Dienstag, 27. März 2012

Der Bug, der BATS alles verpatzt, war nicht systemrelevant...

... meint heute die Neue Züricher Zeitung, und auch die anderen Medien spielen das Freitagsdesaster der elektronischen Handelsplattform herunter. Peinlich ist die durch einen Softwarefehler verursachte Panne nur für den Betreiber selbst, der damit nicht nur sein eigenes Initial Public Offering verpatzte, sondern auch seinen bereits im Namen ausgedrücktes Image beschädigte, gegenüber den traditionellen Börsen eine "Better Alternative" zu sein.
Nichtsdestotrotz liefern sich die elektronischen Handelsplattformen, über die inzwischen die Hälfte aller Wertpapiertransaktionen abgewickelt werden, ein erbittertes Rennen um das Geschäft mit dem High Speed Trading, bei dem Bruchteile von Sekunden über Gewinn und Verlust entscheiden. Eine neue Glasfaserleitung, die die Börsen von London und New York miteinander verbinden soll, bringt sechs Millisekunden Zeitvorteil, ein Anstieg um zehn Prozent. Das reicht aus, um das Investment zu rechtfertigen. Aber nicht nur die Übertragungsgeschwindigkeit zwischen Handelssystemen ist entscheidend, nicht nur die Zykluszeit der Rechner und die Verarbeitungsleistung der Software, sondern auch die Entwicklungszeit für die Anwendungen, die die Deals berechnen und ausführen. Es kann sogar sein, dass sie in dem Wettstreit um die besten Systeme letztlich den Ausschlag geben. Die Software ist systemrelevant. Und der Bug, der BATS alles verpatzte, hat hier einen sehr, sehr deutlichen Hinweis gegeben.

Montag, 26. März 2012

Antitrust: US-Behörde erklärt Preisabsprachen den Krieg...

... und nimmt dabei keine Rücksicht auf die Management-Position der Betroffenen. Dies machte jetzt - mit indirektem Bezug auf Apple und deren Verlagsgefolgschaft - Sharis Pozen, Leiterin der Antitrust-Behörde des amerikanischen Justizministeriums, sehr deutlich. Apple hatte den Verlagen das Angebot gemacht, dass sie den Preis für Ebooks festlegen - und Apple dann für den Vertrieb über ihre Kanäle 30 Prozent "Buchhändlerrabatt" bekommt. Das entspricht etwa dem in Deutschland praktizierten Modell der Buchpreisbindung. In den USA können zwar die Verlage auch den Endpreis festlegen, von dem sie dann die Hälfte des Verkaufserlöses bekommen, doch sind die Händler frei, zu welchem Preis sie dann die Werke tatsächlich an den Endkunden verkaufen. Die Antitrust-Behörde lehnt das von Apple eingeführte Modell rigoros ab.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 26.3.2012: Trust Buster Takes Hard Line As E-Book Probe Continues

Die Geschichte der Computerspiele...


... ist dem Smithsonian Museum in Washington eine eigene Ausstellung wert. "The Art of Video Games" - so der Titel - erhebt das Medium zur Kunst.

Sonntag, 25. März 2012

Zeitungssterben durch i-Pad3, meint Computerworld...

... und behauptet, dass Tablet-Computer mit ihren hochauflösenden Bildschirmen den Lesern mehr Komfort bieten und Vergnügen bereiten als die Papier-Lektüre. Vor allem können die Leser-User im Unterschied zum Desktop (oder auch Laptop) jederzeit und überall mühelos News goutieren, ohne durch irgendwelchen Firlefanz abhelenkt zu werden. In der Analyse wird zudem festgestellt, dass die Verleger bislang noch keine Antwort auf den offenkundigen Verlust ihres Geschäftsmodells gefunden haben.
Für jeden Dollar, den die elektronischen Medien des Internets an Umsatz gewinnen, verlieren die Printmedien zehn Dollar, heißt es in einer Studie.
Journalyse-Quelle: Computerworld, 24.3.2012: The newspaper industry must change, or become yesterday's news

Freitag, 23. März 2012

Facebook: Chefs wollen die Passwörter ihrer Mitarbeiter...

... berichtet Erin Egan, Datenschutzbeauftragter des Social Networks. Die Absicht dahinter ist offensichtlich: Arbeitgeber möchten das Privatleben ihrer Untergebenen ausschnüffeln. Mit dieser ungebührlichen Forderung wenden sich Chefs sogar an Bewerber. Zwar scheint dies nur für die USA zu gelten, aber nichtsdestotrotz zeigt dies, welche Kultur inzwischen in manchen Betrieben zu herrschen scheint. Facebook hat sich nun an die Arbeitgeber gewandt, solche Praktiken zu unterlassen.
Journalyse-Quelle: Computerworld, 23.3.2012: Facebook tells employers not to ask job seekers for log-in info

Facebook kauft 750 Patente von IBM...

