Samstag, 14. September 2019

Nobel: Der Körber-Preis ging in die Nachbarstadt

Den mit einer Million Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2019 erhielt gestern der deutsche Physiker, Mathematiker und Informatiker Bernhard Schölkopf. Er hat mathematische Verfahren entwickelt, die maßgeblich dazu beitrugen, der Künstlichen Intelligenz (KI) zu ihren jüngsten Höhenflügen zu verhelfen. Marvin Minsky hätte seine helle Freude an ihm! Weltweites Renommee erlangte Schölkopf mit sogenannten Support-Vektor-Maschinen (SVM). Dies sind keine Maschinen im klassischen Sinne, sondern raffinierte Algorithmen, mit denen Computer hochkomplizierte KI-Berechnungen schnell und präzise erledigen können.

Montag, 9. September 2019

No Nobelpreis für Informatiker


1980: »Ich sehe überhaupt nicht ein, warum ich mich mit den Auswirkungen meiner Forschungsergebnisse auseinandersetzen muss. Die Nobelpreise bekommen sowieso nicht die Computer-Wissenschaftler, die gehen an die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler.«

Marvin Minsky (1927-2016, Vater der Künstlichen Intelligenz, in einem Gespräch

Mittwoch, 4. September 2019

Wenn die Kaffeemaschine schlauer ist als ich...

... kann im Haushalt nix mehr anbrennen. Daran arbeiten die Haushaltsgeräte-Hersteller mit Hochdruck, wie jetzt auf der IFA zu sehen sein wird. Miele zum Beispiel legt beim smarten Zuhause nach. Der Barista Assistant macht mir den perfekten Espresso. Und was noch besser ist: Waschmaschine und Trockner denken mit! Nicht nur bei Miele, sondern auch bei Bosch.

Künstliche Intelligenz zeigt bei Bosch ihr Können ab Herbst erstmals in den Sensor-Backöfen der Serie 8. Diese sagen vorher, wann Kuchen oder Braten fertig sein werden und berücksichtigen dabei die individuelle Zubereitung des Garguts im Backofen. In Kombination mit Machine Learning eröffnet sich jetzt eine neue Dimension: Der vernetzte Backofen lernt auf Basis einer wachsenden Menge anonymisierter Daten zahlreicher Back- und Bratenvorgänge. Damit liefert er nicht nur optimale Ergebnisse durch Hochleistungs-Sensorik, sondern wird im Laufe der Zeit immer schlauer, wenn es um das exakte Zubereitungsende des individuellen Gargutes geht. Und noch besser ist die "intelligente Wäschepflege", denn dank "Smart Dry" stehen die vernetzten Bosch-Geräte - Waschmaschine und Trockner - in engem Austausch miteinander...

Dann darf nur nicht der Strom ausfallen...

Freitag, 30. August 2019

Der Hass im Netz und woher er kommt

Ist aus dem Internet eine Plattform für Wut und Angst geworden? Wie kommt es zur Hasskommunikation und warum geben wir so viel Privates preis? Eine Soziologin der Uni Würzburg hat sich auf Spurensuche begeben. Als intimisierte Öffentlichkeiten bezeichnet Elke Wagner, Professorin für Spezielle Soziologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, dieses Phänomen. In ihrem neuen Buch „Intimisierte Öffentlichkeiten – Pöbeleien, Shitstorms und Emotionen auf Facebook“ nimmt sie die aktuelle Diskussion über Soziale Medien, Privatheit und Hasskommunikation auf und analysiert diese neu entstandenen Öffentlichkeiten. Sicher lesenswert für manche Kommentatoren. Erschienen im transcript Verlag 2019, 200 Seiten, ISBN: 978-3-8376-4026-7, Kostenpunkt knapp 30 Euro.

Dienstag, 27. August 2019

Ferdinand Piëch: Der Mann, der VW sanierte

Es war bei einer Veranstaltung der kleinen Gesellschaft für Qualität und Produktivität in den frühen neunziger Jahren, da kam ich mit einem Herrn ins Gespräch, der als Assistent Zugang zu den Vorstandssitzungen des VW-Konzerns hatte. Ferdinand Piëch hatte gerade den Vorsitz übernommen und für uns, die Journalisten war dies ein Mensch, der uns überhaupt nicht lag. So fragte ich meinen Gesprächspartner ganz unschuldig, was er denn von dem neuen Superboss hielt. Seine Antwort machte mich sprachlos: "Endlich wird im Vorstand wieder hart gearbeitet", sagte er und war darob froh. Wenn wir nun daran denken, was allein in den letzten 25 Jahren den VW-Konzern an Skandalen durchgeschüttelt hat, dann fragt man sich schon, was ist das eigentlich für eine Firma, die gerne von sich behauptet der größte Automobilproduzent der Welt zu sein. Dass VW überhaupt so weit gekommen ist, hat diese Gesellschaft, die uns mal als Volksaktie verkauft wurde, wohl vor allem ihren ganz normalen Mitarbeitern zu verdanken. Die müssen verdammt gut sein, um mit einem derart skandalumwitterten Management fertig zu werden. Vielleicht auch deshalb, weil sie genau das tun können, was auch dem nun verstorbenen Ferdinand Piëch nachgesagt wird: hart arbeiten und nicht Schummelsoftware für sich arbeiten zu lassen. 

