Dienstag, 7. Juni 2011

Morgen ist World IPv6 Day - und die Hacker stehen bereit...

... wenn rund 400 Websites das neue Internet-Adressensystem IPv6 testen werden. So berichtet Computerworld. Zu den Testwebs gebören Google, Facebook und Yahoo! sowie die Microsoft Suchmaschine Bing. Hacker würden durch Attacken nach dem Muster Distributed Denial of Services diese Webseiten fluten und dabei den dualen Betrieb für sich ausnutzen. Denn morgen fahren diese Websites sowohl IPv4 als auch IPv6 parallel, wobei die Attacken, die über IPv6 laufen, unentdeckt bleiben würden. So die Meinung von Experten.
Journalyse-Quelle: Computerworld, 6.6.2011: Hackers may try to disrupt World IPv6 Day

iCloud: »Kaufen Sie sich für 25 Dollar Ihre eigenen Lieder!«...

So lautet in etwa das Geschäftsmodell von Apple bei der gestern vorgestellten iCloud. Hier übernimmt die Wolke alle in einer persönlichen Privatsammlung vorhandenen Titel und macht sie dann überall elektronisch abrufbereit. Auf jedem Digitalgerät. Allerdings synchronisiert sie nicht die zentralen Bestände mit Blackberrys und anderen Non-Apples wie etwas Smartphones auf der Basis von Android. Die Geräte, die tatsächlich vollen Nutzen aus der Wolke beziehen können, tragen natürlich das kleine i vorweg. Wie schon manches andere, was im Web 2.0 vorgestellt wurde, basiert auch die iClouid auf dem Konzept, dass man mit anderer Leute Eigentum jede Menge Geld verdienen kann. Von den 25 Dollar, die Apple für das Wolkenmusikheim kassiert, behält die Firma selbst 30 Prozent für sich, der Rest geht an die Musikindustrie, die sicherlich wiederum in ihrer großzügigen Weise einen kleinen Teil an die Musiker weitergeben wird.

Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 7.6.2011: Apple Opens Locker for Songs

Fazit: Kreative dürfen nicht darauf hoffen, dass ihnen das Web 2.0 in irgendeiner Form dient. Es simuliert nur Unterstützung. Pseudo. Virtuell. Die Kreativen sind stets die ersten in der Wertschöpfungskette, aber den eigentlichen Lohn kassieren die letzten, die Cleveren. Steve Jobs, der es sich nicht nehmen ließ, die iCloud vorzustellen, hat mit dem Filmstudio Pixar unendlich viel getan, der Kreativität den digitalen Raum zu öffnen. Die iCloud aber tut nichts in diese Richtung. Sie ist letztlich nichts anderes als eine Verwaltungsgebühr. Warum damit die Musikmanager der Plattenindustrie Geld verdienen dürfen, bleibt rätselhaft. Denn es geht ja hier um die Verwaltung von Musik, die der Konsument bereits erworben hat, und nur nebenbei um Neuerwerb. Das richtige Konzept würde dafür sorgen, dass allein den Musikern das Geld direkt zukommt. Als Investment in die Kreativität von morgen. Apple verlässt langsam - und wir werden dies bei den anderen Mitgliedern der Viererbande miterleben - das Konzept der alleinigen Konzentration auf den Konsumenten. Sie suchen mehr und mehr die institutionelle Einbindung. So werden die Mitglieder der Viererbande zu IBMs und Microsofts, die ihr meistes Geld mit Firmen und Behörden verdienen. Das ist einfach bequemer, als sich um Privatpersonen zu kümmern. Allerdings ist dann auch die Zeit vorbei, in der man höchste Börsenbewertungen bekommt. Doch so mancher Manager ist vielleicht sogar froh, wenn er sich nicht mehr der brutalsten aller Beurteilungen und Bewertungen stellen muss: der Bewertung durch den Konsumenten, durch die Privatperson. Die Auseinandersetzung mit Analysten und institutionellen Anlegern ist da viel angenehmer. Dieses Verhältnis basiert auf gegenseitiger Berechenbarkeit. Man weiß, was man voneinander verlangt. Der Publikumsgeschmack aber ist sehr spontan und wechselhaft. Klar, das hält auf Dauer kein Unternehmen aus. Das schaffen nur die Kreativen.
Raimund Vollmer

Dazu noch folgender Wolkenwitz.
Was ist ein Psychopath? Das ist jemand der Luftschlösser baut.
Was ist ein Psychiater? Das ist jemand, der dafür die Miete kassiert.

Montag, 6. Juni 2011

Wasserversorgung: Software zeigt undichte Stellen...

