Donnerstag, 4. Dezember 2008

Überraschung - CIOs next Topmodel: Ein neuer Job

Alan Cane, Edelfeder der britischen Financial Times im Bereich HighTech, staunte nicht schlecht, als er erfuhr, was CIOs tatsächlich bewegt. Nicht Budgetkürzungen, nicht Zauberworte wie Cloud Computing oder Virtualisierung, sondern die Suche nach einem Job treibt die IT-Chefs um. Dies ergab jedenfalls eine Umfrage des Headhunters Harvey Nash im Auftrag der Managementberatung PA Consulting. Zwar war nur im Vereinigten Königreich recherchiert worden, doch für den Journalisten Cane ist klar, dass diese Zahlen auch die Einstellung der IT-Manager auf dem Kontinent und in den USA reflektieren.
- 72 Prozent der CIOs haben an, dass sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung seien und sich über den Anruf eines Headhunters freuen würden.
- 21 Prozent erklärten, dass sie neuerdings einen scharfen Blick auf den Stellenmarkt werfen würden.
- 7 Prozent der Bosse über die IT-Strukturen eines Unternehmens sind tatsächlich zufrieden mit ihrem Job.
Offensichtlich werden die Chefs derart eingezwängt von den massiven Sparmaßnahmen, mit denen sie von ihren Chefs, den Chief Financial Officers, konfrontiert werden, dass sie jede Lust am Job verloren haben. Daran ändert auch nichts die prinzipiell sehr gute Bezahlung. Was IT-Chefs wollen: nicht nur den Betrieb am Laufen halten, sondern auch etwas Neues wagen.
Da braut sich offensichtlich ein Innovationsstau zusammen, der wiederum hoffen lässt: Die Erfahrung zeigt: Neuerungen lassen sich ganz einfach nicht dauerhaft unterdrücken. Am Ende tauchen sie auf - möglicherweise in einem ganz anderen Unternehmen. Wie die CIOs.
Journalyse-Quelle: Financial Times (UK), 3.12.2008

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Werbung übers Handy: 4,5 Milliarden Anzeigen

Je besser unsere Mobilgeräte werden, desto leichter werden sie Opfer der Werbung. Auch wenn niemand weiß, wieviele Botschaften weltweit durch die Luft in Richtung Handy gesendet werden, die Mobil-Agentur AdMob behauptet, in den letzten zwölf Monaten rund 4,5 Milliarden Anzeigen gesendet zu haben.
Journalyse-Quelle: The Economist, 29.11.2008

Wer trägt das Wissen der Welt?

Alsam 21. November 2008 die neue elektronische Bibliothek der Europäischen Union, Europeana, mit zwei Millionen digitalisierten Werken ans Netz ging, brach die Website unter der Last der Zugriffe zusammen. Ausgelegt auf fünf Millionen Zugriffe pro Stunde, waren es am Eröffnungstag das Doppelt- und Dreifache. Die Site musste schließen. Botho Strauß, der Schriftssteller hat recht: "Die Vergangenheit ist die Zukunft." Nichts scheint im Internet so attraktiv zu sein wie der Zugriff auf das ewige Wissen der Welt. Schion seit der Jahrhundertwende machen sich Auguren darüber Gedanken, wer denn all das Wissen und all die Gedanken festhält, die im sich ständig ändernden Internet selbst stecken.
Die Welt der Bücher ins Netz zu stellen - natürlich im Einklang mit Google und den Urheberrechten - ist demgegenüber relativ einfach und übersehbar. Die Library of Congress, Monument des Wissens, enthält 32 Millionen Bücher. Bei ihren Versuchen, den Inhalt der Websites zu speichern, hat sie bereits soviel digitalen aufgesaugt, dass man damit 55 Millioen Bücher füllen könnte. Und wir befinden uns nicht 2008 des Wissens, sondern im Jahr 20 nach der Erfindung des WorldWideWebs durch Tim Berners-Lee. British Library berichtet, dass sie gar nicht weiß, nach welchen Kriterien sie all die Daten, Medien ordnen und katalogisieren soll, die im Web entstehen.
Da tut sich uns allen ein riesiges Feld auf. Das Gefühl, dass wir mit dem Internet einen neuen digitalen Kontinent schaffen und zugleich erobern, dieses Gefühl, das wir nach dem Zusammenbruch der New Economy verloren zu haben schienen, ist plötzlich wieder da. Das gilt besonders dann, wenn man heute auf diesen Link
http://www.europeana.eu/
clickt und auf eine Site stößt, die sich wie ein Eiserner Vorhang vor diesen digitalen Kontinent schiebt. Mitte Dezember - also nicht mehr lang - dann wird sich dieser Vorhang heben. Aber hat ihn dann auch jemand festgehalten? Für zukünftige Auskundschafter unserer digitalen Vergangenheit?

