"Deutsch französische
Währungsunion reicht Tietmeyer"
Außer Luxemburg erfüllt zur Zeit kein anderes Land die Maastricht-Kriterien
Die Welt, 14. Februar 1996
Als wir alle noch wussten, wie der Präsident der Bundesbank hieß: Hans Tietmeyer...
"Deutsch französische
Währungsunion reicht Tietmeyer"
Außer Luxemburg erfüllt zur Zeit kein anderes Land die Maastricht-Kriterien
Die Welt, 14. Februar 1996
Als wir alle noch wussten, wie der Präsident der Bundesbank hieß: Hans Tietmeyer...
„Wir Europäer haben uns auf die Rolle der Griechen im Römischen Reich reduzieren lassen. Die nützlichste Funktion, die ein Italiener oder Franzose ausüben kann, besteht in diesen Tagen darin, einem Amerikaner oder Japaner zu lehren, welche Trinktemperatur ein Rotwein haben sollte.“
Luigi Barzini (1908-1984), italienischer Schriftsteller
Eine unzeitgemäße Betrachtung von Raimund Vollmer
Vor 50 Jahren titelte der von mir als stillem Leser sehr geschätzte Historiker Michael Stürmer (*1938) in der FAZ: „Die ratlosen Europäer auf der Suche nach dem neuen Cäsar“. Es war klar, dass ihn diese Suche zu Napoleon führen würde, der für ihn und auch für sich selbst eher ein Zufallsfund in der Rolle des neuen Cäsars war. Zurzeit macht es keinem große Schwierigkeiten, sich einen solchen Cäsar wieder herbeizudenken. Aber der Zufall will uns keinen schenken, der auch das Potenzial dazu hat. Zum Glück, sage ich mir als Kleinbürger, wobei ich gestehen muss, dass ich im Unterschied zu vielen anderen Kleinbürgern diesem Napoleon nie Bewunderung entgegengebracht habe. (Wenn ich es mir denn überhaupt erlauben darf, in dieser Beziehung öffentlich eine Meinung äußern zu dürfen.
Heute, ein halbes Jahrhundert nach Michael Stürmers ganzseitigem Aufsatz, wage ich mich noch weiter vor in meiner unmaßgeblichen Meinung. Ich glaube, dass unterschwellig diese Sehnsucht nach einem „Führer“ (und der war für mich das Finalprodukt eines Cäsars) wieder erwacht ist. Hitler wollte ein Europa schaffen – und das hatten die Deutschen damals durchaus begriffen und motivierte sie zum Krieg. So konnte ich es zum Beispiel aus einem Briefwechsel entnehmen, in dem sich die Mutter einer ganz normalen Familie zu diesem Europa euphorisch bekannte. Sie war bestimmt kein Nazi, wie ich aus den anderen Briefen entnehmen konnte.
Europa war eine faszinierende Idee, die aber immer wieder von Kriegen erstickt und pervertiert wurde, mit denen die Idee eigentlich realisiert werden sollte. 1848 wäre es dennoch beinahe so weit gewesen. Stürmer erinnerte in seinem Aufsatz daran, dass damals diese Revolution überall in Europa ausbrach. Er schreibt: „Die Jahre 1848/49 bezeichnen die erste Revolution, die ganz Europa durchläuft.“ Doch das Ergebnis ist eher traurig. „Seitdem ist nicht nur in Frankreich, sondern auch diesseits des Rheins der Boden des Cäsarismus bereitet.“ Dieser Cäsarismus äußerte sich vor allem national – und endete schließlich im Ersten Weltkrieg, um dann nach den Weimarer Wirren in Deutschland Hitler den Lorbeerkranz aufzusetzen, mit dem Napoleon geschmückt wurde.
Natürlich war Hitlers Europa ein germanisiertes Europa, so wie vor mehr als hundert Jahren im Osten die Idee eines Panslawismus aufkam, hinter dem in Wirklichkeit die Idee des Panrussismus stand. (Ich habe 1972 als Gymnasiast ein Referat darüber halten müssen.) Heute haben wir den Panputismus, und – mit dem Blick in die USA eine Art des Pantrumpismus.
Wir in der EU sind nun versucht, uns einen Pancäsarismus zu wünschen. Ganz schüchtern, ganz verhalten tun wir das. So, wie es sich für gute Kleinbürger gehört. Diesen Wunsch, so richtig auszudrücken und auszuformulieren, wagen wir nicht. Wir drucksen herum, schauen konsterniert auf den Rechtsruck in diesem Europa, dessen Zukunft wir wohl in den vergangenen fünfzig Jahren verspielt haben. Mit unserem bis in die Spitzen der Politik gepflegtem Kleinbürgertum.
Cäsarismus gedeiht auf der Basis solchen Kleinbürgertums. So mein Verdacht – als Kleinbürger, zu dem ich mich nach und nach machen lasse. Es ist ein schleichender, schleimiger Prozess. Ich überlasse meine Meinung anderen. Schließlich weiß ich gar nicht mehr, was meine Meinung ist.
