Sonntag, 14. Januar 2024

Gedankenexperimente aus tausend und einer Seite (Teil 3)

 

1958: „Daneben soll das Elektronen-Gehirn 'Ramac' in zehn verschiedenen Sprachen Fragen aus der Geschichte von heute bis zum Jahre 4 vor Christus beantworten.“


'Der Spiegel' in einer Titelgeschichte über die Weltausstellung in Brüssel und den Pavillon der USA

 

 

 

Das Prinzip Verantwortung

Von Raimund Vollmer 

 

Was im 20. Jahrhundert bloße Science Fiction und reine Vorstellungskraft war, könnte im 21. Jahrhundert Wirklichkeit werden: die Welt als Vollautomat, in der wir – die Menschen – zu Big Data verkommen. Wird das Individuum vollends unterjocht? Ist die Maschine der große Gegenspieler – egal, ob mit oder ohne eigenes Bewusstsein?

Auf diese Frage wurden wir bereits 1949 hingewiesen. In den USA hatte Edmund Berkeley sein Buch „Giant Brains, or Machines That Think“ veröffentlicht. Es machte ihn und das Thema berühmt. Übrigens formulierte er in diesem Werk bereits die Idee des Heimcomputers, dessen Erscheinen dann allerdings noch 25 Jahre auf sich warten ließ.

Verbreitete Berkeley noch die Faszination, die vom Computer ausging, war Nobert Wiener, der Vater der Kybernetik, in seinem ebenfalls 1949 erschienenen Buch „Cybernetics and Society“ weitaus skeptischer: „Die Maschine aber, die wie der Fla­schen­geist lernen kann und auf Grund ihres Lernens Entscheidungen fäl­len kann, wird durchaus nicht gebunden sein, Entscheidungen zu treffen, wie wir sie ge­troffen hätten oder wie sie für uns annehmbar wären. Denn der Mensch, der das Problem seiner Verantwortung blindlings auf die Maschine abwälzt, sei sie nun lernfähig oder nicht, streut seine Verantwortung in alle Winde und wird sie auf den Schwingen des Sturmwindes zurückkommen sehen.“[1]

Drei Jahrzehnte später fragte sich Hans A. Pestalozzi, einst Topmanager bei dem Schweizer Migros-Konzern und nun ein Aussteiger, ein „Dissident“ der Wirtschaft: „Was ist das Entscheidende am Computer: Die gehirnähnlichen Funktionen oder der drohende Totalitarismus à la Huxley oder Orwell?“[2]

Es ist das große Verdienst des Whistleblowers Edward Snowden, dass er uns an unsere Verantwortung erinnerte und uns mit seinen Enthüllungen Einblick in eine Welt gab, die im Namen der Kontrolle selbst außer Kontrolle gerät, die nichts und niemandem verantwortlich zu sein scheint außer sich selbst. Eine Welt, die lenkt, aber nicht denkt. Eine Welt, die weiß, aber nichts fühlt. Eine Welt mit Verstand, aber ohne Sinn. Und das scheint in der Tat die größte Gefahr zu sein – nichts anderes. Eine kalte, gefühllose Welt, die alles an sich zieht. „Gebt uns unser Grundrecht auf Privatsphäre zurück“, titelte 2013 die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' in ihrem Feuilleton. In dem ganzseitigen Artikel formulieren der frühere 'Spiegel'–Chefredeakteur Georg Mascolo und der Leiter der Stiftung Neue Verantwortung Ben Scott: „Kein Staat, egal, wie mächtig, kann heute noch die Privatsphäre seiner Bürger schützen.“[3]

Alles, was wir in den vergangenen 250 Jahren geschaffen haben, um damit unser Leben zu steuern, hatte die Tendenz, sich am Ende selbst zu steuern und sich nur noch um sich selbst zu drehen. Alles wurde selbstbezüglich.

Das gilt in hohem Maße für Computersysteme. Ein Thema übrigens, das 1979 der Informatiker Douglas R. Hofstadter in seinem Buch „Gödel, Escher, Bach“ aufgriff und dafür 1980 den Pulitzer-Preis erhielt. Sein Buch war in Deutschland sechs Monate auf Platz 1 der Bestseller-Liste und faszinierte damals vor allem die junge Informatik–Szene.