... in den kommunalen Kanalisationen und hilft somit den Betreibern, 14 Milliarden Dollar zu sparen. Das sei nämlich die Summe, die jedes Jahr durch Lecks in den Leitungen entstehen, berichtet das britische Wirtschaftsmagazin The Economist. Die Anwendung, die dafür sorgt, schneller und genauer als alle anderen Verfahren undichte Stllen zu entdecken, kommt nicht von IBM oder einem anderen Apologeten der Smart Cities, sondern von einem Softwarehaus aus Tel Aviv namens TaKaDu. Ein Beispiel, das zeigt, dass es mehr zu tun gibt, als sich die Viererbande (siehe untenstehenden Beitrag) vorstellen kann.
Journalyse-Quelle: The Economist, 4.6.2011: Pipe dreams

Die Viererbande: Apple, Amazon, Google und Facebook...

... sind auch heute ein Thema im Wall Street Journal, nachdem Ex-Google-Boss Eric Schmidt dies Internet-Quartett letzte Woche auf den Schild gehoben hatte. In dem aktuellen Gespräch mit dem Top-Job-Hopper (Sun, Novell) wird deutlich, dass jeder der Fab Four es geschafft hat, ungehindert durch den anderen Wachstum zu erzeugen und seine Kreativität zu entfalten - und zwar auf der Basis der absoluten Konzentration auf den Konsumenten. Jetzt aber kommen sich die vier glorreichen Sieger der New Economy zunehmend gegenseitig ins Gehege.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 6.6.2011: The New Online Wars

Kommentar. Alle vier leben von der Kreativität anderer. Apple hat - übrigens ebenso wie Microsoft - nichts erfunden. Die Basisideen hatten immer vorher schon andere. Musik, Handys, PC, grafische Benutzeroberfläche. Selbst die Apps sind eine Idee, die so alt ist wie die Software-Industrie. Amazon wäre nichts, wenn nicht vor 500 Jahren ein gewisser Herr Johannes von Gutenberg die Bibel abgeschrieben hätte - in beweglichen Lettern. Millionen von Autoren hat er seitdem das mehr oder minder lukrative Geschäftsmodell geliefert. Facebook lebt einzig und allein davon, dass Menschen sich gegenseitig etwas zu erzählen haben - und mixt das mit Werbung. Und Google? Was hätte Google im Internet zu suchen, wenn nicht Abermillionen von Menschen dafür sorgen, dass man im Internet auch etwas findet. Das soll nicht heißen, dass diese vier nichts eigenes auf die Beine gestellt haben - sondern es geht ganz einfach darum, deren Bedeutung zu relativieren. Hinter ihnen stehen Abertausende von Mitarbeitern, die täglich ihren Job machen, damit die Systeme, an deren Spitze sich die Milliardäre sehen, funktionieren.
Und wenn wir in diese Systeme und deren Bewertung an der Börse hineinschauen, dann haben wir es hier mit einer vollkommenen Kommerzialisierung des Kunden zu tun. Denn letzten Endes wird - das zeigen ja die Formeln, nach denen im IPO-Umfeld dieser Typ von Unternehmen bewertet wird - die Kaufkraft der versammelten und zukünftigen Kunden bewertet, nicht die wirtschaftliche Basis des Unternehmens. Der Kunde ist letztlich das einzige Geschäftskapital. Wir werden in den nächsten Jahren erleben, wie flüchtig dieses Geschäftskapital ist. Einen ersten Vorgeschmack hatten wir beim Zusammenbruch der New Economy vor zehn Jahren. Damals hatten die Börsengänger davon gelebt und profitiert, dass der Privatanleger, der Konsument, die Aktie entdeckt hatte. Er wurde bitter enttäuscht. Es kann durchaus sein, dass in diesem Jahrzehnt die enttäuscht werden, die auf den Kunden als Käufer setzen. Denn der Versuch, alles mit Werbung zu durchsetzen und die Entscheidungen der Kunden zu beeinflussen, nähert sich mehr und mehr der Grenze des Erträglichen.
Raimund Vollmer

Sonntag, 5. Juni 2011

Zitat des Tages: Programmiersprachen

»Es gibt Tausende von Programmiersprachen,
aber nur eine Handvoll wird von mehr Leuten
als nur den Erfindern benutzt.«

David Patterson. Computerwissenschaftler
an der Universität von Kalifornien in Berkeley
Journalyse-Quelle: The Economist, 2. Juni 2011: "Parallel bars"