Dienstag, 2. Dezember 2008

Breitband für alle: Das erste Fünftel ist geschafft

Exakt 21,7 Prozent der EU-Bevölkerung ist über Breitband an das Internet angeschlossen. 107 Millionen derartige Anschlüsse wurden Mitte 2008 gezählt. 2007 hatten erst 18,2 Prozent der Bürger in der Europäischen Union das Breitband-Vergnügen. Umgerechnet auf die Haushalte haben jetzt 40 Prozent einen schnellen Zugang zum Internet. Das Ziel der EU ist die 50 Prozent-Marke. "Marktführer"sind gerechnet an der Bevölkerungszahl die Dänen, von denen inzwischen 35 Prozent oder 66 Prozent der Haushalte mit der großen weiten Welt des WWW eine Express-Leitung besitzen.
in Deutschland liegt der Anteil bei 26,6 Prozent der Bevölkerung, einem Anstieg um 5,1 Prozenten. Die Amerikaner mit ihren Bevölkerungsanteil von 25 Prozent werden damit nicht nur von den Deutschen übetroffen, sondern von insgesamt neuen Ländern in Europa. Deutschland hat unter den 27 Ländern der EU den Platz 8 erreicht, noch vor Frankreich.
Journalyse-Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.12.2008

Montag, 1. Dezember 2008

Click zurück nach vorn: Wissen und Gehirn

1996: »Die Menschheit hat bis jetzt 1015 Bits an Informationen gespeichert. Bis zum Jahr 2000 wird sich die Menge etwa verdoppeln. Dabei gilt für die Info-Sintflut folgendes: Etwa drei Fünftel sind Unsinn und „vermischter Unsinn“, den ich „Trübkunde“ nenne, ein Fünftel ist zwar sinnvoll, aber vergängliche Info, und kaum ein Fünftel besteht aus ernsten Denkfrüchten. Dieses vorhandene Gemisch wird das Internet noch verwässern, Wichtiges weiter mit Unwichtigem vermischen. Dabei ist zu vermerken, daß der Homo sapiens von heute über dasselbe „Durchlass“- und Infoverkraftungsvermögen verfügt wie der Homo primi genii und/oder der Homo neanderthalensis vor 70.000 Jahren.« Stanislaw Lem, polnischer Schriftsteller

Freitag, 28. November 2008

Die Rettung der US-Wirtschaft: 8.500.000.000.000 Dollar

Mit einem Volumen von 8,5 Billionen Dollar brutto versucht die US-Regierung den Niedergang der amerikanischen Wirtschaft zu stoppen und wieder nach oben zu bringen. Diese Summe, die Finanzhilfen für Banken und Unternehmen umfasst, entspricht mehr als der Hälfte des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes (BIP). So berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg, die diese Zahlen zusammenstellte.
Journalyse-Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2008

Donnerstag, 27. November 2008

Internet schlägt Fernsehen: 17 Millionen Konsumenten informieren sich im Netz

Der digitale Entscheidungsindex, den die Marktforschung Harris Interactive ermittelt, bestätigt, was die meisten Internetbenutzer schon lange vermuten: Das Internet hat dem Fernsehen bei der Kaufentscheidungsfindung der Rang abgelaufen. Mit einem Anzedil von 40 Prozent lässt das Web das Fernsehen (22 Prozent), die Zeitungen (14 Prozent), Radio (13 Prozent) und Magazine (11 Prozent) deutlich hinter sich. Das Allensbacher Meinungsforschungsinstitut hat herausgefunden, dass in Deutschland 17 Millionen Konsumenten Kommentare und Tipps aus dem Internet und seinen Foren bei der Entscheidungsfindung berücksichtigen. Mehr als die Hälfte gibt dabei an, dass negative Einschätzungen anderer Internet-Nutzer sie davon abgehalten hat, ein bestimmtes Produkt zu erwerben.
Journalyse-Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2008

