Donnerstag, 12. Juni 2014

Zitat des Tages: IBM und die US-Regierung

Zitat 1: »IBM informiert über den Bau von SoftLayer-Cloud-Rechenzentren für US-Regierungsbehörden nach dem Vorbild von Amazons GovCloud.«
Zitat 2: »IBM ist heute schon in mehreren Bereichen ein wichtiger IT-Dienstleister der US-Regierung.«
Florian Kalenda, ZDNet, am 11. Juni 2014
Kommentar:
Zitat 1: So weit ist es also schon gekommen: IBM braucht bei Rechenzentren ein Vorbild. Wer hätte das je gedacht? Schlimmer noch: Zum Einsatz kommt dabei die Technologie von Softlayer, der Firma, die IBM im Juni 2013 gekauft hat. Schätzungsweise zwei Milliarden Dollar soll die 2005 erworbene US-Gesellschaft gekostet haben.

Zitat 2: So tief ist IBM gesunken. Es gab mal eine Zeit, da war die US-Regierung der mit Abstand größte Kunde (als Folge des New Deals in den dreißiger Jahren). Heute ist sie ein "wichtiger Dienstleister", der irgendwie aus dem Nichts zu kommen scheint und sich ganz neu vorarbeiten muss.



Mittwoch, 11. Juni 2014

Rück-Click 1996: Multimedialer Brief

»Noch vor wenigen Jahren betrieb schon derjenige Multimedia, der während der Tagesschau einen Brief schrieb.«
Andreas Platthaus in der FAZ am 23. Mai 1996

IBM und die Krise: Jetzt traut sich endlich auch mal die "große" Journalje ran...

(Kommentar) ... und bemängelt die Lage bei IBM. Das Handelsblatt wirbt jedenfalls heute in seinem Newsletter für eine große Story über Big Blue. (Man muss dafür 99 Cents zahlen, wenn man sie lesen will). Da wir hier in der Journalyse schon seit langem und oft genug über die Fehlentwicklungen bei IBM geschrieben haben, können Sie sich das Geld sparen. Bemerkenswert ist, dass jetzt, wo sich zum Erstaunen des Handelsblattes Aktionäre und Gewerkschaften zu einer Generalkritik zusammengetan haben, sich auch diese Zeitung zum Investigativ-Journalismus berufen fühlt. Dabei liegen die Anfänge dieser Krise bereits 20 Jahre zurück, und die Fehlentwicklungen wurden zu keinem Zeitpunkt zurückgenommen, sondern immer nur noch verstärkt. Kurzum: Wir haben Respekt vor dem Mut des Handelsblattes.
Kostenlos erhältlich und eindrucksvoll geschrieben ist indes das, was  der Amerikaner Robert X. Cringely im Internet über IBM, die Journalje und Aktionäre (Analysten) beschreibt. Das hätte ebenso gut hier in der Journalyse stehen können. Als Kritiker der IBM fühlte man sich in den vergangenen Jahren sehr, sehr einsam. Wie Bob Cringely. Aber lesen Sie selbst - kostenlos. HIER
Raimund Vollmer

Geht's Apple und Starbucks in Steuersachen nun an den Kragen?

Das mutmaßt jedenfalls das Wall Street Journal mit Blick auf ein Untersuchungsverfahren, das die EU gegen die beiden Multis anstrengen will. Sie würden Steuervorteile der Länder Niederlande, Luxemburg und Irland nutzen, um sich vor dem Fiskus zu drücken. So der bereits mehrfach geäußerte Vorwurf.
Kommentar. Warum untersucht man nicht diese drei Länder?

Freitag, 6. Juni 2014

An alle Game-Boys: Heute vor 30 Jahren wurde Tetris erfunden

Am 6. Juni 1984 erfand der russische Programmierer Alexei Paschitnow die erste Version dieses Spiels erfand - und selbst nie wirklich von diesem Bestseller profitierte, da er es im Dienste seines Staates erfunden hatte. Tetris verhalf nicht nur Nintendo zu Weltruhm, sondern ist auch heute noch auf Handys das meistgespielte Spiel der Welt.

Mittwoch, 4. Juni 2014

Zitat-Zutat: Zerschlagt Amazon!

»Amazon muss durch staatliche Regulierung in seine Bestandteile zerlegt werden, wie man es einst mit den Monopolbanken getan hat.«
Amanda Foreman, Historikerin in der FAZ, über die Praktiken von Amazon, Verlage zu benachteiligen, die sich nicht ihren Geschäftsbedingungen stellen wollen

SAP und die Cloud: Wer überlebt wen?

