Samstag, 28. März 2026

Zum Tage: Irrtum & Nichts

Wenn die Irrtümer verbraucht sind 
Sitzt als letzter Gesellschafter 
Uns das Nichts gegenüber.«


1920: Bert Brecht (1898-1956),deutscher Dramatiker

Freitag, 27. März 2026

Der Vernunft wird der Prozess gemacht!!!

 Eine unzeitgemäße Betrachtung unserer Zeit

Von Raimund Vollmer 

1958: "Große dampfende Wolken ziehen in der Dunkelheit da oben vorüber; dadurch kommt mir zum Bewusstsein, dass der Planet, auf dem Wir leben, wirklich existiert."

Jack Kerouac (1922-1969), amerikanischer Autor der Beat Generation

Hinter dem Denken in Prozessen steht das weite, alles überlagernde Feld der instrumentellen Vernunft. Sie „steht stets hoch im Kurs“, meinte 1974 Gerd Haffmans, damals Cheflektor des Diogenes-Verlags in Zürich, „die kritische Vernunft zielt auf die Substanz und wird verdrängt“.Endgültig.

Die instrumentelle Vernunft manifestiert sich in der Technik – bis in unsere Sprache hinein, die sie voll und ganz auf ihre Seite zieht – selbstverständlich in einem langen und somit kaum spürbaren Prozess, in der Entwicklung der Sprachbilder. „Staaten wurden zu Maschinen, Menschen zu Uhrwerken, Gedächtnisse zu Schallplatten“, schrieb 1991 die ‚FAZ‘.

Mehr noch: die Technik reklamiert längst eine ganze Sprache für sich. Es ist das Englische. Sie nistet sich ein mit zumeist und zutiefst banalen Ausdrücken in die Natursprachen der Welt. Die Benutzung von Anglismen gilt überall als chic und modern, passt wunderbar in eine jeden Feinsinn vergewaltigende Werbung.

Dort will ich
freier atmen
dort will ich ein Alphabet erfinden
von tätigen Buchstaben

Hilde Domin (1909-2006), deutsche Lyrikerin in ihrem Gedicht ‚Flucht‘

In Wahrheit sind die meisten Slogans peinlicher Kitsch. So banal, dass man sie tatsächlich nur noch durch das Englische hervorheben kann. Es ist lingualisierte Gewalt. Es ist eine Beleidgung. Jeder Engländer würde sich ihrer schämen.

Die kritische Vernunft befindet sich derweil auf dem Rückzug. Noch residiert sie vor allem in der modernen Kunst, befand der Philosoph Theodor W. Adorno. In der Welt als Vorstellung, als Entwurf, als Gegenentwurf. Die Kunst stört – vor allem dann, wenn sie mehr ist als nur Design und Wohnzimmer-Dekoration. Darin werden Kunst und kritische Vernunft identisch. Doch Adorno ist seit 1969 tot – und mit ihm starb unsere Vernunft. Langsam, aber unaufhaltsam.

Vielleicht ist jetzt alles aus. Durch die KI. Die Kunst wird formal zum puren Design, zur puren, sterilen Optik, zur Virtuellen Realität.

Wir brauchen die kritische Vernunft nicht mehr. ChatGPT übernimmt. Den widerspenstigen Rest regelt eine unerbittlich daherkommende Moral, die kein Pardon mehr kennt.

Ein Zeitalter unerträglicher Gleichförmigkeit wartet auf uns. Aber das – so möchte man boshaft ergänzen – die meisten bekommen das gar nicht mehr mit.

Der bürokratischen Zeit konnte die kritische Vernunft immer nur hinterherhecheln – oder sie ignorieren. Beides kostet unglaublich Kraft, wie wir seit Kafka wissen. Die bürokratische Zeit ist uns stets ein Formular, ein Memo, ein Paragraph, eine Vorschrift voraus. Egal, ob analog – als Papier – oder digital – als App.

Buchhändler verschwinden, Buchhaltung bleibt.

Die bürokratische Zeit siegt immer. Im Verein mit der Technik. Bislang. In Wahrheit hat sie nichts aufzuweisen. Nur den Sieg. Den täglichen Sieg. Über uns. Mit Haffmans möchte man sagen, das ist „ihre durchgängige Triebstruktur, die kein anderes Konstruktionsprinzip kennt als Fressen und Gefressenwerden, mit dem alleinigen Zweck, sich selbst zu reproduzieren.“

Technik und Bürokratie verhalten sich wie Kannibalen. Sie jagen, kochen und braten sich selbst. Wir nennen es dann Fortschritt. Aber in Wirklichkeit ist es rasende Sinnlosigkeit.  

(Dies ist Teil einer längeren Auseinandersetzung mit dem, was einen so als Rentner bewegt.)  

 



Dienstag, 24. März 2026

Zum Tage: Flucht & Furcht

 „Die Furcht vor der Verantwortung begünstigt die Flucht in die Abhängigkeit.“

Erich Limpach (1899-1965), deutscher Schriftsteller

Montag, 23. März 2026

Zum Tage: Mensch, Minute, Mücke ... Nietzsche

 „In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der ‚Weltgeschichte‘: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mussten sterben. – So könnte jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt. Es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. Denn es gibt für jenen Intellekt keine weitere Mission , die über das Menschenleben hinauis führte. Sondern menschlich ist er, und nur sein Besitzer und Erzeuger nimmt ihn so pathetisch, als ob die Angeln der Welt sich in ihm drehten. Könnten wir uns aber mit der Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, dass auch sie mit diesem Pathos durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Zentrum der Welt fühlt.“

1873: Friedrich Nietzsche (1844-1900) „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne"

Sonntag, 22. März 2026

Zum Tage: Widerspruch

 „Der Geist des Widerspruchs hate eine sittliche Forderung zu sein.“

Hans Sahl (1902-1993), deutscher Schriftsteller

Samstag, 21. März 2026

Zum Tage: Dummköpfe

 „Die Romanciers, die nach Tagen und Jahren zählen, sind Dummköpfe.
Für eine Uhr mögen die Tage gleich sein, nicht aber für einen Menschen.“

Marcel Proust (1871-1922), französischer Schriftsteller

Zum Tage: Zeitumstellung

Heute vor fünf Jahren hätten wir zum letzten Mal, unsere Uhren von Winter- auf Sommerzeit umstellen müssen. So hatten wir, die Bürger Europas,bei 2018 einer Online-Umfrage mit 84 Prozent entschieden. Doch niemand in den Regierungen hielt sich daran. Freuen wir uns also auf den 29. März. Dann iost es wieder soweit. Dank der Digitalisierung ist das auch für die meisten Uhrwerke kein Problem. Damit natürlich auch nicht für uns. Immerhin ist die Zeit ja reines Menschenwerk. Weiterer Kommentar überflüssig - so wie unsere Entscheidung. R.V.

Freitag, 20. März 2026

Zum Tage: Napoleon

 „Ein Kopf ohne Gedächtnis ist eine Festung ohne Besatzung.“

Napoleon I. (1769-1821), Kaiser von Frankreich

Montag, 16. März 2026

Zum Tage: Es ist Montag

„Sich konzentrieren bedeutet eine stete Überwindung der eigenen Bequemlichkeit.“

Robert Musil (1880-1942), österreichischer Schriftsteller

 

Sonntag, 15. März 2026

Zum Tage: Politik

"Die Politik ist eine Bühne, auf der die Souffleure 
manchmal lauter sprechen als die Darsteller.“

Ignazio Silone (1900-1978), italienischer Schriftsteller