Diese schickte sich derweil an, gewaltige, hochkomplexe Software–Systeme zu schaffen, die versuchen sollten, alles, was in Staat und Wirtschaft abläuft, an sich zu raffen und unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie war auf dem Weg in die „quartären Aktivitäten“.

Das galt für Maschinen, die sich in den achtziger Jahren zu Computer Integrated Manufacturing (CIM) vereinen und dann in einem weiteren Versuch zu Industrie 4.0 organisiert werden sollten. Das galt für Buchhaltungssysteme, die sich in den achtziger Jahren zu Enterprise Ressource Planning (ERP) aufblähten und Milliarden Dollar an Aufwand verschlangen – nicht nur bei Anbieter wie SAP, sondern vor allem bei den Kunden.

In der berühmten Studie von Simon Nora und Alain Minc aus den siebziger Jahren über „Die Informatisierung der Gesellschaft“ heißt es: „Die Hauptherausforderung der kommenden Jahrzehnte liegt für die fortgeschrittenen Gesellschaften unserer Welt nicht mehr in der Fähigkeit, die Materie zu beherrschen. Das ist bereits erreicht. Die wesentliche Herausforderung liegt in der Schwierigkeit, ein Netz von Verbindungen zu errichten, in dem sich gemeinsam Information und Organisation weiterentwickeln können.“ Es geht hier nicht um den Menschen und dessen Selbstbestimmung, sondern um Sachverhalte, um Information und Organisation. Es geht um Ordnung. Nicht umsonst nennen die Franzosen ihren Computer treffend „l'ordinateur“.

Wenn die beiden Franzosen mit dem Netz so etwas wie das Internet in dieser Weiterentwicklung sahen, dann können wir ihnen heute mitteilen, dass dies nun realisiert ist. Schon stehen wir vor einer neuen „Hauptherausforderung“, nämlich der, dass sich dieses System aus „Information und Organisation“ verselbständigt – im Namen einer sich alles unterwerfenden Ordnung.

„Der Mensch ist nun mal der Faktor, der nie aufgeht“, meinte im Dezember 1990, wenige Tage vor seinem Tod, der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt in einem Gespräch mit der Wochenzeitung 'Die Zeit'. Der Mensch stört. Genau darin liegt möglicherweise auch sein Sinn. „Über die Menschen hinaus gibt es keinen Sinn. Der Kosmos ist sinnlos“, sagt Dürrenmatt.[4] „Was tun mit der Milchstraße?“ fragte 1996 Jochen Gerz, der deutsche Konzeptkünstler, nachdem er festgestellt hatte, dass „das sinnlose Objekt par excellence die Natur“ ist. Wir sind es, die damit etwas anfangen müssen. Vielleicht sogar ein „Zurück zur Natur“, wie es Rousseau vorschwebte?[5] Mikis Theodorakis, der weltberühmte griechische Komponist, befand in einem Gespräch mit der 'FAZ': „Unser aller Leben hatte einmal einen natürlichen Rhythmus, den haben wir verloren. Wir versinken in ungeheuren Geldbewegungen und einem Bombardement von Informationen, wir verlieren und vergessen unsere Menschlichkeit, unser Menschsein. Dabei haben wir Hunger auf echte Harmonie – nicht auf solche, die als Illusion daherkommt. Die Menschen sollten lernen, der Disharmonie entgegenzutreten und falsche Harmonie zu erkennen. An die Politik gerichtet: Es ist äußerst gefährlich, Situationen falscher Harmonie zu erzeugen.“[6]

Es ist eine Welt ohne uns. Es ist die Welt des Big Data. Es ist die Rettungskapsel für Big Government und Big Business. Und wir stecken in der Falle...

 

»Es ist nicht zu erwarten, dass Recht vor Macht gehen werde. Es soll so sein, aber es ist nicht so.«

Georg Wilhelm Friedrich Hegel, deutscher Philosoph

Samstag, 13. Januar 2024

Zum Tage

 „Ich glaube, dass die Politik daran krankt, dass die Ideen aus kleinen Köpfen in kleinere Herzen oder dass sie aus kleinen Herzen in kleinere Köpfe übergehen.“

Karl Krauis (1874-1936), österreichischer Autor

Freitag, 12. Januar 2024

Zum Tage

Bemühe dich nicht, unter deiner Zeit zu sein.

Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), deutscher Physiker und Philosoph

 

Donnerstag, 11. Januar 2024

Zum Tage

 Die Fratze des Parteigeistes ist mir mehr zuwider als irgendeine Karikatur.

Johan Wolfgang von Goethe (1749-1832), deutscher Dichterfürst

Mittwoch, 10. Januar 2024

Zum Tage

"Nennen Sie mir ein Land, in dem Journalisten und Politiker sich vertragen, und ich sage Ihnen, da ist keine Demokratie!“

Hugh Carleton Greene (1910-1987), britischer Publizist

Dienstag, 9. Januar 2024

Zum Tage

1989: "Es gibt nicht wenige Fälle, in denen sich etwa das Bundesministerium der Finanzen über höchstrichterliche Urteile einfach hinweggesetzt hat, ohne daraus gebotene rechtliche und sachliche Konsequenzen zu ziehen."

Ulrich Lohmar (1928-1991), deutscher Sozial- und Politikwissenschaftler

Montag, 8. Januar 2024

Zum Tage

Man sollte, wenn von Freiheit gesprochen wird, immer wohl Acht geben, ob es nicht eigentlich Privatinteressen sind, von denen gesprochen wird.

Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770-1831), deutscher Philosoph

 

Samstag, 6. Januar 2024

Gedankenexperimente aus tausend und einer Seite (Teil 2)

 »Ich warte auf Antwort. Beeil dich gefälligst!«

                        1988: Dagobert Duck an seinen Beratercomputer in dem Comic „Alles Gute, Donald“

Der Sturz des Menschen...

Von Raimund Vollmer 

 

In der „Magna Charta für das Informationszeitalter“, dessen großes, englisches Vorbild 2015 seinen 800. Geburtstag feiert, heißt es 1994: „Das zentrale Ereignis des 20. Jahrhunderts ist der Sturz der Materie. In Technik, Wirtschaft und Politik hat der Wohlstand in Form materieller Ressourcen an Bedeutung verloren. Überall gewinnen die Kräfte des Geistes die Oberhand über die rohe Macht der Dinge.“[1]

Kevin Kelly, Journalist bei der Zeitschrift „Wired“, stieß 1998 in seinem Buch »New Rules of the New Economy“ nach: „Die Welt des Weichen – die Welt der nicht berührbaren Güter, der Medien, der Software und der Dienstleistungen – werden bald über die Welt des Harten bestimmen – die Welt der Realität, der Atome, der Gegenstände, des Stahls und des Öls und der harten Arbeit, die im Schweiße des Angesichts geleistet wird.“[2]

Wer oder was sind nun diese „Kräfte des Geistes“? Sind es die kalten Befehle, die sich in den Programmen längst verselbständigt haben? Ist es immer noch der menschliche, gefühlsbetonte Geist? Oder ist es die Cloud, die schon mit ihrem Sprachbild, der Wolke, weich und kuschelig erscheint, die alles umhüllt und uns einnebelt? Sind wir es, die Menschen, die befehlen, oder sind wir nur noch die Ausführenden, die sturen Befehlsempfänger? Geht es im 21. Jahrhundert nicht mehr um den Sturz der Materie, sondern um den des Menschen?

Nach einer Studie der Oxford University könnten in den nächsten zwei Jahrzehnten 47 Prozent aller Jobs automatisiert werden.[3] Es wird also enger für uns. Aber braucht eine automatisierte Welt nicht umso mehr den menschlichen Geist, seine Intelligenz?

Arthur C. Clarke, Wissenschaftler und Autor des 1968 von Stanley Kubrick verfilmten Buches „Odyssee 2001“, erklärte im Realjahr 2001, dass wir im Jahr 2020 einen Rechner haben werden, der so intelligent sein wird wie sein legendärer Computer HAL, allerdings mit einer massiven Einschränkung. Er wird kein eigenes Bewusstsein haben.[4] (H–A–L sind übrigens die drei Buchstaben, die im Alphabet der Kombination I–B–M vorangehen, was aber eher Zufall als beabsichtigt war. So entstehen Mythen.)

