Dienstag, 29. Januar 2013

Google-Uhr statt Google-Brille: Am Arm statt auf der Nase...

... werden wir wohl demnächst die neuesten Segnungen aus der Suchmaschinenfabrik tragen. Denn Business Week und andere glauben inzwischen herausgefunden zu haben, dass die aus dem Motorola-Erbe übernommene Smartwatch (kommt einem irgendwie bekannt vor...) zu einem Supersmartgerät ausgebaut werden soll. Implementiert ist bereits Android, das alle möglichen Funktionen wie Sensoren, Radio, GPS und Bluetooth steuert. Und man kann damit acht Gigabyte fett Musik genießen. Über Zusätze teilt uns das Ührlein mit, ob Emails angekommen sind oder weist uns auf den nächsten Termin hin. Kurzum: Nach Meinung des Blattes wäre dies ein hervorragendes Mittel, um in den Endgerätemarkt vorzustoßen - besser als die Google-Lese-Brille, die es ohnehin nur für Entwickler gibt und 1500 Dollar kostet. Das sei zu teuer für uns Verbraucher.
Journalyse-Quelle: Business Week, 28.1.2013: Why It’s Time for a Google Smart Watch

Schnellschuss & Sperrfrist: Regierungsdaten vorab für Hochfrequenzhändler...

... sind ein Thema, das die Aufsichtsbehörden in den USA seit Monaten beschäftigt. Der Verdacht: die Pressehäuser würden die Sperrfristen über Regierungsdaten um Tausendstel-Sekunden unterlaufen, um damit Hochfrequenzhändler zu versorgen. Diese könnten dann ihre Flash-Cash-Geschäfte anstoßen, bevor der Rest der Welt über aktuelle Arbeitslosenzahlen oder über das reale Quartalswachstum informiert werden. Es sind die größten Namen wie Bloomberg oder News Corp., die da ins Gerede gekommen sind - oder sich selbst ins Gerede gebracht haben, weil sie die Behörden auf die Fehler in den Sperrfristen-Regelungen hingewiesen haben. So werden auch keine Strafverfahren eingeleitet, sondern lediglich technische Untersuchungen durchgeführt.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 28.1.2013: Media Firms Probed on Data Release

Schnellimbit & Schnellimbiss: Nachsitzen bei McDonald's...

... ist bestimmt die falsche Auslegung. Aber manchem Schüler in ländlichen Gegenden der USA kommt es so vor, wenn er nur über die Hotspots bei den Schnellimbiss-Ketten schnellen Zugriff aufs Internet bekommt. Und hehlender Zugriff ist inzwischen in den Vereinigten Staaten versetzungsgefährdend. All das könnte man aus einem Bericht des Wall Street Journal herauslesen, in dem aufgeführt wird, wie sehr der ländliche Raum bei der Bereitstellung schneller Datennetze vernachlässigt wird, worunter vor allem Familien mit einem Einkommen von weniger als 30.000 Dollar besonders zu leiden haben.
Zehn Jahre lang jeweils 45 Milliarden Dollar müssten demnach die Vereinigten Staaten ausgeben, um das Gap zwischen Stadt und Land auszugleichen. In der Zwischenzeit versorgt McDonald's die Schüler nicht nur mit dem "Bundessozialgericht" (Süddeutsche Zeitung über den "Hamburger"), sondern auch mit Bits & Bytes.

Montag, 28. Januar 2013

"Amazon ist das schwarze Loch im Handels-Unversum"...

... behauptet der Blog Smarter-Service.com. Demnach werden bald 20 Prozent des Non-Food-Handels online abgewickelt. In den USA habe Amazon bereits einen Marktanteil von 60 Prozent am Online-Handel. Zwei Millionen Händler verkaufen auf dem Marktplatz des Online-Pioniers. Dabei würde sich der Online-Handel über Nischenprodukte in die Mainstreams hineinlavieren. Der Verkauf des Toners führt irgendwann zum Kauf des Druckers. Beim stationären Handel läuft der Weg genau umgekehrt - aber es funktioniert auf Dauer nicht mehr so.

