Montag, 27. Juli 2015

IBM - die Firma, die nur noch Mitleid erntet...

(Kommentar) ... muss man meinen, wenn man die Kommentare liest, mit denen in der vergangenen Woche der weitere Niedergang des Unternehmens begleitet wurde. "Die letzten 20 Jahre" lautete der Untertitel meines Buches "Blueland", das ich 1997 veröffentlicht habe. Ich gebe zu: Ich habe mit der Zweideutigkeit dieses Satzes gespielt, aber nie geglaubt, dass er mal einen eindeutigen Hinweis auf die Zukunft dieses einstmals so grandiosen Unternehmens geben würde. Ehrlich gesagt: heute bin ich eher sprachlos und fassungslos. Im Prinzip hat diese Firma schon jetzt aufeghört zu existieren. Denn sie steht für nichts mehr in dieser Branche. Selbst die Großrechner besitzen keine Faszination mehr. Vielleicht sollte IBM mit sich selbst das tun, was sie mit ihrem PC-Geschäft getan hat: einfach sich selbst verkaufen. An Google zum Beispiel. Denn dieses Unternehmen entspricht weitaus mehr der Vision, die vor 40 Jahren die sogenannten IBM-Watcher der IBM gaben, als die IBM, wie sie sich heute darstellt. Sie hat nur noch eine Trumpfkarte: Watson. Und in den Händen von Google würde daraus ein SuperWatson, ein Android-Genie.
Raimund Vollmer

Mittwoch, 1. Juli 2015

Warum ich keinen Bock mehr auf Blog habe...

... und nur noch gelegentlich hier schreiben will: aus purer Frustration.
Es war mehr Zufall als Absicht, dass ich vor vierzig Jahren als 23jähriger, frischgebackener Redakteur in diese Branche hineinkam. Nach einer Woche bei der Computer Zeitung wollte ich schon wieder kündigen. Das war absolut nichts für mich. Freunde, die mich kannten, hatten ohnehin nicht verstanden, dass ich dieses Angebot angenommen hatte. Doch ich blieb.
Ich lernte eine Branche kennen, die mir alle Begriffe raubte, die mir hoch und heilig war. Damals, 1975, wurde in der EDV-Branche viel über Philosophie gesprochen. Dass dies nichts, aber auch gar nichts mit Kant oder Nietzsche zu tun hatte, erstaunte und entsetzte mich. Aber ich akzeptierte es. Und ich lernte, dass die Computerleute eine ganz andere Sicht auf die Dinge pflegten als ich. Sie wollten diese Dinge nicht beschreiben, sondern programmieren. Ich fand das (um einen weiteren der ausgehöhlten Begriffe zu benutzer) ziemlich spannend.. Wenn man aber in Dimensionen vorstieg, die keiner unmittelbaren Nützlichkeit oder der Selbstbezüglichkeit der Maschine unterworfen waren, stiegen die Gesprächspartner aus. Komplettes Desinteresse.

Also suchte ich mir eine Story, die sowohl mich als auch die Computerleute interessieren könnte und stieß dabei auf das Thema "IBM". Das Unternehmen, das eine Branche war, faszinierte mich. Das war "spannend". Schlimm wurde es jedoch, als dieses Thema bei Big Blue in die Fänge eines unfähigen Managements geriet. Gut, damit konnte man als Journalist noch fertig werden. Als jedoch in Deutschland Leute, die an die Börse wollten, anfingen, sich "Storys" zusammenzubasteln, die so dürftig waren, dass man sich als Leser geradezu fremdschämte (und dies trotzdem zu schwindelerregenden Bewertungen führte), ahnte ich, dass diese Branche in ihrer sogenannten Führungselite intellektuell komplett abgewirtschaftet hatte. Hier ging es nur noch um Geld. Schlimmer noch: Es herrscht geradezu eine panische Angst davor, etwas zu tun, was nicht in Geld aufgewogen wird. Eigentlich ist dies ein Zeichen für einen gigantischen Minderwertigkeitskomplex.