... die offensichtlich selbst nicht weiß, was sie mit der Kreativität und dem Erfindungsgeist ihrer Mitarbeiter anfangen soll. Facebook selbst besitzt nur 56 Patente in den USA, wurde kürzlich wegen Patentverletzung von Yahoo angegriffen und braucht wohl diese Patente, um sich gegen weitere Angriffe zu schützen. Wall Street Journal

High-Speed-Trading wird von der SEC überprüft...

... ob die Wertpapierhändler ihren engen und schnellen Kontakt zu computergesteuerten Handelsplattformen nicht wettbewerbswidrig ausnutzen und sich einen unfairen Vorteil verschaffen. Mehr als die Hälfte der Aktien, die an den US-Börsen gehandelt werden, laufen inzwischen über die Hochfrequenz-Händler.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 22.3.2012: SEC Probes Rapid Trading

Donnerstag, 22. März 2012

Megaupload: Werden 28 Petabytes gelöscht?

Nachdem die Behörden das mutmaßlich illegal gespeicherte Material gesichtet haben, möchte nun der Provider, der die Tauschbörse Megaupload mit Speicherplatz versorgte, die auf 28 Petabytes angeschwollenen Datenbestände löschen. Deren Vorhaltung kosten ihn täglich 8.000 Dollar - ohne Aussicht auf Bezahlung. Megaupload hatte 1.103 Server allein in den USA und Kanada geleast, von denen aus 25 Petabytes Filmmaterial gemanagt wurden. Ein einziges Petabyte entspricht der Dauer von 13,3 Jahren HDTV-Sendungen. Megaupload möchte derweil das Material behalten, da es Teil seiner Verteidgung vor Gericht wegen des Vorwurfs der Piraterie sei.
Journalyse-Quelle: Computerworld, 22.3.2012:Will Megaupload's 28 petabytes of data be deleted?

Ist Hewlett-Packard zu groß für diese Welt?

So möchte man mutmaßen nach der Lektüre eines Berichts des Wall Street Journal, das sich auf eine Ansprache von CEO Meg Whitman vor Mitarbeitern bezieht, in der die neue HP-Chefin erklärt, dass "alles auf dem Tisch" sei, also auch das Thema Entlassungen.

Was deutlich wird: Sowohl Hewlett-Packard als auch IBM haben beide massive Mangementprobleme. HP ist zu schnell gewachsen, IBM zu langsam - trotz Aufkäufe, die ja nun beide Firmen in den vergangenen Jahren eifrigst praktziert haben. Im Prinzip scheitern beide daran, dass im Markt der Konsument als die dominierende Macht auftritt. Beide Firmen haben aber letztlich auf den institutionellen Kunden gesetzt, der mit dem schnellen Wechseln in den Moden nicht mehr mitkommt. IBM und HP (wie auch viele andere Anbieter, die es nur nicht wissen) haben noch nicht erkannt, in welche massive Krise die institutionelle IT hineinschliddert. Themen wie Cloud-Computing werden ja nur deshalb auf Messen und Kongressen so gefeiert, weil man in Wahrheit den gigantischen Strukturwandel dahinter fürchtet. Die Macht geht über zu den Konsumenten und damit zu den Unternehmen, die ein entsprechendes Angebot haben. Das ist der epochale Wechsel des 21. Jahrhunderts. Aber unserer Management-Kaste gefällt dies überhaupt nicht, weil es dazu keine Vorbilder und Trainings gibt. Sie weiß einfach nicht, wie und wo sie den Anpassungsaufwand erbringen soll. Vielleicht aber auch glauben diese Manager, dass sie inzwischen so wichtig sei, dass sie diesen Aufwand gar nicht mehr erbringen müssen. Die Mitarbeiter aber, die näher bei sich selbst als Konsument sind, wissen, auf was man achten muss, wenn man sie selbst als Kunde hat. Was zählt, ist letztlich die persönlich erbrachte Dienstleistung, nicht die, die von einem System erbracht wird.
Aber wie wir alle ahnen, werden bei der nächsten Sparwelle genau diese Know-how-Träger entlassen werden.

Unser Rekord: Über 4000 Seitenaufrufe für "IBM - Das eiskalte Projekt"

Offensichtlich ein "Volltreffer" (Kommentar) scheint unsere Analyse vom 2. März 2012 zu den Gerüchten und Dementis über Entlassungen bei der IBM Deutschland zu sein. In der Journalyse rechnet Autor Raimund Vollmer vor allem mit dem Management der IBM in der Post-Gerstner-Ära ab. Siehe auch
HIER.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Suchmaschine Google, zu deren Adressraum ja auch unsere "blogspot"-Adresse gehört, alle möglichen Stories zum Thema "IBM Mitarbeiter" nach oben schiebt, wir aber irgendwo - vielleicht - in den Tiefen des Rankings auftauschen. Auch Suchfunktionen in anderen Kombinationen ignorieren in ihrer Rangordnung unseren Beitrag. Schöne, gefilterte Welt!

