Donnerstag, 27. August 2026

Eins und Alles (2): Eine Miniserie

Statt heißem Wünschen, wildem Wollen,
Statt lästgem Fordern, strengen Sollen
Sich aufzugeben ist Genuss…


Johann Wolfgang von Goethe, 1821 

 

Lanier nannte aber auch die Konsequenz aus dieser Transformation ins totale Anders – wenn aus einer realen Technologie ein Glaubenssystem entsteht. „Wir erleben die Geburt einer neuen Kirche“, sagte er im Jahr des Wechsels in das dritte Jahrtausend nach Christi Geburt. (R.V.)

Mittwoch, 26. August 2026

Eins und Alles (1): Eine Miniserie

Im Grenzenlosen sich zu finden,
Wird gern der einzelne verschwinden,
Da löst sich aller Überdruss;


Johann Wolfgang von Goethe, 1821 

 

Ist das unsere große Hoffnung, unsere große Illusion – wieder eins zu werden mit allem? Durch KI? Nicht eins zu werden mit der Natur, sondern mit der Virtualität?

Niemand anders als der Amerikaner Jaron Lanier (*1960), der Mann, der den Begriff der virtuellen Realität in die Welt setzte, hoffte im Jahr 2000, „dass man Künstliche Intelligenz besser als Glaubenssystem versteht denn als reale Technologie.“[1] Vergeblich. Wir leben am Schnürchen dieser Technologie – und wir tun es gerne. Wir fühlen uns wohl. Wir genießen sogar unser Unbehagen an der Kultur der Künstlichen Intelligenz. .


[1] Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Juli 2000, Jaron Lanier: „Das neue Package“

 

Übrigens: Als am 21. August 2026 das Skript "Ohne uns: Baby-Boomer und Baby-Doomer" erschien, gab es laut Blogspot-Statistik knapp 100.000 Zugriffe. Offensichtlich sind KI-Maschinen darauf trainiert, sich bestimmte Stories zu bestimmten Begriffen einzuverleiben. Wer steht also hinter der KI? Eine künstliche Blödheit? Es macht mich jedenfalls nachdenklich, auch wenn es zu keinem Ergebnis führt... 

Zum Tage: Vertrauen

Dass die Sprache für uns dichte
Und denke – eine deutsche Legende.
Im Klartext heißt das doch: Verzichte
Auf deinen eigenen Kopf: Verwende
Die Phrasen unserer Geschichte
Fülle wieder Busch und Tal und Bände
Mit autonomen Wortgefüge.
Und vergiss, dass so am Ende
Nichts entsteht als pure Lüge.

Günter Kunert (1929-2019), deutscher Schriftsteller

Mein Kommentar: Ein ultrakleines Sprachmodell, dieses wunderbare Gedicht, ein David gegen die KI. R.V.


Dienstag, 25. August 2026

Schnellschuss: Die Digitalisierung des Services

"Es ist geschafft: Service besteht 
heute in Deutschland aus dem sturen Blick 
auf den Bildschirm. 
Da darf der Kunde lange warten."

Beobachtung von heute morgen

(Fragt mich nicht wo, sonst darf ich dort noch länger warten)

Montag, 24. August 2026

Zum Tage: Bewachung

 „Die Herrschenden müssen bewacht werden, nicht die Beherrschten.“

Friedrich Dürrenmatt (1921-1990), Schweizer Schriftsteller

Sonntag, 23. August 2026

Umfrage 1992: Werte

 1992: 59 Prozent der Befragten meinen, dass jene Leute, die in den Nachrichten- und Unterhaltungsmedien arbeiten, ihre Produkte verkaufen statt ihre Werte zu vertreten“

Newsweek-Umfrage vom September 1992

Zum Tage: Genial

 „Erfindungsgabe ist der einzige Beweis von Genie.“

Luc de Vauvenrgues (1715-1747), französcher Moralist

Freitag, 21. August 2026

Ohne uns: Baby-Boomer und Baby-Doomer

Eine unzeitgemäße Betrachtung von Raimund Vollmer

In den nächsten dreihundert Jahren müsse sich die Erdbevölkerung auf eine Milliarde Menschen reduzieren, meinte 1995 der deutsche Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Franz Josef Radermacher (*1950). Nur so könnten alle Menschen auf der Welt dieselbe Lebensqualität genießen. So viele Menschen – rund eine Milliarde – lebten um 1800 auf der Erde, zu Beginn der Industriellen Revolution, seit dem Beginn der Moderne, wie es die Geschichte definiert. Inzwischen sind es allerdings deutlich mehr als 7,5 Milliarden Menschen, dreimal mehr als 1950, dem Geburtsjahr Rademachers, dem Beginn der Lebenszeit meiner Generation. Vielleich sind wir, die Baby Boomer, die noch der Babypille entkamen, die wirklich letzte Generation.