Freitag, 3. Juni 2011

Glosse: Sapzarap

Walldorf ist kein „Walddorf“, wie Journalyse kürzlich versehentlich meldete, sondern eine durchaus blühende und wohlhabende Kleinstadt im Süden der Kurpfalz. Weltunternehmen wie IKEA und die Heidelberger Druck (in der Kurpfalz „Schnellpresse“ genannt), REWE und nicht zu vergessen die SAP sorgen für ständigen Aufschwung, noble Straßenbeläge und ordentlichen Wohlstand. Das war noch nicht der Fall, als der berühmteste Sohn Walldorfs mit 17 Jahren seine Heimat fluchtartig verließ und sich über London nach New York absetzte. Johann Jacob Astor wurde zum reichsten Mann der Vereinigten Staaten, handelte mit Musikinstrumenten, Pelzen und ein bisschen Opium, das er aus China importierte. Seine Geschäftsmethoden waren etwas ruppig. So drückte er gestandene Pelzhändler aus dem Geschäft, indem er die Indianer statt mit Haushaltsgeräten und anderen nützlichen Dingen mit Alkohol und Waffen versorgte. Als Pelze aus der Mode kamen, sattelte Astor um und betätigte sich als Immobilienhai, was ihn zum größten Grundstücksbesitzer Manhattans machte. Obwohl er seine Heimat nie mehr wieder sah, sind anscheinend einige seiner Gene in Walldorf verblieben und verleiten Mitarbeiter des lokalen Softwareriesen zum nicht ganz fairen Umgang mit der Konkurrenz, die die Walldorfer mit Klagen überschüttet. Henry F. Sherwood, ein Computerpionier der 80er Jahre verstieg behauptete schon vor Jahrzehnten: „Jedes große Softwarehaus ist durch Diebstahl entstanden“, was für Riesenaufregung sorgte. So ganz falsch lag der Computerguru allerdings nicht, und, wenn man die aktuelle Szene verfolgt, ist es eigentlich völlig egal, wer wen verklagt, denn alle – ob groß oder klein - kupfern bei den Mitbewerbern ab, kaufen Konkurrenzmitarbeiter samt deren Produkte und sparen damit Entwicklungszeit und Kosten, die wahrscheinlich wesentlich höher wären als die zu erwartenden Strafen. Durch dieses nicht ganz korrekte Verfahren entstanden Giganten, die anfallende Geldstrafen aus der Portokasse bezahlen. Da nichts so schlecht ist, dass es nicht für was gut ist, erlösen die Kläger durch die Schadenersatzzahlungen sicher oft mehr als sie durch den Verkauf ihrer Produkte jemals verdient hätten. Und damit ist die Welt eigentlich wieder in Ordnung.

Verfasser: Hermann K. Reiboldt

Donnerstag, 2. Juni 2011

Versus IBM: NEON zieht zPrime vom Markt zurück...

... und überlässt damit im Mainframe-Markt Big Blue wieder das Geschäft der alleinigen Ausbeutung der Spezialmaschinen ihrer Z-Serie. Neon hatte ein Verfahren entwickelt, mit dem der Workload der in der Nutzung weitaus preiswerteren Special Engines über das von IBM erlaubte Maß ausgedehnt werden kann. Beide Parteien hatten gegeneinander Rechtsverfahren eingeleitet. die nun - ohne dass Gelder flossen - beendet wurden. Neon kassiert alle bereits installierten zPrime-Lizenzen und nimmt das Produkt vom Markt.
Kommentar. Es war schon immer so im Mainframe-Markt: Wenn's drauf ankommt, hat Big Blue stets die besten Karten - weil ein Trumpf nie sticht: die Kunden. Sie halten sich gegen den Riesen immer zurück. Sie würden zwar gerne dem Riesen die lange Nase zeigen, aber wenn's ernst wird, trauen sie sich nicht. So muss es nun Intel richten und das Server-Geschäft von unten aufrollen. Stück für Stück. Am Ende hat sich der Mainframe egalisiert und banalisiert. Schade, ein bißchen Pfeffer hätte dem Großrechner richtig gutgetan - und den Kunden hätte ein wenig Mut gutgestanden.
Siehe auch HIER.

Apple: Der Name iCloud.com ist nun gesichert...

... und wird wohl eine wichtige Rolle spielen, wenn dier Wunderfirma aus dem Silicon Valley in der nächsten Woche ihre Wolken-Dienste vorstellen wird. Bislang gehörte der Domain-Name der schwedischen Firma Xcerion.
Der Preis des Namen: 4,5 Millionen Dollar.
Journalyse-Quelle: Computerworld, 1.6.2011: Apple takes control of iCloud.com domain

LightSquared: Wenn dem GPS die Lichter ausgehen...

