Samstag, 9. Mai 2026

Zum Tage: Umkehr

 

»Jede Umkehrung ist ein schwie­riger Pro­zess. Der Grund: wir kennen kaum die Dynamik institutionellen Wan­dels, be­sonders aber haben wir kaum Ahnung von dem Zu­sammenspiel zwischen wirt­schaft­lichen und politischen Märkten.«

1993: Douglass North, Wirtschaftsnobelpreisträger

Freitag, 8. Mai 2026

Nachschlagzeile: KI 2019

"KI: Deutschland hinkt Amerika hinterher"  

 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Juni 2019 

Jeder dritte Forschungseuro geht in die Automobilindustrie, hieß es 2019, wird wohl auch stimmen. Und so haben wir, was „die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Fahrzeugtechnik und in Erkennungssystemen eine führende Rolle“, meinte damals die FAZ und wohl auch das Deutsche Patent- und Markenamt (DPMA), das seine Bestände zählte und festellte, dass aus Amerika doppelt so viele Patentanmeldungen kamen zum Thema KI wie aus unseren Landen. 1022 deutsche KI-Patente standen 2148 Anmeldungen aus den USA gegenüber. Und nun ist man natürlich unzufrieden. Es müsse mehr in KI investiert werden.[1]

Vielleicht sollten wir mehr in NI investieren, in natürliche Intelligenz. Sie ist nämlich die Voraussetzung für KI.




Zum Tage. 8. Mai


 

Montag, 4. Mai 2026

DIE TRICKDIEBE


 Demo am 28. Februar 2026 in Reutlingen gegen Björn Höcke, zu der 5000 Menschen kamen

Foto: R.V.

 Eine unzeitgemäße Betrachtung von Raimund Vollmer im Nachgang zur Landtagswahl in Baden-Württemberg

Blau war mein Leben lang meine Lieblingsfarbe. Sie wurde mir gestohlen. Von der AfD. Sie ist der größte Trickdieb unter den Parteien. 
Ihre Parolen sind verführerisch - wie Hitlers Buch „Mein Kampf“, das zu lesen Du Dich überwunden hast. Du bist jederzeit bereit, 30 Prozent dessen, was er schrieb, zu unterschreiben. Es sind Allgemeinplätze. Du gehst sogar so weit, dass Du weitere 40 Prozent für erwägenswert erachtest. Bleiben 30 Prozent, die Du zutiefst verachtest. Das machte das Buch so gefährlich. Die AfD bleibt einfach bei 70 Prozent stehen. Sie verschweigt den Rest. Und schon hat sie Deine Stimme zu 100 Prozent. 
Meine Stimme bekam sie nicht. Trotzdem tat sie mir Gewalt an. Denn ich habe nicht gewählt, was ich wollte, sondern das, was ich musste. Mehr noch: Seit die AfD alle Felder der Kritik an unserem Staat zu besetzen sucht, kann ich gar keine Kritik mehr äußern, ohne vorher zu sagen, dass ich nicht ihr Wähler bin. 
Alle Kritik dient den Falschen. Die AfD ist ein Kritikdieb. 
Das ist fast schon zwanghaft, wie wir, für die Kritik zur Demokratie gehört wie das Amen in der Kirche, den Hintergrund unserer Kritik mittlerweile rechtfertigen müssen, bevor wir sie äußern. Unsere Kritik gehört nicht mehr uns. 
Als vor 145 Jahren Immanuel Kant in seiner „Kritik der reinen Vernunft“ das „Zeitalter der Kritik“ ausrief, tat er dies verschüchtert in einer Fußnote seiner Vorrede. Der Dichter Heinrich Heine fragte sich nach der Lektüre dieses Werkes, warum der Philosoph, der doch sonst so klar formulierte, dieses Mal so unverständlich geschrieben habe. Hatte Kant Angst, verstanden zu werden? Hatte er Angst vor den Behörden? 
Aber das Zeitalter der Kritik kam. Triumphal. Und es sollte bleiben. Auf unserer Seite. Euer Raimund Vollmer 

Zum Tage: Was zur Hölle

 In der Hölle wird keiner krank, und keiner wird müde.
Die Hölle ist unveränderlich. Die Hölle ist ewig.