(Kommentar) Die Kunden würde sehr zögerlich den Schritt in Richtung SAP-Cloud wagen - und schon gar nicht ganz und gar. Die Vertriebsbeauftragten und Agenten, die bislang Paketware verkauften, sind auch nicht so begeistert, weil die Belohnung noch ungleich sei. Für die Entwickler sei es auch etwas anderes, wenn sie nun Software für Clouds statt für Disks erstellen. Und überhaupt: Vielleicht ist die Cloud-Mode längst vorbei, wenn SAP und ihre Kunden endlich die Kurve gekriegt haben...
Gedanken, die heute so oder ähnlich im CIO-Journal des Wall Street Journals zu lesen waren. Zumindest ist dem Edelblatt der Chief Information Officer noch eine eigene Zielgruppe wert. Hierzulande tut man ja schon so, als ob es diesen Typus gar nicht mehr geben würde. Dabei hat der CIO noch gar nicht sein Recht auf Vergessenwerden bei Google und anderen Wolkenkuckucksheimern angemeldet...
Raimund Vollmer

Google versus Amazon: Unterwegs zum Kunden...

... ihrer Kunden sind in den US-Städten San Franzisko, Los Angeles und New York weißblaue Lieferwagen von Google, die bei Einzelhändlern bestellte und über Google recherchierte Ware ausliefern. Damit schaltet sich das Suchmaschinen-Medium mehr und mehr in den Wettkampf zwischen Amazon und stationärem Handel ein, bei dem sich Google offensichtlich auf die Seite ihrer Werbekunden geschlagen hat. Ob wir eines Tages diese Autos auch in Deutschland sehen werden? Nur eine Frage der Zeit und der Bevölkerungsdichte. Doch solche Städte, in denen sich ein derartiger Service lohnt, gibt es in Europa mehr als genug. Und während sich hierzulande Zeitungen wie die FAZ um den Wettbewerb zwischen Amazon und Buchverlagen, zwischen Google und dem Rest der Welt kümmert, setzen die Amerikaner auf den Wettkampf der Giganten gegeneinander. Möglicherweise ist dies erfolgsversprechender als das, was hier bemüht werden soll: die Kartellbehörden und die Gerichte. Übrigens: In dörflicheren Regionen schaltet Google beim Lieferservice Traditionsanbieter ein. So berichtet das Wall Street Journal.

Rück-Click 1995: Global Agenda



»Es scheint unvermeidbar, daß die Veränderungen, die im ersten Jahrhundert des kommenden Milleniums stattfinden, all das als winzig erscheinen lassen, was in den vergangenen 50 Jahren geschah.«
The Global Agenda, Time Magazine, 13. März 1995

