Anlass:
Dieses Interview bei T-Online
Ja, ganz am Schluss seines Gesprächs mit dem T-Online-Journalisten
Marc von Lüpke fällt dann doch das Wort, das in seinen geostrategischen
Überlegungen so selten vorkommt, dass man schon den Eindruck hat, dass ihn das
Thema dahinter wenig interessiert: Demokratie.
Der Politologe und Historiker Herfried Münkler (*1951) mag weltpolitische
Szenarien, in denen es um Macht geht, und nur um Macht, um pure Macht, nicht um
deren Legitimation. Kein Wunder: Münkler wurde mit dem Thema Machiavelli groß –
und dem war es egal, ob eine Regierung auf einer Diktatur, einer Oligarchie
oder einer Demokratie basiert. Hauptsache „Macht“.
Münkler sieht sich auf den Kommandohöhen der Zeit und schaut den großen Machthabern
zu, wie sie unter sich die Welt aufteilen. Da ist dann viel Kluges dabei, was
er so erzählt – wie in diesem Interview. Ja, es sind – für einen Historiker –
spannende Themen, voller Faszination,
man kann beobachten und beschreiben, ohne selbst besonders betroffen zu sein
oder sich engagieren zu müssen. Zum Beispiel für Demokratie und Menschenrechte.
Sie spielen in dem Interview keine Rolle, nur das Völkerrecht – und das ist
etwas ganz anderes.
Mich macht das immer wieder traurig, wenn ein so gescheiter
Mann wie Herfried Münkler seine Leser und Zuhörer mit dem Thema Macht
berauscht. „Alle Macht ist unheilbar“, hat der Schriftsteller Reinhold
Schneider mal gesagt. Unter diesem Aspekt wird dann der eigentliche Wahnsinn sichtbar,
der beim Thema Macht immer wieder durchscheint. Und die einzige Möglichkeit,
diesen Wahnsinn unter Kontrolle zu bekommen, ist die Demokratie mit ihrer
Gewaltentrennung.
Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb lohnt sich die
Lektüre dieses Gesprächs.
Raimund Vollmer