. Frühestens Ende 2009 könne sich in Europa das IPO-Geschäft wiederbeleben, meinen derweil europäische Banker. Eines der größten Hemmnisse ist nach Einschätzung der Experten das von äußerster Vorsicht geprägte Verhalten der Käufer. Viele Anleger hätten "in den letzten 18 Monaten eine Erosion ihrer Gelder erlebt und fürchten nun einen weiteren Schwund", zitiert die Financial Times den Investmentbanker Vis Raghavan von J.P. Morgan.
Journalyse-Quelle: Financial Times, 9.1.2008: "Big names wait in wings for end top IPO drought"

Montag, 12. Januar 2009

IT-Budgets in den USA: 573 Milliarden Dollar...

.. oder ein Anstieg um 1,6 Prozent. Dieses Marktvolumen sieht Forrester Research derzeit bei professionellen Anwendern (Wirtschaft und Regierung) für 2009. Im vergangenen Jahr hatte die IT-Szene in diesem Umfeld noch ein Wachstum von 4,1 Prozent gesehen, 2007 sogar von sieben Prozent. Jetzt ist das Wachstum auf die niedrigste Rate in den letzten sechs Jahren gefallen.
Microsoft will derweil in einer 150 Millionen Dollar schweren Werbekampagne den Anwendern zeigen, dass man mit IT auch Geld sparen kann. Unter dem Sloga "It's everybody business" kümmert sich seit gestern das reichste Softwarehaus der Welt vor allem natürlich um sein eigenes Geschäft: den Verkauf von Software.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 12.1.2009: Suzanne Vranica, Nick Wingfield: "Microsoft pitches its business software as savings tool"

Motto für die nächsten fünf Jahre: »Sei nicht dumm!«...

... empfiehlt Daniel Henninger, Colmunist des Wall Street Journals. Sein "Don't Be Stupid" steht dabei gegen Googles "Don't Be Evil". Denn Henninger glaubt, dass der Untergang so vieler Finanzinstitutionen in einem einzigen Jahr nicht mehr nur zurückgeführt werden kann auf ein paar "Mistakes", ein paar Fehler. Es waren vielmehr "katastrophale Fehler". Auf der Suche nach den Ursachen führt ihn sein Weg in die Tiefen des Cyberspace. "Es gibt nur einen einzigen anderen Bereich im modernen menschlichen Leben, der diese beispiellose Fehlerrate erzeugt: Das World Wide Web. Könnte es sein, dass in der Welt des Geldes der Information Highway die Straße in den Ruin darstellt - http://www.stupid.com/?"
Wer durch das Internet browst, ohne irgendwo in Ruhe zu verweilen und selbst nachzudenken, der googelt sich von einem winzigen Irrtum zum anderen. "Die moderne Investor-Klasse, ob bei Citigroup, Lehman oder Pensionäre daheim, sie alle wurden Google-Zombies. Die Arbeiter der Finanzindustrie - und andere auch - jagen nach Daten durch Tausende von Bildschirm-Sichten, während sie zugleich von Emails überschüttet werden. Sie tun dies, weil das viel mehr Spaß macht als die Zeitschinderei, die eine Aufgabe sonst dafür benötigen würde" - durch eigenes Denken. Es entsteht eine gedankenlose Welt. "Während die Subprime-Mania durch die Handelsräume der Welt jagte - und dieses Durcheinander war ein Bildschirm-getriebenes Phänomen - , starrten von Zeitnot geplagte Manager auf die illuminierten Zahlen und nahmen an, dass Daten und Modelle okay seien, denn sicherlich habe irgendjemand irgendwo sich die Zeit geommen, um all das zu überprüfen. Der Mann, der diese Art der nachlassenden Aufmerksamkeit des Menschens am besten verstand, war Bernard Madoff."
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 8.1.2009, Daniel Henninger (Wonder Land): "Top 2009 Resolution: Don't Be Stupid"

Sonntag, 11. Januar 2009

Schlagzeile von heute

»Deutschland wird jetzt verstaatlicht.«
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.1.2009, über die Pläne der CDU sich an Wirtschaftsunternehmen zu beteiligen, die wegen der Finanzkrise in eine Notlage geraten. Und natürlich vor dem Hintergrund der 25-Prozent-Beteilungung des Staates an der Commerzbank.
Journalyse-Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.1.2009