Rück-Click 1983: MACHINE OF THE YEAR

 
Ehe wir es vergessen: Noch war der IBM PC in Europa gar nicht angekündigt, da war in den USA das Gerät, dessen Ende heute überall verkündet wird, bereits zum "Man of the year" erklärt worden. 

IDC: 97 Prozent aller User haben mehr als 2 Geräte...

...behauptet IDC. Und man wagt nicht zu widersprechen, wobei die Zahl der Smartphones inzwischen die der PCs übersteigt. Auch kein Widerspruch. Weniger als 50 Prozent der ans Internet angeschlossenen Geräte laufen unter Windows. Mehr noch: Um die Komplexität herauszunehmen, weren nun PCs und Apps virtualisiert. Dadurch würden die IT-Manager die Kontrolle über die Endgerätewelt zurückgewinnen. 

Zitat des Tages: Apple-Land

»Wäre Apple ein Staat, würde dessen Bruttoinlandsprodukt an 45. Stelle in der Welt liegen - vor Pakistan und Neuseeland.«
»Würde Apple ihre derzeitige durchschnittliche Wachstumsrate (45 Prozent) weiter durchhalten, würde ihr Umsatz bis 2020 auf drei Billionen Dollar ansteigen - und ihre Position damit zwischen Frankreich und Deutschland festlegen.«
Michael Moritz, Chairman von Sequoia Capital, jener Firma, die Apple 1978 ihre erste Fremdfinanzierung gab. 


Übrigens: Apple hat 137 Milliarden Dollar auf der hohen Kante. Wohin mit dem Geld? (Bitte Kontonummer angeben.)
Journalyse-Quelle: Financial Times, 28.1.2013: Amid the pandemonium, some perspective on Apple 

"Vom Ende des Geldbeutels"...

... titelte heute die FAZ in ihrem Wirschaftsteil, in dem sie Rene Schuster, Vorstandschef der Telefonica Deutschland zitiert:
»Brieftasche und Geldbeutel kennen Kinder bald nur noch aus den Geschichtsbüchern. (..) Das mobile Bezahlen mit dem Smartphone ist in Deutschland angekommen. (..) Das Smartphone wird immer mehr zur Fernbedienung unseres Lebens.«
So haben die Marktforscher von Gartner ausgerechnet, dass die elektronische Bezahlung über Mobilgeräte in 2012 um 62 Prozent auf 171,5 Milliarden Dollar gestiegen sei. Rund 212,2 Millionen Benutzer würden diesen Service bereits nutzen. Hoffnungsträger ist dabei auf Dauer vor allem die Near Field Communication (NFC). Doch selbst nächstes Jahr, 2014, würden erst zwei Prozent der Nutzer auf der Welt in der Lage oder willens sein, diesen Service zu nutzen.
Journalyse-Quelle: FAZ, 28.1.2013: "Vom Ende des Geldbeutels"

Die Gegenwart von Big Data

»Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Gartner werden rund um die Welt allein in diesem Jahr umgerechnet 25,5 Milliarden Euro in Big Data investiert.«
FAZ, 28.1.2013: "Den Daten ein Gesicht geben"

Die Herkunft von Big Data: Ein uralter Traum



Von Raimund Vollmer
Als 1890 der Ahnherr aller Mainframes, die Lochkartenmaschinen des Herman Hollerith, zum ersten Mal bei einer Volkszählung im Großeinsatz war, meldete der Superintendent des Census, Robert Porter nach dem Studium der Ergebnisse, dass nun auch der Westen der USA so dicht besiedelt sei, dass von einer Grenzlinie nicht mehr gesprochen werden könne. Für den Historiker Frederick Jackson Turner war dies ein Schock. Ohne eine New Frontier würde jetzt, hundert Jahre nach der Verabschiedung der amerikanischen Verfassung, der Pioniergeist der Pilgerväter untergehen. Doch justament hatten die USA ein völlig neues Grenzland betreten: die Welt der Computer. Deswegen und weniger wegen der Resultate sollte die Volkszählung von 1890 in die Geschichte eingehen. Heute ist die Zukunft der gesamten Welt von der Weiterentwicklung dieser Technolo­gie abhängig. Sie ist derart allgegenwärtig, dass niemand mehr wirklich weiß, wie viele Computer und elektronische Mobil-Geräte eigentlich die Erde bevölkern und auf die Netze zugreifen...