Geradezu ekelig wurde es, als diese Typen auch noch anfingen, den allerheiligsten aller Begriffe zu missbrauchen, das letzte Refugium von Menschen, die in Geld zwar eine Notwendigkeit, aber keine Glückseligkeit sehen: Dieser Begriff heißt Phantasie.
Dieser Begriff erlebte mit dem Aufstieg des Neuen Marktes eine geradezu inflationäre Bedeutung. Aber das, was uns als Phantasie verkauft wurde, hatte nicht das geringste damit zu tun. Ich habe dann versucht, auf andere Themen auszuweichen - und trotzdem immer wieder versucht zu verstehen, was in der Computerbranche eigentlich passiert. Einen Zugang habe ich nie mehr gefunden. Ich habe mit Kollegen gesprochen und sie gefragt: Warum rebellieren wir nicht gegen diesen geistigen Notstand, den wir in der Führung nicht nur der IBM, sondern in allzuvielen IT-Unternehmen sehen? Meistens gab es nur verlegene Antworten. Sie teilten zwar meine Meinung (glaube ich zwar ihren Worten entnommen zu haben), aber riskieren wollten sie nichts. Die meisten hatten beschlossen, mit den Wölfen zu heulen und zu heucheln.
 Heute stehen wir, die Schreiber, in Deutschland vor dem Nichts. Und dieses Nichts heißt IT. (Man könnte auch sagen IT 0.0)

Raimund Vollmer

Nachtrag: Ich habe in den letzten Monaten versucht, die letzten 40 Jahre in einer "Story" Revue passieren zu lassen und habe dabei Menschen zugehört, die das, was in der von der IT durchdrungenen Welt geschieht, genau beobachtet, vorgedacht oder vorhergesehen haben. Und dabei habe ich festgestellt: Sie waren und sind die letzten Hüter der Phantasie. Und ich habe den Verdacht, dass die IT-Branche und ihre Kunden vor nichts so sehr Angst haben wie genau vor dieser Phantasie. 





Montag, 15. Juni 2015

Rück-Click 1964: Ein Patent braucht sechs Jahre...

... von der Anmeldung bis zu Bearbeitung. Jährlich wurden vor 50 Jahren 61.000 Patente angemeldet, aber nur 42.000 bearbeitet. Dies hatte nach dem Krieg zu einem Bearbeitungsstau von 250.000 Anträgen geführt - oder einer Wartezeit von sechs Jahren.

Montag, 8. Juni 2015

Rück-Click 1974: Was der "Journalyst" mit 22 Jahren schrieb

Ich habe es ja selbst nicht geglaubt, aber ein gewisser R.V. schrieb am 26. Juni 1974 in der Westdeutschen Zeitung unter der Überschrift "Bürger auf Abruf":
"Doch auf lange Sicht wird der Computer die Welt bestimmen und somit die totale Information den Verwaltungen zukommen lassen. Jeder Bürger ist in allen Daten, die sich nach dem jetzigen technologischen Stand in den Computerschlüssel fassen lassen, vom Band abrufbar. Die Verwaltung gewänne gegenüber den Parlamenten einen Informationsvorsprung, der sie durch keine Institution kontrollierbar macht. Somit stünde die parlamentarische Demokratie vor ihrem Scheideweg, wenn sie ihn nicht schon längst passiert hat."
Raimund Vollmer
Wahrscheinlich war das damals gerade "in". Ich war Volontär in Mönchengladbach und hatte einen Beigeordneten namens Buhlmann interviewt. Aus dem Interview hatte ich als dann aber nicht veröffentlichte Erkenntnis mitgenommen, dass man die gesamte Gebietsreform sich hätte sparen können, wenn man nur die Computer zusammengeschaltet hätte. Der Mann war seiner Zeit weit voraus - und außerdem sehr sympathisch.

Mittwoch, 27. Mai 2015

Apple ist wertvollste Marke der Welt -

- aber der Markenwert von 284 Milliarden Dollar kommt nicht an den Börsenwert heran. Von der Spitzenposition verdrängt wurde Google. Dritter ist Microsoft, und an vierter Stelle steht IBM.
Mehr hier.

Rück-Click 1995: Larry Ellisons Orakel...

... verkündet das Ende des PCs. Der Desktop werde genauso verschwinden wie der Mainframe. 

Mit besten Grüßen vom Desktop Ihres Journalysten!!!

Donnerstag, 14. Mai 2015

Rück-Click 1990: Es war das Jahr, in dem IBM erstmals 100 Milliarden Dollar umsetzen wollte...

... und sich diesem Ziel seitdem immer mal von oben, aber am meisten von unten nähert. Warum hilft ihr denn keiner, endlich den Sprung über diese Hürde dauerhaft zu nehmen?