Raimund Vollmer

Samstag, 24. August 2019

Confidential Computing Consortium gegründet

Das jetzt gegründete Confidential Computing Consortium soll es ermöglichen, Daten zu verarbeiten, die verschlüsselt im Speicher liegen. Damit soll die letzte theoretische Lücke geschlossen werden, durch die Daten ungewollt in fremde Hände gelangen können. Gründungsmitglieder des Industriekonsortiums sind Alibaba, Arm, Baidu, Google, IBM, Intel, Microsoft, Red Hat, Swisscom und Tencent. Neben den Herstellern sollen auch Wissenschaftler beteiligt sein; die Linux Foundation koordiniert die Zusammenarbeit.
Als Methode zur sicheren Verarbeitung verschlüsselter Daten dient die Bereitstellung von abgesicherten Umgebungen, Trusted Execution Environments (TEEs), mit Hardware-Unterstützung in den Prozessoren. Das Confidential Computing Consortium startet mit drei freien Projekten, die von den Gründungsmitgliedern beigetragen werden. Von Intel kommt das Software Guard Extensions SDK für Anwendungsentwickler. Microsoft steuert das Open Enclave SDK bei, das plattformübergreifend ist und eine einfache Abstraktion der Enklaven bereitstellt. Von Red Hat kommt Enarx, das die Hardware-Unabhängigkeit der Anwendungen anstrebt.

Dienstag, 20. August 2019

1989: Ein anderes Apollo-Programm

Vor 30 Jahren übernahm Hewlett-Packard für 475 Millionen Dollar den Workstation-Pionier Apollo Computers, der - 1989 gegründet - lange Zeit von Sun diesen jungen Markt dominierte. Raimund Vollmer
Journalyse-Quelle: Diese Anzeige erschien imNovember 1988 in der CZ

Montag, 12. August 2019

IBM verliert weiter an Wert (und Renommee)

Die Marktkapitalisation der 100 größten Aktiengesellschaften der Welt ist innerhalb eines Jahres um 1,04 Billionen Dollar (5 Prozent) auf insgesamt 21 Bio. Dollar gestiegen. So lautet eines der Kernergebnisse des aktuellen „Global Top 100“-Ranking von PricewaterhouseCoopers. Das Ranking analysiert die 100 weltweit führenden Unternehmen nach Marktkapitalisierung. Die Analyse umfasst den Zeitraum vom 31. März 2018 bis zum 31. März 2019 und vergleicht die Veränderungen in den vergangenen zehn Jahren sowie Regionen und Branchen. Demnach hat Microsoft (Marktwert 905 Mrd. Dollar) Apple (896 Mrd. Dollar) als wertvollstes Unternehmen abgelöst – und die Google-Mutter Alphabet verlor den dritten Platz auf dem Treppchen an Amazon. Alles prominente Namen der IT-Branche. Auch der einstmals "Big Blue" titulierte Konzern IBM taucht in dem Ranking auf, allerdings nur noch unter ferner liefen auf Platz 67 mit Marktkapitalisierung 126 Mrd. Dollar. Das sind 11 Plätze und 15 Mrd. Dollar schlechter als noch 2018. Damit liegt IBM nur noch knapp vor absoluten Newcomern im Ranking wie Salesforce.com – und nur noch 27 Mrd. Dollar vor dem Rausflug aus dem Ranking. 

