"Die alternde Gesellschaft ist keine Lustpartie"
3. Juni 1995, FAZ
"Die alternde Gesellschaft ist keine Lustpartie"
3. Juni 1995, FAZ
„Wer aus Büchern schöpft, braucht keine Strapazen auf sich zu nehmen, setzt sich keiner Gefahr aus. Es ist nur nötig, sich eine Stadt auszusuchen, in der es viele Bücher gibt oder die eine Bibliothek in der Nähe hat. Dann kann man ruhig dasitzen, die Bücher nach dem, was man wissen will, befragen, und die Irrtümer der Vorgänger in aller Ruhe durch Vergleiche feststellen. Persönliche Erkundung dagegen ist mit großen Mühen und Kosten verbunden, aber sie bringt reichen Ertrag, ja sie ist das wichtigste Stück geschichtlicher Forschung.“
Polybios von Megapolis (200-120 v. Chr.), griechischer Historiker
Das Unbehagen an einem Begriff:
Eine unzeitgemäße Nachbetrachtung von Raimund Vollmer
Der Begriff „Holocaust“ sei völlig unangebracht, gleichsam ein Euphemismus, schrieb 1996 der deutsche Journalist Peter Dittmar in der Tageszeitung „Die Welt“, denn dieses Fremdwort verzichte bewusst auf „alle Konnotationen der Wirklichkeit, die sich bei ‚Judenmord‘, ‚Judenvernichtung‘, .Völkermord‘, ‚Ausrottung der Juden‘ nicht vermeiden lassen. ‚Holocaust‘ bleibt sehr abstrakt und löst sich damit vom ursprünglichen, sehr konkreten Wirklichkeitsbezug.“
Im Grunde genommen führe dieses Begriff zu einer „Bagatellisierung des Schreckens“, meint Dittmar. Es sei zudem ein Begriff, der erst Ende der siebziger Jahre bei uns aufgekommen sei, als der WDR unter diesem Namen die amerikanische Fernsehserie dazu ausstrahlte. Ich erinnere mich, dass ich damals zum ersten Mal das Wort zur Kenntnis nahm. Ich konnte damit anfangs – und eigentlich auch bis heute – nichts anfangen. Das Fremdwort war mir fremd. Er war ursprünglich nur im angelsächsischen Raum gebräuchlich.
Seine erste Erwähnung geht dort auf das Jahr 1938 zurück, als es in einer Fußnote einer in New York herausgegebenen Schrift des österreichischen Psychiaters Abraham Brill (1874-1948) über Sigmund Freud heißt: „Ach! Gerade als diese Seiten zur Druckerei gegeben werden, erschüttert uns die schreckliche Nachricht, dass der Nazi-Holocaust plötzlich Wien erfasst und damit Professor Freud mit seiner Familie zu tatsächlichen Opfern in den Händer der größten Geißel der Zivilisation gemacht hat.“ Brill, jüdischer Abstammung, war mit 15 Jahren in die USA ausgewandert, allein und ohne einen Pfennig in der Tasche – er, gleihsam ein Selfmademan der Psychoanalyse, korrespondierte mit Freud bis zu dessen Tod 1939. [1]
Faustball in Faust: Auf Youtube gibt es diesen vor hundert Jahren gedrehten Stummfilm von F.W. Murnau sogar in colorierter Form. Sprache braucht man sowieso nicht, da die Goethe-Zitate bestens bekannt sind. Vielleicht zur Entspannung zwischen den Fußballspielen, deren Ergebnisse so mancher aus der Glaskugel vorher ermitteln möchte. Auf jeden Fall, so zeigt uns die Glaskugel, ist der Ball rund. Nach dem Eröffnungsspiel, bei dem ich dann die drei Roten Karten verpasste, weil ich es stinklangweilig fand und wegschaltete, werde ich bei weiteren Übertragungen wahrscheinlich auch die Sprache ausblenden. Dieser unerfüllte Sprechgesang der Moderatoren, bei denen die Sätze immer in der Schwebe bleiben, geht mir auf die Nerven. Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich - allein vor der flachen Matsch-Scheibe - den Tonfall mit eigenem, ähnlich inhaltsleeren Singsanggeplapper nachahme. R.V. Hier der LINK (muss man aber nicht gucken).
Mein Computer wird von einer neuen Bürokratie überfallen. Ich werde wahrscheinlich bald aussteigen. Ich habe die Faxen dicke. Es ist einfach alles nur noch Sch... Unsägliche Stümper sind da am Werk.
„Jede Partei ist für das Volk da und nicht für sich selbst.“
Konrad Adenauer (1876-1967). Erster deutscher Bundeskanzler
„Minister fallen wie Butterbrote: Gewöhnlich auf die gute Seite.“
Ludwig Börne (1786-1937), deutscher Schriftsteller
"Vielgestaltig ist das Ungeheure,
und nichts ist ungeheuer als der Mensch."
Sophokles (497-406 v. Chr.), in seiner Tragödie "Antigone"
Dauerten wir unendlich
so wandelte sich alles
Da wir aber endlich sind
bleibt vieles beim alten
Bert Brecht (1898-1956), deutscher Dramatiker
„Die Kühlheit macht uns alle, die vorm Fernsehschirm sitzen, zu Voyeuren, die als Lebende die Schrecken des Todes, des Hungerns, der Folter in Aktualitätssendungen durch ein heruntergedrehtes Opernglas beobachten dürfen: Voyeure, aber unberührte.“
Peter Zadek (1926-2009), deutscher Regisseur, in „Das wilde Ufer“, 1990
„Jedem tiefen Naturforscher muss eine Art religiösen Gefühls naheliegen, weil er sich nicht vorzustellen vermag, dass die Zusammenhänge, die er erschaut, von ihm zum ersten Mal gedacht werden.“
Albert Einstein (1879-1955), Physiker schwäbischer Abstammung
„Pessimisten sind die wahren Lebenskünstler,
denn nur sie erleben angenehme Überraschungen.“
Marcel Proust (1871-1922), französischer Dichter