Dienstag, 3. Juni 2014

Rückclick 1964: HDTV - vor 50 Jahren gestartet

Von Raimund Vollmer (Story ist um 1996 entstanden)
Die Japaner hatten 1964 eine Vision. Sie träumten von einem Fernseher, der Bilder in Qualität und Format darstellen kann wie die Kinoleinwand. Der Name war High Definition Television (HDTV). Unter dem Schirm des staatlichen Fernsehsenders NHK und unterstützt vom Post und Fernmeldeministerium begannen die japanischen Elektronikfirmen mit der Gemeinschaftsentwickelung. Nachdem sie eine Milliarde Dollar investiert hatten, war die Japan AG 1986 endlich soweit. Das Prestige Objekt sollte den Weltmarkt erobern. Auf einer Tagung des International Radio Consultative Committee in Dubrovnik sollte der HDTV Standard, MUSE genannt, weltweit akzeptiert werden. Die Amerikaner, die in den Jahren zuvor das TV Geschäft an die Japa¬ner so gut wie verloren hatten, sahen eine Chance, wieder ins Geschäft zu kommen. Denn HDTV würde Unmengen an elektronischer Intelligenz verschlingen eine Disziplin, in der sie nach wie vor erstklassig waren. Sie stimmten zu. Doch die Europäer kippten den Deal. Als eine »ultimative Waffe«, mit der einheimische TV Hersteller aus ihrem eigenen Markt geworfen werden sollten, als »einen Blitzkrieg«, der sogar die USA überrennen würde, bezeichnete ein Manager der französischen Firma Thomson das imperiale Ansinnen der Japaner. Überall wurden alsbald Kooperationen geschlossen, nationale und internationale Initiativen auf politischer Ebene vorbereitet, die mit öffentlichen Gelder ausgestattet werden sollten. In den USA sollte die Regierung 1,4 Milliarden Dollar locker machen. Rund 140 Milliarden Dollar - so hatten Experten 1989 ausgerechnet -  würde die Welt in den nächsten 20 Jahren für HDTV Geräte ausgeben. Dieses Geschäft konnte man doch nicht den Japanern überlassen! Die US Regierung zögerte. Ihr war der Aufwand zu hoch. Derweil begannen die Japaner, mit Milliardenaufwand Filmstudios in Hollywood zu kaufen. Sie hofften, letztlich über die Contents ihren Standard durchzusetzen. Im Prinzip spielte sich hier eine gewaltige Materialschlacht ab. Denn die Zeit drängte. Die Japaner hatten bei ihrem HDTV Standard voll auf die Analogtechnik gesetzt. Die Folge war, dass sehr hohe Übertragungsraten für die Ausstrahlung der Programme notwendig waren. Wem es gelingen würde, dieses Quantum durch Kompression und Digitalisierung zu reduzieren, der würde alle Vorteile auf seiner Seite haben es sei denn, der neue Standard hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits durchgesetzt, indem die Konsumenten ihre alten Fernseher durch die HDTV Geräte ersetzt hatten. Weil alle Welt fest davon überzeugt war, dass ei¬ne Digital Lösung erst in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre innoviert werden könnte, wollten die Japaner diese Zeitlücke nutzen. Doch es kam anders. Zwei Tage, bevor die amerikanische Regulierungsbehörde, die Federal Communications Commission (FCC), über das Schicksal der Fernsehnormen der Zukunft entscheiden wollte, überraschte am 6. Juni 1990 die US Firma General Instruments die HDTV Experten damit, daß sie diese Digital Lösung gefunden habe. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Karten in dem Multimilliarden Geschäft neu gemischt. Die USA waren plötzlich die Nummer 1. Alle politischen und geschäftlichen Kalküle wurden über den Haufen geworfen. Die digitale Herrschaft diktierte nun alle Entscheidungen. Nicht mehr die Institutionen bestimmten, sondern die Märkte. Als im Dezember 1996 die FCC darüber entscheiden sollte, welcher Standard die televisionäre Zukunft bestimmen soll, gab die Behörde gleich 18 Formate frei. Es gab keine feste Pfründe mehr. Es war klar: Damit würden die festgefügten Strukturen im TV Markt tief erschüttert. Kein Sender konnte alle 18 Formate unterstützen, kein TV Hersteller kann alle 18 Standards komplett in einem Gerät implementieren. Die Folge würde eine totale Fragmentierung des Geschäftes sein. Was nun? Digitale Diktatur. Die Antwort lieferte Amerikas Schlüsselindustrie: die Computerbranche. Sie besitzt ein hervorragendes Instrument, um die divergierenden Formate wieder zu vereinigen nicht beim Sender, nicht im Netz, sondern im PC. Der Desktop ist schon heute unsere Telefax Maschine, unser E Mail Empfänger und Spielauto¬mat. Er ist auf dem besten Weg, unser Telefon zu werden. Er hat Speicherplatz genug. Seine Leistung verdoppelt sich alle 18 Monate. Seine Software wird jedes Fernseh Format verarbeiten, vor allen kann diese sich über die Netze blitzschnell ausbreiten. Heute haben 48 Prozent der US Haushalte einen PC. Im Jahr 2002 werden es 98 Prozent sein. So wird der PC zum TV. Wenn dies mit einem Aufpreis von nur 100 (statt heute 1000) Dollar möglich wird, dann sollen bereits im Jahr 2002 rund 40 Millionen PCs in den USA den Fernseher ersetzen. Zum selben Zeitpunkt wird es nur eine Million digitale Fernseher geben.
Hat dann Bill Gates 1997 mit dem rund 425 Millionen Dollar teuren Erwerb von WebTV, gegründet 1995, doch aufs falsche Pferd gesetzt? Keineswegs.* Wie immer sich der Markt entscheidet, mit seiner Software ist er allgegenwärtig. Sie liefert den Zusammenhalt, mit dem die alten Institutionen überfordert sind. Microsofts Strategie ist genial. Mit ihren omnipräsenten Tiger Teams greift sie die Wirtschaftswelt an ihrer empfindlichsten Stelle an. Wo immer die Schnittpunkte zwischen einen Unternehmen und seinen Kunden sind, soll ihre Software die Aktionen steuern, kontrollieren - und abrechnen. Das wäre dann die totale digitale Diktatur. Dieses Beispiel belegt zweierlei: Erstens muß man im Zeitalter der digitalen Dominanz jederzeit mit Überraschungen rechnen. Das macht die (hoheitliche) Sanktionierung von Standards äußerst schwierig. Zweitens wandern in einem solchen wettbewerbsintensiven Umfeld die strate-gischen Vorteile weg von denjenigen, die besondere Nähe zur Industriepolitik pflegten, hin zu jenen, die die Optionen im Markt besetzen. Wer die Welt überraschen und die neuen Optionen besetzen will, hat in der Software seine gefährlichsten Waffe.

* Leider doch. Denn im September 2010 wurde WebTV eingestellt, nachdem es vorher nur noch eine Randerscheinung als MSN TV gewesen war. 

Donnerstag, 29. Mai 2014

SAP schmeichelt sich bei Chinesen ein

Windows8 und IBM-Server hat die chinesische Regierung schon verboten – doch der Walldorfer ERP-Riese träumt weiter von zweistelligen Wachstumsraten im Reich der Mitte. CEO Bill McDermott nannte China daher bereits "die zweite Heimat der SAP". Diese Heimat lassen sich die Walldorfer viel Geld kosten; sie wollen dort im Rahmen ihres Ende 2011 angekündigten „China Growth Plans“ bis einschließlich 2015 rund 2 Mrd. Dollar investieren.