Mittwoch, 26. November 2008

Günter Sandscheper ist tot

Günter Sandscheper war bis in die achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts einer der renommiertesten Computerjournalisten in Deutschland. Ein kluger, hochgebildeter Mensch, voller Temperament, dessen Interessen und Blick weit über Bits und Bytes hinausgingen. Er leitete als Chefredakteur und Herausgeber die Fachzeitschrift "Online" des Rudolf-Müller-Verlages in Köln. 1987 wurde er Mitgesellschafter dieses Verlages. Die Zeitschrift "Online" wurde ausgerechnet in dem Augenblick eingestellt, als dieser Begriff durch das Internet zu neuer Bedeutung heranwuchs.

Drittes Quartal 2008: 309 Millionen Handys verkauft

Nur noch im einstelligen Prozent-Bereich wächst im kommenden Jahr der Markt für Handys, meinen die Marktforscher der Gartner Group. Von den 309 Millionen Handys, die im dritten Quartal 2008 verkauft wurden und die einem Plus von sechs Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres entsprechen, wurden 43,5 Millionen in Europa abgesetzt. Das war ein Minus von 7,8 Prozent. Die USA, die 47 Millionen Handys vornehmlich der neuesten Generation abnahmen, hingegen erlebten ein Wachstum um 4,5 Prozent.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 26.11.2008

Dienstag, 25. November 2008

Download: Was eine DVD an Bandbreite verbraucht

Wer den Inhalt einer DVD über das Internet herunterladen will, verlangt eine Leistung, die der von 16 Millionen Clicks auf Webseiten entspricht oder der Größenordnung von 400.000 durchschnittlichen Emails oder dem Umfang von 2000 iTunes-Songs. Und will man gar das Fassungsvermögen einer Blue-Ray-Disk downloaden, so ist man bei 100 Millionen Web-Clicks, 2,5 Millionen Emails und mehr als 12.000 iTunes-Songs.
Journalyse-Quelle: Financial Times (UK), 18.6.2008

IT als Stromfresser: Second Life ist billiger als die Wirklichkeit

Philipe Rosedale ist der erste Mann hinter Second Life, gegründet vor fünf Jahren, 2003. Jeden Tag verdienen 55.000 Menschen rund eine Million Dollar in dieser virtuellen Parallelwelt. Was aber kostet es, eine solche Welt, in der es alles gibt, was wir auch in unserer wirklichen Wirklichkeit kennen, zu betreiben? Zum Beispiel Energielosten. Rosedale antwortet darauf: "Mit meinem Physikwissen als Hintergrund kann ich Ihnen sagen, dass im voll aufgedrehtem Zustand SecondLife nicht mehr Energie brauch als ein Megawatt je 60.000 Einwohner. Das ist recht wnig im Vergleich zu dem permanenten Stromverbrauch einer Stadt mit 60.000 Einwohnern." Und rechnet man hinein, wieviele Flugreisen durch die Wirklichkeit virtuelle Voyager sich ersparen könnten, dann müssten Second Life und andere Social Networks den Nobelpreis für Umweltschutz bekommen, wenn es diesen denn gäbe...
Journalyse-Quelle: Financial Times, 18.6.2008