„Deutschland muss umlernen“, titelt heute der FAZ-Journalist Nikolaus Busse in seinem Leitartikel auf Seite 1 seiner Zeitung. Der Tenor lautet, dass sich jedes Land selbst helfen muss – weder auf die NATO noch auf die EU voll und ganz setzen kann. „… die Verteidigung muss im Kern nationalstaatlich bleiben“, meint er. So souverän schreibt man über eine Politik, die sich an ihre eigene Souveränität erinnern muss. „Die analytische Schwäche des deutschen Diskurses und die vielen Fehlentscheidungen der Vergangenheit haben damit zu tun, dass es bei uns immer wieder darum gegangen ist, wie man die Welt verbessert und nicht, wie man in ihr besteht.“ Sehr klar, sehr wahr. Besser kann man unser Kleinbürgertum gar nicht beschreiben. Und doch ist es nicht Deutschland, das umlernen muss, sondern wir, jeder von uns.
Aber wohin? Zum Cäsarismus, den wir seit 50 Jahren suchen – und der hat in den aktuellen 20er Jahren anderswo bereits eine fulminante Karriere gemacht? In den USA, in China, in Russland? Alle drei Imperien streben nach territorialen Erweiterungen. Mit undemokratischen Mitteln im Kalkül. Sie fallen zurück in das imperialistische Denken des 19. Jahrhunderts. Die NATO-Erweiterung, die ja auf der Freiwilligkeit der sich anschließenden, demokratisch gesinnten Länder basierte und dies auch erst nach dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes, hat mit Imperialismus gar nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: sie ist das Bollwerk gegen den Imperialismus eines Cäsars namens Putin. Was sich änderte, war, dass die NATO, deren Name sie ja vor allem als Seemacht definierte, sich nun in eine Landmacht verwandelte – wie es Russland und China immer waren. Und es war – wie wir hier schon einmal daran erinnert haben – so, dass in den punischen Kriegen, die Landmacht Rom die Seemacht Karthago besiegte.
Vielleicht ist genau dies das Motiv, das darin besteht, dass der Cäsar in Washington neu definiert, was Landmacht bedeutet: USA plus Kanada und Grönland. Die NATO, die wie die EU aus einem Zusammenschluss souveräner Staaten besteht, hat solche Ideen nicht. Sie hat überhaupt keine Idee – außer, im Falle der EU, einer fatalen “Buy European“-Kampagne.
Aber all das sind Gedanken, die sich für uns Kleinbürger nicht ziemen. Natürlich werden wir aufrüsten, früher taten wir dies, um „abwehrbereit“ zu sein, heute, um „kriegstüchtig“ zu werden. Das ist schon ein Unterschied: „abwehrbereit“ wollten wir sein in Zeiten höchster Nuklearbedrohung, im Kalten Krieg. „Kriegstüchtig“ müssen wir nun werden im Angesicht Drohnen-Bedrohung. Wir werden auf Angriff, nicht auf Abwehr programmiert. Abwehr allein genügt nicht, lehrt uns die Ukraine, aber auch der ganze Nahost-Konflikt.
Es ist schon eine andere Welt, die wir betreten – vielleicht auch deshalb, weil wir unsere stärkste Waffe nicht mehr scharf machen: die Demokratie. Stattdessen haben wurde sie im Rahmen der gescheiterten Versuche des „nation building“ verraten und als untauglich markiert. Dabei ist sie die größte Schutzmacht aller Kleinbürger. Sie setzt jeden von uns als Souverän. Kein Wort darüber bei Michael Stürmer, kein Wort darüber bei Nikolaus Busse.
Ich bin mit Leidenschaft Kleinbürger.
Ogilvy & Mather:
Übertriebene Erwartungen
in die Internet-Werbung
FAZ, 13.2.1996
Übertriebe Skepsis in die Erwartungen... R.V.
Beschämendes Schweigen
Die Bundesregierung hat für Russlands bedrohte Pressefreiheit kein Wort übrig
FAZ, 12. Februar 2021
Moskauer Fernsehen
sendet Kennedys
Bedenken zu SDI
US-Senator (Edward Kennedy) findet freundliche Worte für Gorbatschow
Die Welt, 11. Februar 1986
"Jährlich werden nach Auskunft des Deutschen Kinderschutzbundes mehr als eine Million Kinder mit Gegenständen misshandelt, 150.000 werden sexuell missbraucht. Ertwa 1000 Kinder werden totgeschlagen."
Die Welt, 10. Februar 1996
1990: „Wer menschliche Geschichte als Verwirklichung eines göttlichen Planes sieht, macht Gott zum Instrument menschlicher Interessen.“
Jeshajahu Leibowitz (1903-1994),israelischer Religionsphilosoph„Es gibt leider nicht mehr viele Eltern, deren Umgang für ihre Kinder ein Segen ist.“
Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916), österreichische Autorin
"Nicht der Große Bruder Staat
steckt seine Nase
in unsere Angelegenheiten,
sondern die Privatwirtschaft"...
... wird der Zukunftsforscher Alvin Toffler indirekt
zitiert in der Titelgeschichte des FAZmagazins vom 9. Februar 1996
„Forschung als solche ist aber ohne Abschluss,
sie erbringt keine endgültigen Ergebnisse
und vermittelt kein geschlossenes Weltbild.“
Walter Schulz (1912-2000), deutscher Philosoph