 

Edith Södergran (1892-1923), finnlandschwedische Dichterin


Sonntag, 3. Mai 2026

Zum Tage: Honorare - alles andere als rar

 „Ministerien zahlten 1 Milliarde Euro an Berater“

FAZ, 11. September 2013

 

Oh Wunder, jetzt seien es nur noch 240 Millionen Euro, heißt es. 

Zum Tage: Unsere Natur...

 „Überstolzer Europäer des 19. Jahrhunderts, du rasest! 
Dein Wissen vollendet nicht die Natur, sondern tödtet nur deine eigene.“

Friedrich Nietzsche

Vollmer-Archiv 1991: Frauen im Islam

3. Mai 1991
 

Montag, 27. April 2026

Samstag, 25. April 2026

Zum Tage: Keine Kraft für Veränderung

 1972: "Die scheinbar widerspruchslose oder teilnahmslose Hinnahme der Tatsache, dass unser parlamentarisches System im akademischen Bereich als verfault und korrupt, als ein reiner Verschleierungsmechanismus , als bloßer Zustimmungsapparat zu den Beschlüssen eines anonymen Großkapitals dargestellt und gelehrt wurde und wird, mag erklären , warum viele junge Menschen einfach nicht mehr für möglich halten, dass unsere Demokratie aus sich selbst heraus die notwendigen Prozesse der Veränderung einleiten und beenden kann.“

Hans Dietrich Genscher (2027-2016),  als Bundesinnenminister vor dem Bundestag

Freitag, 24. April 2026

Zum Tage: Herausgesächselt

 1974: „Hinter Mauern und roten Fahnen versucht ein bürokratischer Staat, sich aus Deutschland herauszusächseln.“

Peter Boenisch (1927-2005), Chefredakteur in „Bild am Sonntag“

 

Kommentar: Der bürokratische Staat - das sind wir ohne Mauern, rote Fahnen und ohne Sächseln nun alle, oder?

Dienstag, 21. April 2026

Dachzeile: 15. Oktober 1993

 "Bundeswehr in Not: 
370.000 Mann und nichts zu tun"

Die Zeit, 13. Oktober 1993: "Jetzt wird's ernst" 

Samstag, 18. April 2026

Nachschlagzeile: 18. April 2000

 Das Kursbeben an der Wall Street
 erschüttert die Börsen in der Welt

FAZ, 18. April 2000, Seite 1 

Zum Tage: Lichtblicke

 „Ich sammle Lichtblicke.“

Robert Jungk (1913-1994), deutsch-österreichischer Zukunftsforscher

Zum Tage: Kunst oder Künstler?

 

1950: „Genaugenommen gibt es ‚die Kunst‘ gar nicht.  Es gibt nur Künstler. Einstmals waren das Leute, die farbigen Lehm nahmen und die Umrisse eines Büffels auf eine Höhlenwand malten. Heute kaufen sie ihre Farben und entwerfen Plakate für Fleischextrakt, dazwischen tat sie noch manches andere.“

Sir Ernst H. Gombrich  (1909-2001), österreichsich-britischer Kunsthistoriker, in seinem Buch „Geschichte der Kunst“

Freitag, 17. April 2026

Zum Tage: Nur für sich

 „Jeder wahre Künstler schafft nur für sich.“

Tadeusz Kantor (1915-1990), polnischer  Maler und Theatermacher

Zum Tage: Freiheit und Offenheit

 2006: „Ich denke, dass eine offene Gesellschaft sich selbst  schützt. Sie muss entscheiden, welchen Grad an Freiheit sie haben will. Aber es ist insgesamt kein glücklicher Trend.“

John Updike (1932-2009), amerikanischer Schriftsteller


Donnerstag, 16. April 2026

Nachschlagzeile: Virtualität 1992

 1992: „Eine Morgens wachst du auf, 
und alles ist virtuell“

FAZ, 16. März 1992

Zum Tage: Echt jetzt?

