„Das schwächste Glied einer Kette ist ihr stärkstes. An ihm reißt die Kette.“
Stanislaw Jerzy Lec (1909-1966), polnischer Lyriker und Aphoristiker
„Das schwächste Glied einer Kette ist ihr stärkstes. An ihm reißt die Kette.“
Stanislaw Jerzy Lec (1909-1966), polnischer Lyriker und Aphoristiker
Ein Tagebuch aus vergangenen Zeiten
„Ferner: die Leselust fehle dich nicht dergestalt, dass du deiner nicht mehr mächtig bist, aus der Wirklichkeit heraustrittst und für sie zeitweise verloren bist.“ (Seite 237)
Pater Adolph von Doß
(1825-1886), Jesuit,
gebildeten Jünglingen zur Beherzigung
Theodor Fontane (1819-1998),
deutscher Schriftsteller
Ein Tagebuch aus vergangenen Zeiten
„Scheide aus, was die Kirche zu lesen irgendwie verbietet. Sie meint es gut mit dir; sie hat Gewalt über dich und kann und muss von dir verlangen, dass du ihre Ehre und dein Heil auf das gewissenhafteste wahrest.“ (Seite 237)
Pater Adolph von Doß
(1825-1886), Jesuit,
gebildeten Jünglingen zur Beherzigung
Er wurde 1825 geboren. Er war offenbar ein Lausbub gewesen, dem in seiner Jugend viel verziehen werden musste. 1843 wurde er Jesuit. Elf Jahre später veröffentlichte er ein sehr frommes Buch, „Gedanken und Ratschläge gebildeten Jünglingen zur Beherzigung“. 1886 starb er, der 1855 zum Priester geweiht worden war, in Rom. Seine Name war Adolph von Doß.
Unbekannt? Mir auch. Und ich weiß auch nicht mehr, wie
sein Buch (in seiner neunten Auflage) in meine Hände kam. Ich glaube, ich habe
es aus dem Nachlass eines Gymnasiallehrers bekommen habe, der eine Wohnung
oberhalb derer meiner Großeltern mütterlicherseits gelebt hatte. Es waren
darunter einige Werke, die ich noch heute mit großer Aufmerksamkeit lese. Das
muss etwa 1972 gewesen sein.
Gelächelt und immer wieder schnell beiseitegelegt habe ich dieses Buch, das sich ja eigentlich an mich den „gebildeten Jüngling“, für den ich mich bestimmt hielt, richtete. Warum habe ich gelächelt? Dieser Jesuit, der aus einer Familie stammte, die aus religiösen Gründen aus Schweden nach Deutschland geflohen war (Skandinavien wurde protestantisch), hatte es doch sehr gut gemeint mit uns Jungen? Ich denke, dass ich natürlich den immensen sozialen und kulturellen Wandel spürte, der sich zwischen 1854 und 1974 abgespielt hat. Aber heute trage ich nicht mehr diese Hochnase, sondern staune eher über diese „Gedanken und Ratschläge“, die mir größtenteils fremd vorkommen und doch von einer Ernsthaftigkeit und Festigkeit zeugen, die mir imponiert – auch wenn vieles komplett überholt und völlig altmodisch wirkt.
Ja, man kann darüber lächeln – und ich erwische mich beim
Blättern durch das fast 580 Seiten starke Werk auch immer wiederdabei, wie ich
schmunzele oder den Kopf schüttele. Heute hätten seine Ratschläge nicht einmal
den Hauch einer Chance, eine erste Auflage zu erreichen. Ich würde es mir auch
nie kaufen – trotzdem habe ich es über alle Umzüge und Frühjahrsputzerei
behalten. Und ich nehme es auch mit ins Neue Jahr. Mehr noch: Auszüge daraus,
grob herausgebrochene Zitate, möchte ich in 2026 unter meiner kleinen,
schrulligen Journalyse als Serie veröffentlichen.
Vielleicht geht es Euch wie mir. Es berührt einen irgendwie. In seiner Schrägheit. In seiner Frömmigkeit.
Ansonsten wünsche ich all meinen Freunden und Freundinnen ein Gutes Neues Jahr, an das ich eigentlich nur eine Forderung habe: Es sollte nicht von uns gute Vorsätze verlangen, sondern von sich selbst. Besser als 2025 geht es allemal, oder?
Euer Euch für so viele geistreiche Kommentare dankbarer
Raimund (Vollmer)
Bleibt meiner Journalyse treu!
(Nein, ich werde nicht seltsam. Ich werde nur alt...)
"Adolescens, tibi dico: Surge!"
(Jüngling, ich sage dir, stehe auf!)
Lucas-Evangelium, KapitelVII, 14
Die Serie beginnt am 1. Januar 2026, 00.00 Uhr.
»Der Geist des Menschen
hasset nach seiner Natur
die Veränderung,
erstlich weil er sie außer sich
nur bei großen Schritten und
nie in ihrem ewigen Schleichen
wahrnimmt, und
zweitens weil er sie
in sich weniger merkt, wo er
der unveränderliche Schöpfer
seiner eigenen ist.«
Jean Paul (1673-1825), deutscher Dichter, in
Die wunderbare Gesellschaft in der Neujahrsnacht
„Es gibt Leute, die können alles glauben, was sie wollen; das sind glückliche Geschöpfe.“
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), deutscher Aphoristiker
30. Oktober 1991: „Es ist im Interesse Frankreichs, dass es im Osten Europas eine Zentralgewalt gibt. Wenn es zu einem Zerfall kommt, wenn wir zu dem zurückkehren, was bei Ihnen vor Peter dem Großen war, ist das eine historische Katastrophe, und das widerspricht den Interessen Frankreichs.“
Francois Mitterrand gegenüber Michael Gorbatschow, wobei er wohl an das wiedervereinigte Land dazwischen dachte…
„Wenn die Grenzen des Möglichen, die eigentlich nur in unserem Geist existieren, einmal verschoben wurden, dann ist es sehr schwer, sie wieder aufzurichten.“
Carl Philipp Gottlieb von Clausewitz (1780-1831), preußischer Heeresreformer
„Die Historiker berichten – nicht so sehr, was wirklich geschehen ist, sondern was sie glauben, es sei geschehen.“
Benjamin Franklin (1706-1790), amerikanischer Staatsmann und Erfinder
1836: „Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüte und Frucht. Und dann umstellen wir das Ländchen mit Brennspiegeln, dass es keinen Winter mehr gibt und wir uns im Sommer bis Ischia und Capri hinaufdestillieren…“
Georg Büchner (1813-1837) in dem Lustspiel „Leonce und Lena“