Montag, 24. November 2008

Die Realwirtschaft ist eine Sofortwirtschaft

Kaum war Barack Obama als Präsident der Vereinigten Staaten gewählt, da schnellte innerhalb der ersten Stunde nach Bekanntgabe des Ergebnisses die Zahl der Textbotschaften im Netz von AT&T um 44 Prozent nach oben - ein Rekord.
Kaum hatte die Kaffeehauskette Starbucks verkündet, dass sie 600 Läden schließen und 1.000 Mitarbeiter entlassen werde, sank der Nettogewinn um 97 Prozent.
Um 49 Prozent stiegen innerhalb einer Woche in den USA die privaten Waffenkäufe. Der Grund: Mit der Wahl Obamas werde der private Erwerb von Schusswaffen verboten.
Drei Beispiele - entnommen der jüngsten Ausgabe des amerikanischen Nachrichtenmagazins Time. Sie zeigen, wie auch die vielen in Windeseile geschnürten Rettungspakete, dass heute die gesamte Wirtschaft auf Neuigkeiten sofort reagiert, sofort Konsequenzen zieht, sofort vollstreckt. Ein Jahr lang schwelte die Finanzkrise vor sich hin, dann brach sie mit dem staatlich nicht verhinderten Untergang des Hauses Lehman am 15. September durch in die Realwirtschaft, wo sie nun ihre eigene Dynamik entfaltet. Kurzarbeit hier, lange Weihnachten dort, Rohstoffpreise im Absturz, Zinsen im freien Fall - willkommen in der Instant-Economy, in der Wirtschaft, die direkt vollstreckt - mit Ausnahme der Banken, die immer noch zögern. sich selbst und anderen das Geld zu niedrigeren Konditionen zu leihen. (Ein Beispiel dafür, dass die Finanzwirtschaft bei weitem nicht so dynamisch ist, wie sie sich gerne gibt. Muss denn noch jemand Konkurs anmelden, bevor sie endlich begreift?)
Zurück in die Realwirtschaft: Hoffentlich geht sie auch so schnell aus der Krise, wie sie hineingestürzt ist. In den USA schaffte einst Präsident Franklin D. Roosevelt den Turnaround in kurzer Zeit. Keiner profitierte übrigens damals so sehr davon wie IBM, für die der Staat der größte Kunde wurde. Denn die Sozialgesetze waren nur duchführbar mit Hilfe von Tabelliermaschinen.
Am heutigen Montag will ihn, zwei Generationen später, der President-Elect, erneut anstoßen. Auch das wäre eine Herausforderung an die Informationssysteme. Denn so schnell, wie die Wirtschaft die Rezession vollstreckte, so sicher ist auch, dass dies ohne den Einsatz der modernen Inbformnationstechnologien nie möglich gewesen wäre. Das gilt auch jetzt, wenn die Wende kommt. Und sie wird kommen. Beim Crash von 1987 und 2001 konnten die Unternehmen noch von ihrer Lagerhaltung zehren, jetzt sind die Lager ruckzuck leer, man muss kaufen. Es sei denn, man stürzt in die Pleite - wie dies bei den Großen Drei der US-Automobilbranche der Fall sein könnte. Dann allerdings wird sich eine ganz neue Systemfrage stellen: Ist diese Krise der endgültige Abschied von den großen Institutionen des 20. Jahrhunderts, die uns ganz einfach zu gigantisch geraten sind und vielleicht sogar deswegen so lange am Leben blieben, weil Computer ihnen das Leben künstlich verlängerten? Eine Frage nicht nur an die Privatwirtschaft, sondern auch an den Staat. Der Mittelstand und junge Unternehmen, die von Menschen gegründet werden, die ihre Ideen unter den Bedingungen der Giganten nicht verwirklichen konnten, werden den Turnaround bringen. Wie schnell, das ist sicherlich auch stark abhängig von unserer Finanzwirtschaft, von den Banken. "Was ist das erste Bedürfnis eines Unternehmers?" So fragte einst Joseph Schumpeter. Seine Antwort: "Der Kredit." Wenn er ihn allerdings nicht von den Banken bekommt, dann müssen sich diese fragen lassen: "Warum gibt es euch eigentlich?" Dann müsste der Staat das Geld bereitstellen. Der Staat wäre die Bank.
Ist es das, was wir wollen?
Alle Augen richten sich nun auf Obama. Wird er die Kräfte des Marktes wieder entfesseln können? Zum Markt gibt es keine Alternative. Vielleicht ist die Krise schon vorbei, bevor er überhaupt im Januar das Weiße Haus bezogen hat. Man möchte es weniger ihm, sondern uns allen wünschen.
Journalyse-Quelle: Time, 24.11.2008