Schlagzeile von morgen

»Web 2.0 Is So Over. Welcome to Web 3.0«
US-Wirtschaftsmagazin Fortune, 19.1.2009, darüber, dass die Unternehmen des Web 2.0 wie MySpace oder Facebook „finanziell gesehen ein völliger Flop“ waren.
Journalyse-Quelle: Fortune, 19.1.2009, Jessi Hempel: »Web 2.0 Is So Over. Welcome to Web 3.0«

Titelbild von morgen


»WALL STREET AB IN DEN KNAST«
US-Wirtschaftsmagazin Fortune, 19.1.2009, in seiner Krisen-Titelgeschichte über den Umgang der Unternehmensverantwortlichen in der amerikanischen Finanzwelt mit der Wahrheit. Im Falle einer Lüge müssen die Chefs mit Knast rechnen oder – wenn sie die Wahrheit sagen – davon ausgehen können, dass die Analysten die Firma ruinieren. Und dann wird da von AIG, Wachovia, Washington Mutual, Merrill Lynch bis Lehman noch einmal alles aufgerollt.
Warum das Wall Street Journal Google und Wikipedia verantwortlich macht für die Finanzkrise, lesen Sie morgen, wenn Ihr Blogger wieder locker vom Hocker seine Zeitungen auswerten kann. Heute steckte noch die Grippe in den Knochen.

Journalyse-Quelle: siehe oben

Rolls-Royce: Musterbeispiel für IT und Turbo-Service

Das britische Wirtschaftsmagazin The Economist widmet seinen Analyse-Teil „Briefing“ dem Turbinenbauer Rolls-Royce, das letzte verbleibende Schaustück aus der großartigen britischen Industriegeschichte. In einem Land, das seinen Produktionssektor seit der Thatcher-Ära praktisch komplett geschlossen hat, ist Rolls-Royce vor allem aber ein Paradebeispiel dafür, wie sehr Manufacturing und Services zusammengehören.
Mehrmals pro Stunde kann es geschehen, dass Flugzeuge unterwegs zu ihren Zielen vom Blitz getroffen werden. Geschieht diese bei einem Aggregat aus dem Hause Rolls-Royce, dann sendet das Flugzeug eine Fülle von Daten zum Service-Standort nach Derby in England. Dort erwachen die Computer zum Leben, Experten analysieren die Daten und geben schließlich ihre Empfehlung, ob die Turbine inspiziert, repariert, ausgetauscht oder einfach weitergenutzt werden kann. 3.500 Düsentriebwerke werden so permanent überwacht. Die Daten, die so gesammelt werden, sind unschätzbar für die Luftgesellschaften, meint das Blatt. Sie sind es aber auch für Rolls-Royce. Denn damit schützen die Briten ihr Eigentum – ihren Umsatz, ihren Ertrag und ihre Innovationskraft.
In 80 Prozent der Fälle gehören die Turbinen nämlich nicht dem Carrier, sondern Rolls-Royce. Die Triebwerke, die als die momentan modernsten der Welt gelten, werden an die Betreiber vermietet. Eigentum verpflichtet – zu besonderer Sorgfalt, zu ständiger Aufmerksamkeit, zu permanenter Innovationsbereitschaft. So entstand rund um die Jet-Engines ein hochprofitables Service-Geschäft. Mehr als 50 Prozent des Umsatzes macht Rolls-Royce inzwischen mit solchen Dienstleistungen, die ohne den massiven Einsatz von IT und Communications nicht möglich wären.
Übrigens – nur damit wir eine Vorstellung davon haben, um welches Vermögen es sich hier handelt: Das Gewicht eine Turbinen wird gewogen in Silber, das eines Autos in Hamburger.
Übrigens – wer in der Computerbranche schon etwas länger drin ist als die sogenannte Generation Y, weiß, dass es auch hier einmal ein Unternehmen gab, dass dieselbe Strategie fuhr: Produktion, Miete, Service. Es war IBM. Vielleicht sollten wir anfangen, unseren Kindern einmal diese Geschichte zu erzählen. Das sind sie uns schuldig, nachdem wir in den letzten Jahren soviel über Web 2.0 geduldig in uns aufgenommen haben. Im Unterschied zu Web 2.0 ist das Beispiel Rolls-Royce oder früher IBM oder Xerox nicht nur eine Idee in der Nutzung neuer Technologien, sondern es ist ein Geschäftsmodell, ein Geschäftsmodell, das sogar funktioniert.
Journalyse-Quelle: The Economist, 10.1.2008, Briefing: „Britains lonely high-flier”