Mittwoch, 21. März 2012

Die amerikanischen Werte: Ist Apple das Maß aller Dinge?

Nachdem Mike Daisey überführt wurde und seine als investigativer Journalismus verkauften Enthüllungen über die Arbeitszustände bei Apple-Lieferanten in China nichts anderes als perfekt inszeniertes Theater gewesen war, können sich die Millionen von Kunden ganz beruhigt auf den Erwerb von i-Pads, i-Pods und i-Phones konzentrieren. Es ist alles halb so schlimm. Die Missstände werden beseitigt und der eigentlich blamierte ist Mike Daisey. Der Sender, der Daisey die Öffentlichkeit gab, "This American Life", so erzählt die FAZ heute, "entschuldigte sich eine geschlagene Stunde lang für seine bis dahin erfolgreichste Sendung, eine im Februar ausgestrahlte Show über die Arbeitsbedingungen in einer chinesischen Fabrik des Unternehmens Foxconn..."
Nun, Apple ist das am meisten bewunderte Unternehmen Amerikas, wie dies jüngst das Magazin "Fortune" auslobte. Es ist das wertvollste Unternehmen der Welt. Es ist wahrscheinlich auch inzwischen der umsatzstärkste IT-Konzern auf unserem Globus. Apple steht für Unternehmertum, für Kreativität und Innovationskraft, es steht für den American way of life wie (dereinst) Coca-Cola oder McDonald's, meint die Washington Post. Und der American way ist das Maß aller Dinge - in Fernost ebenso wie in der Alten Welt, in Afrika oder Australien oder in ganz Amerika.
Der Versuch, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Dominanz, die gestalterische und stilistische Präsenz von Apple zu entzaubern, indem man auf die moralische Verwerflichkeit ihres Produktionsverfahrens hinwies, ist zuerst einmal in sich zusammengebrochen. Apple kan weiter von einem Rekord zum anderen eilen.
IBM ging es vor 30 Jahren nicht anders. Zu Beginn der achtziger Jahre war sie das am meisten bewunderte Unternehmen der USA. Ihr Aktienkurs stieg bis 1987, bis zum Crash, ins Unermessliche. Ihre Führungskräfte waren das beste, was Headhunter auf ihrer Liste hatten. IBMer wurden Minister, griffen ein in die Politik eines Landes (siehe Hans-Olaf Henkel, damals Deutschland-Chef). Sie lebte von der wundersamen Vermehrung der Daten auf allen Systemen. Sie schien die Geheimformel des ewigen Erfolgs in der Tasche zu haben.
Wenige Jahre später war die Macht zu Microsoft gewandert und hinterließ mit IBM ein Unternehmen, das sich bis heute von diesem Verlust nicht wirklich erholt hat. Mother Blue ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. IBM verkörperte sicherlich niemals auch nur annähernd den "American way of life", dafür war es nie konsumentennah genug, aber sie stand für gutes Management, für saubere Geschäftspraktiken, war ein Symbol des "good citizen" in jedem Land, in dem IBM als Multi präsent war. IBMs Werte waren universell. Selbst die Regierung in den USA konnte nach 13 Jahren intensiver Untersuchung wegen Wettbewerbsverletzungen nichts Verwerfliches an diesem Unternehmen feststellen.
IBM und Microsoft besaßen zu ihrer Zeit dieselbe Weltgeltung wie jetzt Apple. Sie waren ohne Alternative. Trotzdem verloren sie mit der Zeit ihren ehedem gigantischen Einfluss. Und Apple wird es fortan kaum anders gehen. Ist es fehlende Innovationskraft? Geht dem Management die Puste aus? Sind es die Mitbewerber, die den König vom Thron stoßen? Sicherlich spielt das alles mit, aber entscheidend ist, dass Macht eine Energie ist, die sich ebenso verbraucht wie jede andere. Sie muss die Chance haben, sich zu erneuern - oder aber sie verlangt eine Klugheit, zu der Zeit-Arbeiter, wie sie Manager darstellen, nicht fähig sind: der sorgsame, zurückhaltende Gebrauch von Macht. Wirklich Macht besitzt der, der sie gar nicht anwendet.
Im Aufstieg ist Macht nicht wirklich die Trumpfkarte, erst im Abstieg wird ihr Einsatz notwendig. Bei IBM war dies zum ersten Mal wirklich spürbar, als sie - auf dem Zenit ihres Einflusses - ihre Wettbewerber wegen Patentverletzungen und Diebstahl geistigen Eigentums verklagte. Microsoft setzte mit Brachialgewalt ihren Internet Explorer durch und verteidigte mit allen Mitteln ihre Standards, Apple versucht es nun mit Patentklagen. Sie wird in den nächsten Jahren - 2012/13 werden als die Jahre des Höhepunktes in die Geschichte eingehen - erleben, wie ihre Macht erodiert.

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