... dann könnte das daran liegen, dass der Telekomanbiter LightSquared mit seinen Mobilfunkwellen die GPS-Frequenzen und die anderer Sender überlagert. In den USA will LightSquared 40.000 Antennen installieren. Nun ist dieses Investment gefährdet.
Wenn dieses Netz nun dauerhaft suspendiert wird, könnte dies die Position von AT&T schwächen, die die Existenz von LightSquared als Wettbewerbs-Argument beim Erwerb der US-Tochter von T-Mobile (Deutsche Telekom) anführt.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 2.6.2011: LightSquared's Wireless Network Interferes With GPS

Google: China hackte wieder Email-Konten von US-Prominenten...

... in Staat und Gesellschaft. Aber auch chinesische Aktivisten und Journalisten gehörten zu den Zieladressen der Hacker. Zusammen mit dem FBI will Google nun der Sache nachgehen. Die Attacken kommen offensichtlich aus der Stadt Jinan, in der China das Äquivalent zur National Security Agtency unterhält. Offensichtlich interessieren sich die Chinesen vor allem dafür, was die Zielpersonen schreiben.
Google hat mehr als 200 Millionen Email-Konten weltweit.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 2.6.2011: Google Mail Hack Blamed on China

Mittwoch, 1. Juni 2011

Pentagon: Cyberattacken sind Kriegstat & Kriegsgrund...

... meint das amerikanische Verteidigungsministerium. Bestimmte Angriffe können als "Act of War" klassifiziert werden und rechtfertigen den Einsatz militärischer Mittel. "Wer unsere Versorgungsnetze angreift, muss damit rechnen, dass wir mit Raketen antworten werden", zitiert das Wall Street Journal einen hohen Militär.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 31.5.2011: Cyber Combat: Act of War
Mehr auch aus dem WSJ im Extrablog: Cyber-Attacken, die einen Kriegsgrund lieferten
Siehe auch COMPUTERWORLD

Eric Schmidt: In aller Feindschaft - mit Google, Amazon, Facebook, Apple...

... das sei die "Viererbande" (gang of four), die sich nun als Plattform für andere über das Netz ausbreiten und es dauerhaft dominieren werde. So meinte jetzt der frühere CEO von Google Eric Schmidt beim Blick auf die Machtverhältnisse im Markt.
Kommentar: Dass die Big Four dabei kräftig miteinander konkurrieren, aber auch kooperieren werden, ist wohl klar. Die Frage ist nur, wielange werden sie diese Dominanz ausüben können. Der Monolith IBM, drei Dekaden lang der unumstrittene Herrscher, wurde vor zwanzig Jahren entmachtet und von Microsoft und Intel an der Spitze der Nahrungskette verdrängt. Jetzt - nach zwanzig Jahren - wurde das Wintel entthront. Durch eine Vierer-Kette. Mal sehen, wie es in zehn Jahren aussehen wird und wie die Big Eight dann wohl heißen werden.

Eric Schmidt: In aller Freundschaft - ohne Google...

... und das war vor allem sein Fehler, dass das Suchmedienimperium die Bedeutung sozialer Netze unterschätzt habe, gestand jetzt der frühere CEO von Google, Eric Schmidt, ein. Das war dann wohl auch der Grund, warum ihn Mitgründer Larry Page als CEO ablöste. Ab heute - so die Ankündigung werden Google-User ihre Suchergebnisse über den neuen Google-Service +1 Freundenmitteilen können.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 1.6.2011: Google Missed 'Friend Thing'

Hacker-Attacken beunruhigen Unternehmenschefs...

... meint das Wall Street Journal, das über die jüngsten Vorfälle an der Hackerfront berichtet. Man spürt derweil eine gewisse Hilflosigkeit gegenüber den Attacken, vor denen keiner mehr sicher zu sein scheint. Selbst der Sicherheitsspezialist RSA war Gegenstand solcher Angriffe aus dem Cyberspace. Dass jetzt für mehr Sicherheit due Budgets geöffnet werden, gilt als sicher. Ob dies wirklich hilft, ist mehr als ungewiss. Es wird jedenfalls den früher von Bill Gates so gefeierten "friktionslosen Kapitalismus" weiter verdrängen zugunsten von mehr Bürokratie, von der kluge Menschen behaupten, dass sie die wahre Verbündete der IT sei.
Journalyse-Quelle: Wall Street Journal, 31.5.2011: Hackers Broaden Their Attacks