***

 „Mit der möglichen Ausnahme von Adam und Eva wurden bis 1978 alle menschlichen Wesen innerhalb des Körpers einer Frau empfangen“, schrieb 2023 das britische Wirtschaftsmagazin ‚The Econmist‘.Das galt in der Tat bis zum 25. Juli 1978. Da kam Louise Joy Brown in Manchester zur Welt. Sie war das erste Retortenbaby. Seitdem steht der Mensch als Species selbst in Frage. Wird der Mensch den Menschen auf Dauer durch eine andere Species ersetzen? Opfern wir uns selbst dem Fortschritt - ausgerechnet durch die „persönlichste Technologie“, wie der ‚Economist‘ titelt. 

Wird der Mensch den Menschen systematisch verhindern, bis wir auf eine Milliarde geschrumpft sind? Dank der Pille, die als erstes uns, die Baby Boomer, von allen zukünftigen Generationen trennte?

Herrschen fortan die unpersönlichsten Technologien, die der Big Data und der Algorithmen – mit dem Ziel, die Erde zu retten? Schaffen wir den programmierten Menschen? Wer wird das sein?

***

Eine Milliarde Menschen – ist das wirklich die natürliche Betriebsgröße der Erde? Erleben wir, was die Zahl der Menschen anbelangt, momentan den Höhepunkt der Menschheitsentwicklung? Stehen wir an einem epochalen Wendepunkt?

Der Dichter Paul Celan (1920-1970) würde sagen, wir stehen an einer „Atemwende“, an einem Richtungswechsel. Nicht die Politik, nicht die Wirtschaft, nicht die Wissenschaft, nicht die Technologie, nicht die Kultur hat diesen Wechsel vollzogen. Das waren wir, das waren wir selbst. Jeder von uns. Jeder aus unserer Generation. Alles andere war nur Beiwerk. Wir die Babyboomer sind die Generation, die sich selbst als Zukunft abschaffte und die Zukunft des Menschen neu programmierte. Die Zeugung des Menschen verlässt den Mutterleib.

(Aus meinem Manuskript "Ohne uns - Gibt es ein Leben nach dem Jetzt?")

Donnerstag, 20. August 2026

Nachschlagzeile: Ranga Yogeshwar

 Rechnen Sie damit, lebenslang
ein Verdächtiger zu sein

FAZ, 12. Juli 2013: Ein Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar

Montag, 17. August 2026

Zum Tage: Gewissensforschung

 „In Sachen des Gewissens ist die Mehrheit nicht zuständig.“

Mahatma Gandhi (1869-1948), indischer Staatsmann

 

Donnerstag, 13. August 2026

Schnellschuss: NONTEXT STATT KONTEXT

Wie weit sich der Journalismus inzwischen von sich selbst entfernt hat, ist inzwischen ausgerechnet bei dem Medium festzustellen, das sich einst als Hüter des Journalismus auftrat: Der Spiegel. Hier ein tagesaktuelles Beispiel für die Umwandlung des (ohnehin schon biederen) Nachrichtenstils in die komplette Inhaltslosigkeit. Das kann wahrscheinlich sogar die KI auf ihrer niedersten Stufe besser.   

 

"Der Artikel beleuchtet aktuelle politische Debatten und Entwicklungen in Deutschland und international. Im Fokus stehen die Befugnisse des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) im Vergleich zu ausländischen Diensten und die Inszenierung eines AfD-Spitzenkandidaten. Weiterhin wird die herausfordernde Position eines britischen Politikers, der als "Mr. Brexit" bezeichnet wird, thematisiert.

 

Selbst die dann folgende Detaillierung ist absolut nichtssagend. Ich glaube, wenn "Der Spiegel" leere Seiten veröffentliche würde, wären diese inhaltsreicher als diese Nontexte... R.V.

 

Dienstag, 11. August 2026

Schnellschuss: Die Doppelmoral der Verleger

Kommentar: Einer wie Heinrich Heine, der mit seinem „Buch der Lieder“ 1827, also vor bald 200 Jahren, einen Bestseller landete, ärgerte sich dereinst über die vielen Raubkopien, die davon gemacht wurden. Hätten die Verleger die Lizenz zum Nachdruck bezahlt, hätte er nie bei seinen reichen Verwandte betteln müssen. Raubdrucke waren damals üblich – und lassen das Verlagswesen nicht minder autorenverachtend dastehen wie heute die AI-Konzerne, die ihre Maschinen hemmungslos mit Werken füttern, deren Copyrights die Verlage für sich reklamieren. Die eigentlichen Urheber gehen ohnehin leer aus. Es war ein Gesetz notwendig, als Zeitungsverleger ihre Archive ins Netz stellten, ohne die Autoren zu fragen oder zu entlohnen. Erst nachdem die Jurisprudenz festgestellt hatte, dass das Internet erst nach 1994 als ein allgemeines Medium gesehen werden darf, für die sich die Verleger die Rechte gesichert hatten, war klar, dass sie ihre Autoren für alles, was davor war, bezahlen mussten. Freiwillig haben sie es nicht getan. 

Es ist deshalb eine schäbige Diskussion, bei der sich die Verlage nicht schämen, sich nunmehr hinter den Rechten ihrer Autoren zu verstecken, die sie in den Jahrhunderte davor so oft im Stich gelassen haben. R.V.