Dass der Weg auch über eine seelenlose Intelligenz gehen könne, hatte der englische Mathematiker Alan Turing bereits 1950 vorgeschlagen und einen entsprechenden Test definiert. Wenn eine Mehrheit etwas für intelligent hält, ist es dies auch – gleichgültig, ob mit oder ohne eigenes Bewusstsein. Es geht also nicht darum, ob etwas intelligent ist, sondern nur darum, ob wir es dafür halten. Ein Taschenspielertrick in den Augen der Kritiker. Aber er erleichtert das Geschäft mit der Künstlichen Intelligenz, weil er zudem die unbequeme Frage nach dem Bewusstsein ausklammert. ChatGPT – ist vor diesem Hintergrund ein Trickbetrüger, kann es aber nicht sein, da es kein Mensch ist. Es ist ein Geist aus reiner Software und Daten.

Firmen wie Google oder Facebook sind offensichtlich davon überzeugt, dass der künstlichen Intelligenz die Zukunft gehört. Für lumpige 400 Millionen Dollar erwarb das Suchmaschinenimperium 2014 das Start-up-Unternehmen DeepMind und schnappte es damit Facebook vor der Nase weg. Die Welt der Lernenden Maschinen entstand.

Für Marvin Minsky, dem Vater der Künstlichen Intelligenz am MIT, war diese Lernfähigkeit schon in den 80er Jahren die Voraussetzung dafür, dass eines Tages die Rechner selbst „diese pingelige Arbeit der Programmierung“ übernehmen. Diese Art zu lernen würde nicht darin bestehen, dass die Rechner sich selbst Anwendungen schreiben, sondern sie würden gleichsam Agenten aussenden, die in anderen Systemen nach Lösungen suchen. Und dabei treten die Maschinen in einen intensiven Austausch untereinander. So entstünde eine „Society of Mind“, in der sich die Systeme permanent optimieren. Natürlich ohne menschlichen Eingriff.

In den siebziger Jahren hatte Minsky die Idee der Society of  Mind entwickelt und propagiert. Was in ihr allein zählt, ist das „Wissen über Wissen“, ist also das, von dem wir annehmen, dass es ein Fall für unsere Oligarchen des Netzes sei.[5]

 

         „Mr. Watson – come here – I want to see you.“

                        10. März 1876: Graham Bells erste Worte ins Telefon

...und der Aufstieg der Maschine

„Soft Artificial Intelligence ist plötzlich überall“, eröffnete im November 2014 das US-Magazin Vanity Fair einen Grundsatz-Artikel über das Thema. Der Autor, Kurt Andersen, beschreibt darin eine Zukunft, in der wir, die Menschen, von Maschinen abgelöst werden, von Maschinen, die intelligenter sind als wir. Wann das geschehen wird, ist unklar – und doch irgendwie zeitlich umrissen: in den nächsten 20 bis 100 Jahren. Dabei ist nicht nur entscheidend, wann Maschinen intelligenter sind als wir, sondern auch der Zeitpunkt, von dem aus sich die Künstliche Intelligenz ohne unser Zutun selbst verbessern kann.

Offenbar stehen wir kurz davor.

Dieser einzigartige Augenblick in der Geschichte wird „Singularity“ genannt. Nachdem wir diesen Punkt erreicht hätten, wäre die Entwicklung derart rasant, dass wir im 21. Jahrhundert so viel an Fortschritt erzielen würden wie bislang in 20.000 Jahren. So zitiert Andersen eine Aussage des Futuristen Ray Kurzweil, der als der prominenteste Vertreter der Singularity gilt.