 1999: „Wer fälscht, braucht jemanden, der sich täuschen lässt. Die Fälschung, die oft den Tatbestand des Betruges erfüllt, erfordert die Verbindung zum Getäuschten, sie ist auf dessen ideelle Mitarbeit angewiesen.“

Alain Claude Sulzer (1953), Schweizer Schriftsteller

Mittwoch, 15. April 2026

Donnerstag, 9. April 2026

Zum Tage: Die Erde

 1789: „Die Erde gehört den Lebenden.“

Thomas Jefferson (1743-1826), von 1801 bis 1809 Präsident der USA

Mittwoch, 8. April 2026

Zum Tage: Er muss es ja wissen...

1997: "Deutsche Manager verstehen
im Gegensatz zu anderen 
viel von ihrem Geschäft."

Roland Berger, deutscher Unternehmensberater  

Montag, 6. April 2026

Zum Tage: Nobelpreise

„Computerleute kriegen keine Nobelpreise
– sollen doch die Sozialwissenschaftler die Probleme lösen.“

Marvin Minsky (???)

Gekritzel aus meinem undatierten Notizbuch um 1980/1981. Wenn ich mich richtig entsinne, hatte ich damals ein Gespräch mit Peter Sokolowsky, Professor in Frankfurt, der damals am MIT in Cambridge, Mass., weilte und mir von einem Gespräch mit Marvin Minsky, einer der Väter der Künstlichen Intelligenz, berichtet. Deshalb glaube ich, dass mir dieses Zitat aus dem Munde von Minsky überliefert wurde. Tatsächlich gibt es noch nicht einmal einen Nobelpreis für Mathematik, auf die sich die Informatik gerne bezieht, sondern nur für Physik. Dr. Edgar Codd (Relationenmodell) hätte ihn nach Meinung eines lieben Freundes (Werner Schmid) ebenso verdient wie Joseph Weizenbaum (Eliza, erster Chatbot, 1966).

R.V.


Freitag, 3. April 2026

Moon Project - AUFBRUCH INS WELTALL (1)

2007 erfüllte ich mir einen journalistischen Traum - und unternahm den Versuch, die Geschichte der Mondlandung zu erfassen und mit meinen Worten zu verfassen. Ich gebe es zu: Es war ein großer Schritt für mich - das Erlebnis von damals, die Recherchen und das Schreiben vor bald 20 Jahren. Vielleicht bildeten diese Ereignisse um den  20. Juli 1969 einen jener seltenen Momente, in denen alles zusammenkommt - Drama und Poesie, Wirklichkeit und Traum, Technik und Gesellschaft, Wirtschaft und Staat.  All diese Elemente fielen sogar so eng zusammen, dass wir bis heute nicht glauben wollen, dass wir tatsächlich auf dem Mond gelandet sind. Selbst heute, fast 60 Jahre später, können wir es uns nicht vorstellen. Denn diese großartigen Augenblicke sind vorbei. Vielleicht aber kommen sie gerade wieder - weil wir das Träumen doch noch nicht verlernt haben. Raimund Vollmer 
(2019 hatte ich diese Geschichte mit neuem Layout ins Netz gestellt)















FORTSETZUNG FOLGT

Mittwoch, 1. April 2026

Montag, 30. März 2026

Zum Tage: Fleisch & Geist

 „Gewiss, das Fleisch ist schwach,
aber leugnen wir es nicht: der Geist ist viel schwächer.“

Augusto Monterroso (1921-2003), guatemaltekischer Schriftsteller und Diplomat

Samstag, 28. März 2026

Zum Tage: Irrtum & Nichts

Wenn die Irrtümer verbraucht sind 
Sitzt als letzter Gesellschafter 
Uns das Nichts gegenüber.«


1920: Bert Brecht (1898-1956),deutscher Dramatiker

Freitag, 27. März 2026

Der Vernunft wird der Prozess gemacht!!!

 Eine unzeitgemäße Betrachtung unserer Zeit

Von Raimund Vollmer 

1958: "Große dampfende Wolken ziehen in der Dunkelheit da oben vorüber; dadurch kommt mir zum Bewusstsein, dass der Planet, auf dem Wir leben, wirklich existiert."

