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Samstag, 5. September 2026

Zum Tage: Sprachgrenzen

1999: „Eine Sprache scheint die andere zu unterstützen, das Französische sagt, was das Deutsche nicht sagt, und umgekehrt, denn was das Deutsche versenkt (erinnert), ruft das Französische wieder herauf (rapelle), als beginne die eine Sprache dort, wo die andere aufhört.“

Georges-Arthur Goldschmidt (*1928), französischer Schriftsteller deutscher Abstammung


Freitag, 4. September 2026

Zum Tage: Gesundheit (I)

 „Das Gefühl von Gesundheit erwirbt man sich nur durch Krankheit“

Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), deutscher Physiker und Philosoph

Donnerstag, 3. September 2026

Zum Tage: Gelegenheit

 „Wartest Du auf eine Gelegenheit zum Philosophieren, so hast du sie schon verpasst.“

Platon (427-347 v.Chr.), athenischer Philosoph

Eins und alles (8): Eine Minserie

 Das Ewige regt sich fort in allen:
Denn alles muss uin Nichts zerfallen,
Wenn es im Sein beharren will.

Johann Wolfgang von Goethe, 1821 

 Mein lieber Johann Wolfgang von Goethe, woher hast Du das alles gewusst? Schon vor 200 Jahren. Du bist – verzeih!, wir duzen uns heute alle – ein Visionär, Helmut Schmidt würde sagen, Du solltest zum Arzt gehen. Ach was, Du erkennst es selbst? In der Tat – was lese ich da? 

„Diese Strophen enthalten und manifestieren vielleicht das Abstruseste der modernen Philosophie“, kommentiertest Du 1821 selbst Dein Gedicht. Abstrus, absurd – diese, wie Du es nanntest „Entselbstung“?

WOW.

Aber steht das Internet – in seinem ursprünglichen Anspruch – nicht für das genaue Gegenteil, für die „Verselbstung“? Werde ich im Internet nicht erst wirklich zu Ich?RV

Mittwoch, 2. September 2026

Zum Tage: Widerruf

 „Das einmal gesprochene Wort entflieht – unwiderruflich“

Horaz (65-8), römischer Dichter

Dienstag, 1. September 2026

Zum Tage: Feigheit

 „Es gibt mehrere Arten sich gegen Versuchungen zu schützen, aber die sicherste ist Feigheit.“

Mark Twain (1835-1910), amerikanischer Schriftsteller

Eins und Alles (7): Eine Miniserie

 Es soll sich regen, schaffend handeln,
Erst sich gestalten, dann verwandeln;
Nur scheinbar stehts Momente still.

Johann Wolfgang von Goethe, 1821 

 

Der Cyberspace ist heute dieser Ort der Reinheit, der höchsten Moral, der höchsten Vernunft, in dem alles nichts ist, damit aus nichts alles entsteht – weit über das hinaus, was es im richtigen Leben gibt. Ja, das richtige Leben wird eliminiert. Der Schöpfer all dessen, der Mensch, „muss sich“, um mit dem Philosophen Jacobi zu sprechen, „dem Wesen nach vernichten.“RV

Montag, 31. August 2026

Eins und Alles (6): Eine Miniserie


Und was nicht war, nun will es werden
zu reinen Sonnen, farbigen Erden;
In keinem Falle darf es ruhn.
Johann Wolfgang von Goethe, 1821 

 

„Die reine Vernunft vernimmt nur sich“, schrieb am 6. März 1799 der Philosoph und Wirtschaftsreformer Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819) an seinen Kollegen Johann Gottlieb Fichte (1762-1814). Sie ist für ihn noch ein „chemischer Prozess“, also kein digitaler, wie wir heute stattdessen sagen würden. Es ist ein Prozess, bei dem alles „in Nichts verwandelt wird“, wie Jacobi sagt. Nicht in Nichts, korrigieren wir ihn wohlwollend, sondern in Nullen und Eisen. Es entstünde dadurch ein so reiner Geist, „dass er, in dieser Reinheit, selbst überhaupt nicht sein, sondern alles nur hervorbringen kann…“ RV

Sonntag, 30. August 2026

Eins und Alles (5): Eine Miniserie

 Und umzuschaffen das Geschaffne,
Damit sichs nicht zum Starren waffne,
Wirkt ewiges lebendiges Tun.

Johann Wolfgang von Goethe, 1821 

 

Alles ist künstlich. Nichts ist mehr echt. Alles ist falsch. Vor allem die Moral.

Die Gedanken sind nicht mehr frei. Wir haben sie verraten. Die Gedanken sind reine Vernunft – und die ist ihre eigene Wahrheit. RV