Mit dem Aufmarsch der ersten Computer Ende des 19. Jahrhunderts wurde überall nach bislang nicht gelösten Aufgaben gesucht - und eines der ergiebigsten Felder schien die Planung zu sein. Endlich schien sich die Wirtschaft einen Traum erfüllen zu können, der bislang immer an der Leistungsfähigkeit der Technik gescheitert war. Aber es waren nicht nur die Unternehmen, die frohlockten, sondern vor allem der größte Abnehmer von Computerleistung: der Staat. Er glaubte darin ein Instrument gefunden zu haben, mit dem er alles steuern konnte - vor allem den Markt. Ihn in den Griff zu bekommen, ist ein Wunsch, der älter ist als die Industriegesellschaft. Schon im 18. Jahrhundert hatten Sozialphilosophen an Modellen gewerkelt, mit denen sich die Ereignisse in der Welt in Zahlen ausdrücken und gestalten ließen.

Den ersten Durchbruch brachte Wassily Leontief, ein aus Petersburg stammender Mathematiker. Er war 1931 nach Studienjahren in Deutschland in die USA ausgewandert. Noch fehlten ihm die Computer, wie wir sie heute kennen. Doch er legte 1941 ein sensationelles Werk vor, das wie geschaffen war für die Welt der Informationstechnologien. Der Titel: »The Structure of American Economy 1919‑1939«. Erstmals war es in diesem Opus gelungen, die Beziehungen innerhalb der amerikanischen Volkswirtschaft in Form einer Matrix darzustellen. 
Nun konnte man genau sehen, wie der Wirtschaftskreislauf funktionierte ‑ gleichsam auf einem Spreadsheet.[1] Dieses Werk machte ihn weltberühmt und war einer der Gründe, daß er 1973 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt. Aber eine Frage blieb: wie stabil war diese Wirtschaft? Denn in der Zeit zwischen 1919 und 1939 lagen mächtige Marktereignisse wie der Börsenkrach und die Große Depression.
Als dann 1959 die amerikanischen Ökonomen I. und F.L. Adelman eine brisante Studie unter dem unscheinbaren Titel »The dynamic properties of the Klein‑Goldberger Model« vorstellten, schien auch diese Frage beantwortet. Auf der Basis von statistischem Materialien hatten die beiden Forscher festgestellt, daß das Wirtschaftssystem in sich stabil sei. Konjunkturzyklen seien auf reine Zufallsschwankungen zurückzuführen.[2] Endlich hatte man einen Beleg dafür, daß man nur einen Computer brauchte, ihn mit allen verfügbaren Daten fütterte ‑ und schon war Wirtschaft nur noch ein Rechenexempel. Den Zufall brauchte man nicht weiter zu berücksichtigen. Leontiefs These konnte umgesetzt werden: »Die Ökonomie ist ein gigantischer Computer, der die numerische Lösung einer großen Anzahl von Preisgleichungen durch schrittweisen Vergleich errechnet.«

Wie aber bekam man die Daten in den Computer? Ganz einfach. Der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Joseph A. Schumpeter hatte bereits 1918 festgestellt, daß »alles, was sich ereignet, sich im fiskalischen Bereich widerspiegelt.« In der Gestalt von Zahlen, der Urinformation des Bits.
Alle Wirt­schafts­sub­jek­te, die Bürger und Unternehmen, die Banken und die Behörden, lieferten mit ihren Steuererklärungen, Bilanzen und Haushaltsplänen die notwendigen Daten. Der Staat hockte längst auf einem riesigen Zahlenberg.[3] Man brauchte eigentlich nur genügend Rechenkapazität. Und so wurde die Datenverarbeitung in den sechziger und vor allem in den siebziger Jahren von Staat und Wirtschaft als eine Schlüsselindustrie entdeckt, die man nach Kräften zu unterstützen hatte.

