1789: „Die Erde gehört den Lebenden.“
Thomas Jefferson (1743-1826), von 1801 bis 1809 Präsident der USA
1789: „Die Erde gehört den Lebenden.“
Thomas Jefferson (1743-1826), von 1801 bis 1809 Präsident der USA
1997: "Deutsche Manager verstehen
im Gegensatz zu anderen
viel von ihrem Geschäft."
Roland Berger, deutscher Unternehmensberater
„Computerleute kriegen keine
Nobelpreise
– sollen doch die Sozialwissenschaftler die Probleme lösen.“
Marvin Minsky (???)
Gekritzel aus meinem undatierten Notizbuch um 1980/1981. Wenn ich mich richtig entsinne, hatte ich damals ein Gespräch mit Peter Sokolowsky, Professor in Frankfurt, der damals am MIT in Cambridge, Mass., weilte und mir von einem Gespräch mit Marvin Minsky, einer der Väter der Künstlichen Intelligenz, berichtet. Deshalb glaube ich, dass mir dieses Zitat aus dem Munde von Minsky überliefert wurde. Tatsächlich gibt es noch nicht einmal einen Nobelpreis für Mathematik, auf die sich die Informatik gerne bezieht, sondern nur für Physik. Dr. Edgar Codd (Relationenmodell) hätte ihn nach Meinung eines lieben Freundes (Werner Schmid) ebenso verdient wie Joseph Weizenbaum (Eliza, erster Chatbot, 1966).
R.V.
„Das Wohl der Gesellschaft ist das einzige Maß des sittlich Guten und Bösen.“
Voltaire (1694-1788), französischer Philosoph
„Gewiss, das Fleisch ist
schwach,
aber leugnen wir es nicht: der Geist ist viel schwächer.“
Augusto Monterroso (1921-2003), guatemaltekischer Schriftsteller und Diplomat
Wenn die Irrtümer verbraucht sind
Sitzt als letzter Gesellschafter
Uns das Nichts gegenüber.«
1920: Bert Brecht (1898-1956),deutscher Dramatiker
Eine unzeitgemäße Betrachtung unserer Zeit
Von Raimund Vollmer
1958: "Große dampfende Wolken ziehen in der Dunkelheit da oben vorüber; dadurch kommt mir zum Bewusstsein, dass der Planet, auf dem Wir leben, wirklich existiert."
Jack Kerouac (1922-1969), amerikanischer Autor der Beat Generation
Hinter dem Denken in Prozessen steht das weite, alles überlagernde Feld der instrumentellen Vernunft. Sie „steht stets hoch im Kurs“, meinte 1974 Gerd Haffmans, damals Cheflektor des Diogenes-Verlags in Zürich, „die kritische Vernunft zielt auf die Substanz und wird verdrängt“.Endgültig.
Die instrumentelle Vernunft manifestiert sich in der Technik – bis in unsere Sprache hinein, die sie voll und ganz auf ihre Seite zieht – selbstverständlich in einem langen und somit kaum spürbaren Prozess, in der Entwicklung der Sprachbilder. „Staaten wurden zu Maschinen, Menschen zu Uhrwerken, Gedächtnisse zu Schallplatten“, schrieb 1991 die ‚FAZ‘.
Mehr noch: die Technik reklamiert längst eine ganze Sprache für sich. Es ist das Englische. Sie nistet sich ein mit zumeist und zutiefst banalen Ausdrücken in die Natursprachen der Welt. Die Benutzung von Anglismen gilt überall als chic und modern, passt wunderbar in eine jeden Feinsinn vergewaltigende Werbung.
Dort will ich
freier atmen
dort will ich ein Alphabet erfinden
von tätigen Buchstaben
Hilde Domin (1909-2006), deutsche Lyrikerin in ihrem Gedicht ‚Flucht‘
In Wahrheit sind die meisten Slogans peinlicher Kitsch. So banal, dass man sie tatsächlich nur noch durch das Englische hervorheben kann. Es ist lingualisierte Gewalt. Es ist eine Beleidgung. Jeder Engländer würde sich ihrer schämen.
Die kritische Vernunft befindet sich derweil auf dem Rückzug. Noch residiert sie vor allem in der modernen Kunst, befand der Philosoph Theodor W. Adorno. In der Welt als Vorstellung, als Entwurf, als Gegenentwurf. Die Kunst stört – vor allem dann, wenn sie mehr ist als nur Design und Wohnzimmer-Dekoration. Darin werden Kunst und kritische Vernunft identisch. Doch Adorno ist seit 1969 tot – und mit ihm starb unsere Vernunft. Langsam, aber unaufhaltsam.
Vielleicht ist jetzt alles aus. Durch die KI. Die Kunst wird formal zum puren Design, zur puren, sterilen Optik, zur Virtuellen Realität.
Wir brauchen die kritische Vernunft nicht mehr. ChatGPT übernimmt. Den widerspenstigen Rest regelt eine unerbittlich daherkommende Moral, die kein Pardon mehr kennt.
Ein Zeitalter unerträglicher Gleichförmigkeit wartet auf uns. Aber das – so möchte man boshaft ergänzen – die meisten bekommen das gar nicht mehr mit.
Der bürokratischen Zeit konnte die kritische Vernunft immer nur hinterherhecheln – oder sie ignorieren. Beides kostet unglaublich Kraft, wie wir seit Kafka wissen. Die bürokratische Zeit ist uns stets ein Formular, ein Memo, ein Paragraph, eine Vorschrift voraus. Egal, ob analog – als Papier – oder digital – als App.
Buchhändler verschwinden, Buchhaltung bleibt.
Die bürokratische Zeit siegt immer. Im Verein mit der Technik. Bislang. In Wahrheit hat sie nichts aufzuweisen. Nur den Sieg. Den täglichen Sieg. Über uns. Mit Haffmans möchte man sagen, das ist „ihre durchgängige Triebstruktur, die kein anderes Konstruktionsprinzip kennt als Fressen und Gefressenwerden, mit dem alleinigen Zweck, sich selbst zu reproduzieren.“
Technik und Bürokratie verhalten sich wie Kannibalen. Sie jagen, kochen und braten sich selbst. Wir nennen es dann Fortschritt. Aber in Wirklichkeit ist es rasende Sinnlosigkeit.
(Dies ist Teil einer längeren Auseinandersetzung mit dem, was einen so als Rentner bewegt.)
„Die Furcht vor der Verantwortung begünstigt die Flucht in die Abhängigkeit.“
Erich Limpach (1899-1965), deutscher Schriftsteller