Mittwoch, 13. Mai 2015

Bittel-Bettelkom: "Deutschland verliert den Anschluss"...



(Kommentar) ... lautet heute die Headline in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in der Bitkom-Chef Dieter Kempf unter anderem "den Aufbau einer im globalen Maßstab leistungsfähigen digitalen Infrastruktur binnen zehn Jahren" FAZ) fordert. Wörtlich sagt der Chef der IT-Vereinigung: "Die Politik, aber auch alle relevanten Akteure in Wirtschaft und Gesellschaft, müssen dem Ziel der Digitalen Souveränität oberste Priorität einräumen."
Seit 50 Jahren, seit Jean-Jacques Servan-Schreiber sein Buch "Die amerikanische Herausforderung" veröffentlichte, wird um diese digitale Souveränität gekämpft. Und je mehr die Politik mitmischte, desto kleiner wurde das Ergebnis. Je mehr Subventionen man bekam, desto lebensuntüchtiger wurden die Empfänger. Die Politik hat die Deutsche Bundespost zerschlagen und so die Deutsche Telekom privatisiert - mit genau dem Ziel, Deutschland unternehmerisch und im Wettbewerb nach vorne zu bringen. Und gebracht hat's wenig. Denn wir haben immer noch nicht den Anschluss.
In den Informatikkursen, die Kempf nun ab der 5. Klasse als Pflichtfach fordert, waren die Schüler stets ihren Lehrern weit voraus. Und wenn Lehrer jungen Menschen etwas beibringen wollen, dann verlieren die Schüler sehr schnell die Lust daran.Wieviele Kinder wollen in die Schule gehen, um lesen zu lernen. Verlassen sie dann die Schule, fassen sie nie wieder ein Buch an.
Risikokapitalisten gibt es im Land der Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und anderer ERP-Höfe erst recht nicht. Allenfalls Management-Buy-Outs werden mit Privatgeldern finanziert. Start-ups laufen mit Geschäftsmodellen herum, die nur dann unterstützt werden, wenn man ein amerikanisches Gegenstück dazu anbietet.
Und ob die Gremien, die "Ideen" durch Wettbewerbe fördern wollen, wirklich wissen, was Ideen sind, ist mehr als fraglich.  
Die Leute, die heute davor warnen, dass wir mal wieder den Anschluss verlieren, sind nicht diejenigen, die die Lösung bringen. Sie sind das Problem. Leider.
So wird weiterhin um Subventionen gebettelt. Denn das ist der wahre und der tiefe Sinn jener Aufrufe, wie sie jetzt der Bitkom präsentierte.
Dieses Bettel-Business ist einer Branche, die das 21. Jahrhundert souverän bestimmen will, unwürdig.(Raimund Vollmer)

Dienstag, 12. Mai 2015

Verizon kauft AOL für 4,4 Milliarden Dollar...

... und zeigt damit mehr oder minder dezent, wohin die Reise der Telekombranche und der anderen Protagonisten aus den USA geht: Richtung Content.
Kommentar. Aber wie wir inzwischen den Laden kennen, brauchen die Medienunternehmen in Deutsachland noch eine Ewigkeit, bis sie das merken, was für ein Potenzial sie eigentlich haben. (Raimund Vollmer)

Montag, 11. Mai 2015

Rück-Click 1995: Das Ende des PC

1995: »Der PC ist tot. Er ist das Pferd und die Kutsche der Informations-Revolution.«
Paul Saffo, Institute of the Future in Palo Alto

Freitag, 8. Mai 2015

Die Wahlen in Großbritannien sagen uns alles über Big Data und die Kunst der Algorithmen

Da wird uns wochenlang die Geschichte von einem Kopf-an-Kopf-Rennen erzählt und heraus kommt ein "Erdrutsch"-Sieg für Cameron. Da wurden die Computer ganz schön ver.... (Raimund Vollmer)

Der Doktor, der zur Gitarre griff: Das Mädchen, das ihm IBM schickte


Ein lieber Freund schickte mir diesen Link. Hier erzählt ein Veteran, Dr. Martin Hannemann, ein wenig aus seinem Leben - und dann singt er uns dieses Lied. Da geht einem das Herz auf.
Ein schönes Wochenende wünscht Raimund Vollmer