So war der Staat bereits in den dreißiger Jahren der größte Kunde der IBM geworden - und er lockte mit weiteren Aufgaben nicht nur auf Bun­des­ebe­ne, sondern auch in den Kommunen. 
1960 hatten Wis­sen­schaft­­ler dem damaligen IBM-Chef Thomas J. Watson Jr. ein Vorschlag unterbreitet, der ein gewaltiges Simulationsprogramm für die detailgenaue Gestaltung von Städten zum Gegenstand hatte.[4] »Die innerstädtische und regionale Verkehr stellt eine der auffälligsten, aber nicht die bedeutsamste Planungslücke dar. Die schmerzlichen Folgen der fälschlichen Annahme, der Markt regle alles von selbst, sind auf dem Gebiet des Wohnungswesens in den Städten und Vororten sowie in der Grundstückerschließung für gewerbliche und andere Zwecke zu sehen«, schrieb 1968 Galbraith. [5] Wo der Markt nicht funktionierte, mussten Planung und Simulation her. Mit deren Hilfe ließe sich sogar trefflich gegen den Markt argumentieren. Das beste Beispiel dafür lieferte 1971 Bericht des Club of Rome über »Die Grenzen des Wachstums«, der auf Prognosemodellen basierte, die allesamt aus dem Computer kamen.
(Auf der Basis eines 1998 verfassten Artikels, geringfügig verändert)

[1] Die Zeit, 5.11.1993, Petra Pinzler: »Die ganze Wirtschaft auf einem Tableau«, danach zitiert
[2] Anton Rauscher (Hrsg), Köln 1973, Kapitalismus‑Kritik im Widerstreit, hier: Werner Meißner: »Inhalt und Tendenz der Kritik am `Spätkapitalismus'«, danach zitiert
[3] Joseph A. Schumpeter, Graz 1918: »Die Krise des Sozialstaates«
[4] William H. Rodgers, Hamburg 1971: »Die IBM Saga«, Seite 420
[5] John Kenneth Galbraith, München-Zürich 1968: »Die moderne Industriegesellschaft«, Seite 399

Sonntag, 27. Januar 2013

FBI jagt Dr. No von Stuxnet wegen Verrat an Journalisten...

... meldet die Washington Post. Israel und die USA hatten den Virus gemeinsam entwickelt, mit dem das militärische Nuklearprogramm des Irans sabotiert werden sollte (was wohl auch gelang). Doch offensichtllich hatten Offizielle beim Geheimdienst gegenüber Journalisten geplaudert und die Aktion, die intern unter dem Codename Olympic Games lief, verraten. Nun werden die Emails der Beteiligten und Informierten ohne Rücksicht auf Rang und Namen durchforstet.
Journalyse-Quelle: Washington Post, 26.1.2013: FBI is increasing pressure on suspects in Stuxnet inquiry


Anonymous: US-Website lahmgelegt...

... weil die Hacktivisten unzufrieden sind mit der Art und Weise, in der die US-Regierung ihre Empfehlungen bei der Urteilsfindung der Bundesgerichte kundtut. Sie besetzten gestern die Website der U.S. Sentencing Commission. Der Grund war vor allem der Selbstmord von Aaraon Swartz, der nach Meinung der Anonymous-Hacker regelrecht in ein Verfahren, "in ein Spiel getrieben wurde, das er niemals gewinnen konnte - eine völlig verdrehte und verzerrte Perversion der Justiz - ein Spiel, in dem der einzige Zug, um zu gewinnen, darin bestand, nicht mitzuspielen", also aus dem Leben zu scheiden." Nach weiteren Informationen sollen die Hacktivisten über Material verfügen, das aufzeigt, wie die Justiz in den USA funktioniert - und das, wenn veröffentlicht, einen gewaltigen Skandal auslösen könnte.
Kommentar. Die Website ist inzwischen wiederhergestellt, aber keineswegs das Gerechtigkeitsempfinden in weiten Teilen der Internet-Gemeinde. Und das Leben von Aaron Swartz ist für immer zu Ende.
Journalyse-Quelle: Computerworld, 26.1.2013: Anonymous hits US government site, threatens release of secrets