Sonntag, 11. August 2019

Der gelbe Software-Riese schrumpft weiter

Symantec war einmal eine Marke in der IT-Branche – und segelte als Hersteller von Sicherheitssoftware lange auf Erfolgskurs. Man denke nur daran, was Norton einmal für ein tolles Produkt war. Doch: The times they are a changing. Das gilt auch für Symantec; für den US-Hersteller liefen die Geschäfte zuletzt alles andere als rund – und die Topmanager gingen reihenweise von Bord. 2016 wurde Veritas wieder verkauft, der 2004 übernommene Hersteller von Speichermanagement-Software. Und jetzt geht die rund 2,5 Mrd. Dollar Jahresumsatz starke Enterprise-Sparte wohl an den Chip-Hersteller Broadcom, der die Übernahme im Wert von 10,7 Mrd. Dollar bar bezahlt.
Symantec, 2013 einmal knapp 7 Mrd. Dollar Umsatz stark, hatte zuletzt mit Umsatzrückgängen und immer wieder auch mit Verlusten zu kämpfen. Broadcom dagegen, ein knapp 21 Mrd. Dollar Jahresumsatz starker Spin-off der Halbleiter-Sparte von HP, hat nach den gescheiterten Expansionsplänen in der Chip-Industrie – Trump untersagte die geplante Übernahme von Qualcomm für 117 Mrd. Dollar wegen "Bedenken für die nationale Sicherheit" – die Strategie gewechselt und will jetzt Infrastruktur-Anbieter für Unternehmen werden. Ende 2018 wurde im Rahmen der neuen Strategie bereits der Mainframer CA Technologies für 19 Mrd. Dollar geschluckt. Sicherheitsbedenken hatte Trump da nicht mehr, denn Broadcom verlegte den Firmensitz zwischenzeitlich kurzerhand von Singapur nach Kalifornien... 😊

Samstag, 3. August 2019

"Cash King" Apple übergibt das Zepter an Alphabet

Was immer das bedeuten mag: Der langjährige "Cash King"Apple hat das Zepter nach zehn Jahren Regentschaft an die Google-Holding Alphabet übergeben, wie die Financial Times berichtet. Der Grund für den Wechsel an der Spitze sei, dass Apple seine Geldreserven in den letzten Quartalen bewusst reduzierte, während Alphabet im selben Zeitraum die liquiden Mittel aufgestockt habe.

Donnerstag, 1. August 2019

Google baut Ad-Blocker für Heavy Ads

Online-Anzeigen können informativ, aber auch nervig sein. So nervig, dass sogar Google manchen Anzeigen Einhalt gebieten will. Die Rede ist von "Heavy Ads", die besonders umfangreich und/oder rechenintensiv sind. Solche Ads soll Googles Browser Chrome künftig automatisch ausblenden. Google-Ingenieur John Delaney arbeitet an dem Projekt und schreibt: "This intervention unloads ads that are in the .1% of bandwidth usage, .1% of CPU usage per minute, and .1% of overall CPU time. The current numbers are 4MB network and 60 seconds CPU, but may be changed as more data is available." Übrigens: Bereits heute verfügt Chrome über einen eingebauten Ad-Blocker, der Anzeigen ausfiltern soll, die nicht im Einklang mit den Better Ads Standards stehen. Aber "Heavy Ads" sind noch krasser!

Freitag, 26. Juli 2019

Der Ad-Blocker - Triumph der Einfallslosen

Es war die schiere Neugier, die mich dazu verleitete, einem Link zu folgen, der mir versprach, etwas Neues über das Verhältnis von KI und Journalismus zu erfahren. Ich clickte, landete Xingderassabum bei der Süddeutschen Zeitung, las zwei Zeilen, die wiederum so verfasst waren, dass sie mir das, was vorher der Linkhinweis versprochen hatte, noch einmal versprach - und dann knallte sich vor meinen Bildschirm die Aufforderung, doch meinen Ad-Blocker auszuschalten. Wie das geht, würde mir auch noch mitgeteilt, wenn ich auf den entsprechenden Link drücke. Aber ich könnte mich auch kostenlos registrieren lassen. Meine Neugier war frustriert. Wenn ich blödsinnige Werbung lesen muss, um dann zu erfahren, dass ich doch nur einer aufgemotzten, inhaltsleeren Meldung (das ist jetzt natürlich eine völlig ungerechtfertigte Unterstellung) aufgesessen bin, dann wird in mir die Ad-Blockade, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie eingeschaltet habe, vollends und sehr bewusst aktiviert. Dümmer geht's nimmer. Womit natürlich ich gemeint bin, nicht die cleveren Marketiers, die sich hinter journalistischer Arbeit arg & listig verstecken.
Es gäbe übrigens eine ganz einfache Lösung, wie alle Verlage ihr Geschäftsmodell attraktiv gestalten könnten. Ganz, ganz simpel. Müsste auch jeder Verleger drauf kommen. Dafür braucht man noch nicht einmal KI. So leben Google & Co. weiterhin  davon, dass unsere Verleger nicht über ihren Ad-Blocker-Schatten springen können.
Raimund Vollmer