Jack Kerouac (1922-1969), amerikanischer Autor der Beat Generation

Hinter dem Denken in Prozessen steht das weite, alles überlagernde Feld der instrumentellen Vernunft. Sie „steht stets hoch im Kurs“, meinte 1974 Gerd Haffmans, damals Cheflektor des Diogenes-Verlags in Zürich, „die kritische Vernunft zielt auf die Substanz und wird verdrängt“.Endgültig.

Die instrumentelle Vernunft manifestiert sich in der Technik – bis in unsere Sprache hinein, die sie voll und ganz auf ihre Seite zieht – selbstverständlich in einem langen und somit kaum spürbaren Prozess, in der Entwicklung der Sprachbilder. „Staaten wurden zu Maschinen, Menschen zu Uhrwerken, Gedächtnisse zu Schallplatten“, schrieb 1991 die ‚FAZ‘.

Mehr noch: die Technik reklamiert längst eine ganze Sprache für sich. Es ist das Englische. Sie nistet sich ein mit zumeist und zutiefst banalen Ausdrücken in die Natursprachen der Welt. Die Benutzung von Anglismen gilt überall als chic und modern, passt wunderbar in eine jeden Feinsinn vergewaltigende Werbung.

Dort will ich
freier atmen
dort will ich ein Alphabet erfinden
von tätigen Buchstaben

Hilde Domin (1909-2006), deutsche Lyrikerin in ihrem Gedicht ‚Flucht‘

In Wahrheit sind die meisten Slogans peinlicher Kitsch. So banal, dass man sie tatsächlich nur noch durch das Englische hervorheben kann. Es ist lingualisierte Gewalt. Es ist eine Beleidgung. Jeder Engländer würde sich ihrer schämen.

Die kritische Vernunft befindet sich derweil auf dem Rückzug. Noch residiert sie vor allem in der modernen Kunst, befand der Philosoph Theodor W. Adorno. In der Welt als Vorstellung, als Entwurf, als Gegenentwurf. Die Kunst stört – vor allem dann, wenn sie mehr ist als nur Design und Wohnzimmer-Dekoration. Darin werden Kunst und kritische Vernunft identisch. Doch Adorno ist seit 1969 tot – und mit ihm starb unsere Vernunft. Langsam, aber unaufhaltsam.

Vielleicht ist jetzt alles aus. Durch die KI. Die Kunst wird formal zum puren Design, zur puren, sterilen Optik, zur Virtuellen Realität.

Wir brauchen die kritische Vernunft nicht mehr. ChatGPT übernimmt. Den widerspenstigen Rest regelt eine unerbittlich daherkommende Moral, die kein Pardon mehr kennt.

Ein Zeitalter unerträglicher Gleichförmigkeit wartet auf uns. Aber das – so möchte man boshaft ergänzen – die meisten bekommen das gar nicht mehr mit.

Der bürokratischen Zeit konnte die kritische Vernunft immer nur hinterherhecheln – oder sie ignorieren. Beides kostet unglaublich Kraft, wie wir seit Kafka wissen. Die bürokratische Zeit ist uns stets ein Formular, ein Memo, ein Paragraph, eine Vorschrift voraus. Egal, ob analog – als Papier – oder digital – als App.

Buchhändler verschwinden, Buchhaltung bleibt.

Die bürokratische Zeit siegt immer. Im Verein mit der Technik. Bislang. In Wahrheit hat sie nichts aufzuweisen. Nur den Sieg. Den täglichen Sieg. Über uns. Mit Haffmans möchte man sagen, das ist „ihre durchgängige Triebstruktur, die kein anderes Konstruktionsprinzip kennt als Fressen und Gefressenwerden, mit dem alleinigen Zweck, sich selbst zu reproduzieren.“

Technik und Bürokratie verhalten sich wie Kannibalen. Sie jagen, kochen und braten sich selbst. Wir nennen es dann Fortschritt. Aber in Wirklichkeit ist es rasende Sinnlosigkeit.  

(Dies ist Teil einer längeren Auseinandersetzung mit dem, was einen so als Rentner bewegt.)