„In den nächsten vier Jahrzehnten“ werden „Geräte smarter, fähiger und sachkundiger werden als der Mensch“, erwartet der Amerikaner Aaron Goldberg, der seit den 70er Jahren als Analyst die IT–Branche beobachtet. Nicht nur für ihn ist es denkbar, dass sich der Mensch in Zukunft der Technologie unterwerfen wird – oder von ihr unterworfen wird. Das hatte schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts der geniale amerikanische Mathematiker Johann von Neumann erwartet. Roboter und Elektronengehirn seien für ihn „Vorboten einer neuen Zivilisation (...), dazu berufen, den Menschen auf der Erde abzulösen“, notierte die Journalistin Vera Graaf 1971 in ihrem ausgezeichneten Buch „Homo Futurus“.[6] Minsky stellte sich auch dieser Frage nach der Rivalität von Mensch und Maschine und meinte vor 30 Jahren, dass wir uns irgendwann entscheiden müssten, ob wir aus der Maschine „Wettbewerber machen oder sie als eine von uns betrachten“.[7] Es ist also ein altes Thema, das alle 20–30 Jahre hochgepuscht wird. Aufgeschreckt war im Oktober 2014 Elon Musk, der eigentlich in Sachen Technologie optimistische Gründer von Tesla. Auf einer Tagung am MIT sah er so etwas wie das „Heraufbeschwören eines Dämons“ in der Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz, in der er einen Rivalen des Menschen wittert. Der inuzwischen keider verstorbene Astrophysiker Steve Hawkings mutmaßt, das die volle Ausgestaltung der Artificial Intelligence „das Ende der Menschheit“ bedeuten könne. Dem Wirtschaftsmagazin The Economist war das Thema sogar eine Titelgeschichte wert.[8]

Das ist eine harte Nuss, die wir da zu knacken haben. Über was wir indes reden, wenn wir uns mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, ist vor allem mit der Fähigkeit der Maschine zu lernen. Mehr nicht. Kann es indes sein, dass all diese Propheten diese Fähigkeit verwechseln mit der Fähigkeit zu denken? „Das Prinzip des Lernens ist nicht an das Bewusstsein gebunden“, meinte bereits 1953 der österreichische Computerpionier Heinz Zemanek.[9] Aber möglicherweise läuft es ganz genau darauf hinaus. Die Maschine lernt – und wir liefern das Bewusstsein. Sie bliebe unser Werkzeug, eine Hoffnung, auf die der Science-Fiction-Meister Isaac Asimov setzte. Er, der die Roboter–Gesetze definierte, warnte aber davor zu prognostizieren, was „Computer nicht tun können. Es kann sein, dass man sich höchstwahrscheinlich irrt“.[10] Sie könnten uns Menschen also durchaus jenes kleine, völlig unregulierte Reservat nehmen, dem wir letztlich all unsere Schöpfungen zu verdanken haben: Kreativität, Phantasie und Imagination.

Es kann aber auch sein, dass dieses Reservat einfach nur zerstört wird.

Vielleicht bedient sich eines nicht allzu fernen Tages die Maschine sogar unseres Bewusstseins, wir werden selbst zur Maschine. Ein großes Thema, das für die Labors immer näher rückt Ein großes Thema, das schon den 1974 verstorbenen amerikanischen Computerpionier Vannevar Bush bewegte. Er meinte, dass eines Tages jeder von uns einen Computer in sich tragen würde. Alvin Toffler hingegen befand, dass es die Maschine sei, die uns in sich tragen werde. Er konnte sich jedenfalls 1970 „ein körperloses Gehirn“ vorstellen. „Vielleicht wird es dann möglich, ein menschliches Gehirn an eine Reihe von künstlichen Sensoren, Rezeptoren und anderen Apparaturen anzuschließen und das so entstandene Gewirr aus Drähten und Plastikteilen 'Mensch' zu nennen.“[11]

„Manche wie der Google–Mitbegründer Larry Page erwarten, das Internet werde irgendwann lebendig werden, während andere wie der Wirtschaftshistoriker George Dyson meinen, das sei möglicherweise schon geschehen“, berichtete uns der Internet-Guru Jaron Lanier 2010 in seinem Buch „Gadget. Warum die Zukunft uns noch braucht“[12]

Nun gut. Vielleicht werden wir am Ende sogar unser eigenes Bewusstsein ganz einfach fallen lassen.

Guten Morgen, Mensch. Ein neuer Tag beginnt.